Pauli Levi versus Clara Zetkin-Geschichte aktuell

 

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kommunistischen Internationale und speziell der deutschen KPD in den zwanziger Jahren ist äußerst aktuell. Die Weltökonomie gerät gegenwärtig ins Wanken. Der Vortanzvorsitzende von BASF forderte eine neue Agenda 2010. Die Wirtschaft wächst nicht mehr. Alle Widersprüche spitzen sich zu. Zur gleichen Zeit erleben wir eine politische Legitimationskrise der bürgerlichen Herrschaft. Einstige „Volksparteien“ erodieren. Die Gegenwartsfanatiker innerhalb der „Linken“ eiern weiter erfolglos herum. Die Rechte wird in Deutschland zur Scheinalternative. Die Bourgeoisie setzt zunehmend auf den modifizierten Brüning Verschnitt Friedrich Merz als Kanzler. Es steht eine tiefe ökonomische und politische Krise an. Wir stehen vor scharfen Klassenkämpfen. Die Beschäftigung speziell mit den Revolutionsjahren 1918 bis 1923 ist daher unumgänglich.

Anmerkungen zum Artikel: “ Weshalb scheiterte die deutsche Revolution 1918- 23? von Walter Held

Es fällt mir ungeheuer schwer einen Artikel des Genossen Walter Held welcher Opfer des stalinistischen Terrors wurde zu kritisieren. Dennoch ist es notwendig bestimmte Aussagen in dem historischen Artikel zu hinterfragen. Keinesfalls geht es mir darum die Fehler der Komintern in der oben genannten Phase und des Fehlens einer wirklichen leninistischen Parteiführung in der deutschen KPD infrage zu stellen. Dazu ist im Artikel vieles richtig und treffend formuliert. Allerdings gibt es in dem Artikel oberflächliche und fehlerhafte Akzente. Es finden sich in dem Artikel einige unhaltbare Aussagen. Beispielsweise ist folgendes zu lesen:“ Das politische Niveau des Gespanns Maslow-Fischer befand sich in der Nähe der Hooligans der extremen Rechten, dem Pack um Streicher und Strasser.“ Eine solche Aussage kann und darf so nicht getätigt werden. Es ist unmöglich bei aller Fehlerhaftigkeit von Maslow und Fischer, diese mit Strasser oder gar Julius Streicher gleichzusetzen.

Die Märzaktion 1921

Völlig richtig wird in dem Artikel auf die Fehlerhaftigkeit und den Subjektivismus der sogenannten Offensivtheorie hingewiesen. Es war in der Tat ein ultralinker Fehler ohne die Mehrheit der Arbeiterklasse in Deutschland,

hinter sich zu wissen einen Revolutionsversuch zu unternehmen. Inhaltlich hatte Paul Levi mit seiner Kritik an der Aktion völlig recht. Es ist nur unhaltbar ohne kollektive Diskussion, individuell eine Broschüre zu veröffentlichen in der mit Kraftausdrücken, die deutsche KPD niedergemacht wird. Im März 1921 hatte die KPD die Mehrheit der Arbeiter im mitteldeutschen Industriegebiet speziell im Raum Halle-Merseburg hinter sich. Der sozialdemokratische Polizeipräsident Hörsig begann die Arbeiter in dieser Region zu provozieren zu entwaffnen und ihre Kontrollmöglichkeiten über die Produktion außer Kraft zu setzen. Völlig richtig kritisierte Karl Radek auf dem Dritten Weltkongress der Kommunistischen Internationale die KPD wegen der „Verwechslung von Defensive und Offensive“. Radek empfahl den deutschen Genossen doch“ beim alten Clausewitz nachzusehen und sich über den

Unterschied zwischen Defensive und Offensive kundig zu machen.“ Nach Radek wäre es richtig gewesen, die Arbeiter in Deutschland zur Verteidigung einer bereits errungene Position in Mitteldeutschland aufzurufen. Das war eine klare Distanzierung vom Aufruf zur Revolution entsprechend der Offensivtheorie in Gesamtdeutschland, welchen die abenteuerliche ultralinke KPD Führung unternahm. Auch Sinowjew, genauso wie Leo Trotzki, kritisierten vielleicht in etwas zu vorsichtigen Worten, die ultralinken Aktionen und die ihr zugrundeliegende Offensivtheorie in Deutschland. Klara Zetkin kritisierte inhaltlich ähnlich wie Paul Levi die Märzaktion in Deutschland. Sie brachte allerdings die Disziplin auf, den Weltkongress abzuwarten, um für ihre Position zu werben. Die Beschlüsse des dritten Weltkongresses mit ihrer Zielstellung, „nicht mit der Revolution zu spielen und die Mehrheit der Arbeiterklasse mittels der Einheitsfronttaktik zu erobern“ gaben weit gehend der Kritik von Klara Zetkin und anderer Anhänger von Paul Levi recht. Nichtsdestotrotz wurde Paul Levi scharf kritisiert. Diese Kritik erfolgte zu Recht. Mitten im Kampf kann nicht ein Individuum mit Kraftausdrücken wie der „größte Bakunisten Putsch in der deutschen Geschichte“ oder“ die Turkestaner“ gemeint waren die Vertreter der Komintern, den kämpfenden Arbeitern von denen 7000 Inhaftiert wurden in den Rücken fallen. Der Genosse Lenin sprach in einem Gespräch mit Klara Zetkin von der Tatsache.“

Das Pauli Levi den Kopf verloren hätte, obwohl er wenigstens einen zu verlieren hatte.“ Aus den Erinnerungen von Clara Zetkin geht hervor, wie Lenin, Paul Levi eine Brücke bauen wollte. Er schlug vor, Levi solle „unter Pseudonym einige wertvolle Artikel für die Parteipresse verfassen, um dann,

wieder eine wichtige Rolle in der deutschen Partei auszufüllen“. Bekanntlich lehnte Paul Levi all dies ab. Ganz im Gegenteil, Paul Levi veröffentlichte im Jahr 1922, die Artikel von Rosa Luxemburg zur Russischen Revolution, welche sie im Gefängnis geschrieben hatte und nie veröffentlicht haben wollte.Levi ging es darum mit diesem Schritt die Russische Revolution zu diskreditieren. Ab diesem Zeitpunkt distanzierte sich Klara Zetkin scharf von Levi. Mit diesem Schritt stellte sich Levi bewusst der kommunistischen Bewegung entgegen. All das kommt in dem Artikel von Walter Held nicht zur Sprache. Auch nicht der Fakt, dass unter der Leitung von Ernst Meyer, ab Frühsommer 1921 die KPD aus den Fehlern lernte und eine erfolgreiche Politik gemäß den Beschlüssen des Weltkongresses durchführte. Leider wurde Meyer im Januar 1923 von Heinrich Brandler auf Initiative Sinowjews als Parteichef abgelöst.

Einige Anmerkungen zur Person Paul Levi

Levi war ein glänzender Jurist welcher unter anderem Rosa Luxemburg verteidigte. Auch in der Weimarer Republik war er als Rechtsanwalt tätig und verteidigte als linkes SPD Mitglied, viele Arbeiter gegen die bürgerliche Klassenjustiz. Auf dem Gründungsparteitag der KPD hielt er ein glänzendes Referat bezüglich der Teilnahme der KPD an den Wahlen zur Nationalversammlung. Bekanntlich lehnte die ultralinke Mehrheit die Vorschläge von Luxemburg, Levi und Liebknecht, ab. Beim Heidelberger Parteitag im Oktober 1919 setzte Levi Beschlüsse gegen die ultralinken Stimmungen innerhalb der Mitgliedschaft der KPD durch. Dies führte zur Spaltung und zur Gründung der KAPD. Die KAPD bekam auf dem zweiten Weltkongress der Kommunistischen Internationale, den Status einer sympathisieren Organisation. Dieser Beschluss wird von Walter Held in dem Artikel kritisiert. Diese Kritik ist falsch. Anfang der Zwanzigerjahre wollten alle möglichen Leute mit denen sich teilweise Paul Levi solidarisierte-Mitglied der kommunistischen Internationale werden. Davon zeugt die Affäre um die italienischen Zentristen Turruti und Serrati (Konferenz in Livorno) mit denen,

sich Levi solidarisierte. Völlig zu Recht wies die Kommunistische Internationale auf dem zweiten und dritten Weltkongress daraufhin, dass der Hauptgegner nicht links, sondern rechts stehe. Genau aus diesem Grund formulierte der zweite Weltkongress die berühmten 21 Bedingungen zur Aufnahme in die Kommunistische Internationale. Offensichtlich hatte Paul

Levi damit seine Probleme wie seine Haltung zur italienischen Frage zeigte. Im Jahr 1920 schrieb Lenin sein berühmtes Buch“ „Der linke Radikalismus als Kinderkrankheit des Kommunismus“. In der Tat, eine Kinderkrankheit ist leichter zu bekämpfen als rechts opportunistischer Altersschwachsinn. Aus diesem Grund wurde die KAPD als sympathisieren Sektion in die Kommunistische Internationale aufgenommen . Nicht um ihr inhaltliche Zugeständnisse zu machen sondern, um sie von den ultralinken Kinderkrankheiten zu heilen. Diese Herangehensweise war Levi fremd. Eine unmögliche Haltung hatte Levi zur Räterepublik in Bayern speziell in ihrer kommunistischen Phase in München. Er verurteilte die Teilnahme der Kommunisten und ihre aktive Rolle in der letzten Phase der Räterepublik in München durch Eugen Levine in mehreren Artikeln.Natürlich hatte Eugen Levine die Teilnahme an der Scheinräterepublik in München bis Mitte April

1919 abgelehnt. Als aber am 14. April 1919 bewaffnete Einheiten der Konterrevolution, die Arbeiter in

München angegriffen war Levine klar, dass die Kommunisten nicht beiseite stehen dürften. Sie mussten trotz der Isolierung der Arbeiter in München ihren Widerstand gegen die Konterrevolution so gut als möglich organisieren. Levi hingegen kritisierte die Teilnahme der Kommunisten am im wesentlichen bewaffneten Widerstand gegen die „wild gewordene Soldateska“ als „Abenteuer“ auf dem Heidelberger Parteitag 1919. Wer die politische Biografie von Paul Levi näher betrachtet, wird nicht darum herumkommen festzustellen, dass es sich um einen gebildeten links stehenden Menschen handelte welcher aber ständig zwischen Marxismus und Zentrismus hin und her schwankte. Solche Erkenntnisse kommen in dem Artikel von Walter Held nicht vor.

Der deutsche Oktober 1923

Die opportunistischen Fehler der Brandler Thalheimer Führung im Deutschen Oktober 1923 werden im Artikel richtig benannt. Völlig zu Recht verweist Held auf die bremsende Rolle Stalins bezüglich der Machbarkeit der deutschen Revolution im Jahr 1923. Den meisten Ausführungen des Autors Walter Held ist zuzustimmen. Aber auch hier muss ich einige kritische

Bemerkungen anfügen. Es ist in der deutschen Linken heutzutage Mode Karl Radek, wegen seiner „Schlageter Rede“ im Frühsommer 1923 zu verurteilen und ihm nationalistische Abweichungen zu unterstellen. Völlig ausgeblendet wird in diesem Diskurs, die Überlegung von Radek, die deutsche Rechte zu verwirren zu desorganisieren und zu paralysieren. Radek ging davon aus, dass im Zuge herannahenden Revolution, es die deutsche Arbeiterklasse mit der Reichswehr, den Polizeieinheiten, sowie der reaktionären deutschen Rechten zu tun bekäme. In seiner berühmten Rede nannte Radek-Schlageter einen: „Wanderer ins Nichts“ und „einen mutigen Soldaten der Konterrevolution“. An diesen Ausführungen ist nichts zu kritisieren. Schlageter war in der Tat, „Soldat mutig“ und ein „Konterrevolutionär“. Mit seiner freundlichen Worten startete Radek den Versuch dem reaktionären Kleinbürgertum nahe zulegen, sich aus der kommenden Auseinandersetzung zumindest herauszuhalten. Man mag das für ein gewagtes Verwirrspiel des Zockers Radek halten aber mit

Nationalbolschewismus hatte diese Herangehensweise nichts zu tun. Eine andere Frage ist wie die deutsche KPD Führung mit der Rede von Radek umging. Es gab real wirklich nationalistische Abweichungen in der KPD

Presse, speziell als man die Zeitungsspalten für einen Grafen Reventlow und andere öffnete. Gleichzeitig wurde aber auch ein Antifaschistentag mit Massencharakter im August 1923 durchgeführt.

Fazit

Der Artikel von Walter Held aus den Archiven ist hervorragend geeignet, um speziell junge Revolutionäre und die marxistischen Kader auf kommende revolutionäre Schlachten vorzubereiten. Eine scharfe Kritik an dem Artikel von Walter Held ändert daran nichts Wir müssen uns mit Geschichte auseinandersetzen Geschichte ist gewonnener Erfahrung, die es für heute zu nutzen gilt.

Foto Clara Zetkin

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Zur Geschichte der KPD und zur Arbeiterbewegung anhand von Einzelpersonen

Rezension – Martin Monath – Ein Berliner Jude unter Wehrmachtssoldaten

 

Von Max Brym

Im „Schmetterling Verlag“ ist eine lesenswerte Biografie über Martin Monath erschienen. Das Buch von Wladek Flakin hat den Titel: „Arbeiter und Soldat–Martin Monath ein Berliner Jude unter Wehrmachtsoldaten“. Der Autor hat das Verdienst einen einst links zionistischen Juden und späteren führenden Trotzkisten in Belgien und Frankreich, dem Vergessen entrissen zu haben. Martin Monath wurde 1912 in einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie in Berlin geboren. Ziemlich früh engagierte sich der bildungshungrige Monath, später auch unter dem Decknamen Viktor oder Widelin politisch. Wladek Flakin beschreibt den Weg von Monath von der links zionistischen Organisation Hashomer Hatzair (Der Wächter) zur trotzkistischen Organisation in Belgien und Frankreich. Martin Monath lehnte die Fixierung von Hashomer Hatzair auf die Alija (Rückkehr nach Palästina) obwohl er einige Zeit in Dänemark als Landarbeiter für Hashomer Hatzair tätig war ,ab. Im Lauf seiner Entwicklung, setzte Martin Monath auf die Weltrevolution und die 4 Internationale von Leo Trotzki, um die „jüdische Frage“ zu lösen. Besonderen Wert legte er auf die deutsche Arbeiterrevolution gegen das Hitlerregime. Er gab in Frankreich zuerst die Zeitung „Soldaten im Westen“ und dann die Zeitung „Arbeiter und Soldat“ heraus. Monath orientierte auf die Schaffung von antifaschistischen Arbeiterkomitees innerhalb der Wehrmacht. In der besetzten französischen Hafenstadt Brest bildeten sich tatsächlich solche illegalen Soldatengruppen innerhalb der Wehrmacht. Nach Zeitzeugenberichten aus Brest, welche der Autor ausgrub grüßten sich zum Teil französische Arbeiter und deutsche Soldaten mit erhobener Faust. Die Arbeit von Monath war nicht umsonst. Allerdings deckte die Gestapo, die Komitees auf und verurteilte zwischen 15 und 20 deutsche Soldaten in Brest 1943 zum Tod. Martin Monath wurde gejagt und im August 1944 von der Gestapo sozusagen zweimal erschossen. Zuerst Anfang August überlebte Monath die Hinrichtung in einem Wald bei Paris. Anschließend wurde der schwerverletzte Monath von Antifaschisten in ein Pariser Krankenhaus gebracht. Nach einigen Tagen kurz vor der Befreiung von Paris, wurde Monath von der Gestapo aus dem Krankenhaus geholt und sozusagen ein zweites mal wirklich erschossen. Die Biographie liest sich spannend,obwohl der Autor dieser Zeilen nicht mit jeder Wertung in dem Buch einverstanden ist. Die französische Résistance wird nach meiner Meinung falsch kritisiert. Das Problem der Résistance war nicht, dass sie militanten Widerstand gegen die Nazibesatzung durchführte, sondern dies nur in geringem Maß mit der Gewinnung von einfachen Wehrmachtsoldaten kombinierte. Flakin vermittelt fast den Eindruck, als ob dieser Widerstand der Résistance grundsätzlich daneben lag. Dennoch das Buch ist eine Bereicherung. Jüdische Internationalisten wie Monath, Abraham Leon sowie der junge Ernst Mandel, mit denen der Held der Biografie eng zusammenarbeitete müssen nicht nur gewürdigt werden. Ihr Internationalismus muss hochgehalten werden. Im Anhang des Buches sind alle Ausgaben von „Arbeiter und Soldat“ nachgedruckt. Ergo unbedingt lesen, ohne jedes Wort als wirklich realitätstauglich zu werten. Natürlich war der Krieg bis auf den Kampf der Sowjetunion, ein imperialistischer Krieg von allen Seiten, um die Dominanz auf dem kapitalistischem Weltmarkt. Aber der deutsche Faschismus hatte in diesem Ringen eine besonders negative Qualität. Man denke nur an Auschwitz. Letzteres wird bei dem Autor Flakin nicht immer deutlich.

Bestellungen unter www.schmetterling-verlag.de/page-5_isbn-3-89657-158-�_� 

Rezension
Heimat im Exil – Exil in der Heimatvon Max Brym
06/04trend
onlinezeitung
Der Assoziation A Verlag brachte ein Buch von Ernesto Kroch unter dem Titel, „Heimat im Exil- Exil in der Heimat“ heraus. Die Autobiographie des 1917 in Breslau geborenen, jüdisch linken „Weltbürgers“ Kroch ist ein gelungenes Werk. Ernesto Krochs Lebensgeschichte ist durch ein doppeltes Exil geprägt. Als deutsch jüdischer Kommunist wurde Kroch von den Nazis verfolgt, Kroch floh vor der Verfolgung 1938 nach Lateinamerika. Als 1973 in Uruguay eine Militärdiktatur die Macht übernimmt, ist Kroch Anfang der achtziger Jahre gezwungen, den umgekehrten Fluchtweg zu wählen und Asyl in Deutschland zu suchen. Seit 1985 lebt Ernesto Kroch wieder in Montevideo und ist als engagierter Linker weiterhin in sozialen Basisorganisationen und im Umfeld des Linksbündnisses Frente Ampolio aktiv.Lebendige Geschichte

Ernesto Kroch war in seiner Jugend viel mit den „Kameraden“ des Jugendbundes unterwegs. In der freien Natur, auf großer Fahrt, versuchte damals in Deutschland die Jugend aus dem Mief und der Enge der spießigen Verhältnisse herauszukommen. Es gab sozialistische, katholische, jüdische und nationalistische Verbände in der Wanderbewegung. So sehr sich die Vereine inhaltlich unterschieden, die einen suchten nach Gott, die anderen nach Blut und Boden und wieder andere nach Naturerlebnis und Solidarität, so sehr waren bestimmte Formen der Bewegung gleich. Der Rucksack, die Fahne, das Lagerfeuer, das Abenteuer. Gerne erinnert sich Ernesto Kroch an diese Zeit. Ernesto Kroch gehörte einer deutsch jüdischen Wandergruppe an. Ab dem Jahr 1932 konnte der jüdische „Jugendbund Kameradschaft“ die politische Enthaltsamkeit nicht mehr aufrechterhalten. Ein Teil der Mitglieder näherte sich zionistischen Organisationen an, ein anderer Teil versuchte sich durch besondere „Deutschtümelei“ durchzuschlagen und der dritte Teil orientierte sich an der sozialistisch-kommunistischen Arbeiterbewegung. Ernesto Kroch arbeitete in der FDJJ (Freie Deutsch Jüdische Jugend) mit. Die FDJJ war von Stadt zu Stadt unterschiedlich, entweder mit der SPD, der KPD, der SAP oder KPO verbunden. In Breslau war die KPO (Kommunistische Partei Opposition) die Organisation, die Ernesto und seine Freunde am meisten anzog. Die KPD-O wandte sich unter Führung des ehemaligen KPD Vorsitzenden Heinrich Brandler und August Thalheimers gegen den ultralinken Kurs der KPD ab 1928. Die KPD-O lehnte die Politik der SPD grundsätzlich ab, dennoch schlug sie zur Abwehr des Faschismus eine taktische Einheitsfront zwischen SPD und KPD vor. Letzteres lehnte sowohl die SPD, als auch die KPD Führung ab. Hinlänglich bekannt sind die historischen Folgen der nicht zustande gekommenen Einheitsfront zwischen KPD und SPD gegen den Nazifaschismus. In den Memoiren von Kroch wird dargelegt, dass die organisierte deutsche Arbeiterbewegung durchaus Chancen gehabt hätte, durch gemeinsame Aktionen den Faschismus zu besiegen. Ernesto Kroch war ab 1932 Lehrling in einem Metallbetrieb und erinnert sich genau daran, wie die Arbeiter 1933 auf ein Signal zum Kampf gegen Hitler warteten. Der ADGB warnte jedoch vor „Abenteuern“ und betonte, „dass Hitler legal zur Macht gekommen sei“. Noch im März 1933 erlitt in Gesamtdeutschland die NSBO anläßlich der Vertrauensleutewahlen, in den Betrieben eine vernichtende Niederlage. Ernesto Kroch legt klar, dass der Sieg des Faschismus in Deutschland, vor allem auf das Versagen der Führungen der Arbeiterbewegung zurückzuführen war. Auch der sinnvolle Aufruf zum Generalstreik durch die KPD vom 30. Januar 1933 konnte daran nichts mehr ändern. Die KPD hatte sich mit ihrer „Sozialfaschismus Theorie“ und ihrer linkssektiererischen Gewerkschaftspolitik (RGO-Aufbau eigener Gewerkschaften) in den Betrieben isoliert Ernesto Kroch war bis Ende 1934 im illegalen antifaschistischen Widerstand für die KPO tätig. Dann wurde der Widerstandskämpfer Ernesto Kroch von den Nazis geschnappt, bis zum Jahr 1937 war Ernesto Kroch zuerst im Gefängnis und anschließend im KZ- Lichtenberg inhaftiert.

In eine neue Welt

Im Jahr 1937 gelangte Ernesto Kroch über die Tschechoslowakei nach Jugoslawien. Dort versuchten ihn zionistische Organisationen für ein Leben in Palästina zu gewinnen. Darauf ließ sich Ernesto Kroch im Gegensatz zu seinem Bruder und seiner Schwester nicht ein. Ernesto Kroch mußte im Jahr 1938 Jugoslawien aufgrund des Druckes der dortigen Behörden verlassen. Als noch sehr junger Mensch, landete Kroch im selben Jahr in Uruguay. Kroch fand sich schnell mit dem Leben auf dem neuen Kontinent zurecht. Ihn faszinierte die Leichtigkeit des Seins in Montevideo, die völlig anders geartete Mentalität der Arbeiter. Von Vorteil war dabei seine Jugend, die bekanntlich mit Neugier und Antrieb verbunden ist. Die älteren Emigranten hingegen hingen mehr am alten Kontinent, ihren Verlusten und der deprimierenden Lebensbilanz. Kroch arbeitete bald wieder in einem Metallbetrieb, organisierte sich in der Gewerkschaft und traf die Emigranten in „Antifaschistischen Komitees“. Mitglied der Kommunistischen Partei wurde Kroch nicht, deren damaligen Führer Gomez nennt er einen „Miniaturstalin“ und auch gegenüber den gegebenen Verhältnissen in der Sowjetunion hatte Kroch seine Vorbehalte.

Uruguay

Uruguay galt lange Zeit als die Schweiz Lateinamerikas. Ein typisches Einwanderungsland mit einem breiten Mittelstand ermöglichte lange Zeit den „Luxus“ der bürgerlichen Demokratie. Dennoch entwickelte sich das Land ökonomisch sehr einseitig. Wenige Agrarprodukte und Rohstoffe wurden exportiert. Industrielle Fertigprodukte hingegen importiert. Das Land geriet zunehmend in Abhängigkeit von den entwickelten kapitalistischen Metropolen, vermittelt durch die Preisschere zwischen Rohstoffpreisen und den Preisen für industrielle Fertigprodukte. Das Land sitzt seit den sechziger Jahren in der Schuldenfalle des IWF. Das ist verbunden mit sattsam bekannten Privatisierungen und fortgesetzter Abwertung des Geldes. Die Zeche dafür zahlten hauptsächlich die Arbeiter, aber auch Teile des Mittelstandes wurden ab den sechziger Jahren in den Ruin getrieben. Aus der Intelligenz entwickelten sich in den sechziger Jahren die Tupamaros, die mittels bewaffneter Aktionen die Verhältnisse ändern wollten. Kroch weißt darauf hin, dass dies im wesentlichen kleinbürgerlich verzweifelte Aktionen waren, die Scheitern mußten. Die Arbeiter und Volksbewegung in Uruguay entwickelte hingegen vielfältige Aktionen des sozialen und politischen Widerstandes. In den Volks-Komitees organisierten die Menschen Aktionen gegen Wohnungsnot und Mietpreiserhöhungen. Mehr Wohnraum und Lohnausgleich wurden in den sechziger Jahren in Uruguay teils erfolgreich erkämpft. An all den Aktionen war Ernesto Kroch als führendes Mitglied der Metallarbeitergewerkschaft und bestimmter Stadtteil-Komitees beteiligt. Im Jahr 1973 gab es in Uruguay einen Militärputsch, detailliert beschreibt Kroch die Hintergründe des Putsches und die Verwicklung der USA in die Angelegenheit. Kroch beschreibt die Militärjunta zwischen 1973 und 1983 als improvisierte Brutalität. Improvisiert aufgrund der Schlampigkeit der Behörden (der CIA versuchte den Terror zu systematisieren) und der fehlenden Unterstützung in der Bevölkerung. Viele konnten vor einer Verhaftung gewarnt werden, die Solidarität der Arbeiter wurde nicht gebrochen.

Exil in der Heimat

Dennoch mußte Ernesto Kroch zu Beginn der achtziger Jahre aus dem Land flüchten. Er ging als politischer Flüchtling nach Deutschland. Diese Entscheidung viel Ernesto Kroch aus zwei Gründen nicht schwer: 1. Er hatte sich immer eine tiefe Liebe zu Deutschland, dem Land seiner Jugend bewahrt. 2. Stets unterschied Kroch zwischen den Nazis und dem deutschen Widerstand. Ihm war bewußt, dass es auch in den dreißiger und vierziger Jahren nicht nur Naziverbrecher ( die seine Eltern töteten) in Deutschland gegeben hat. Daneben gab es den kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstand, aber auch die Weiße Rose, die Bekennende Kirche und den Kreis um Graf Stauffenberg. Kroch hält nichts von der Kollektivschuldthese, im Gegenteil, er ist der Meinung, dass diese These den wirklichen Nazis am meisten hilft, „denn wenn alle gleichermaßen Schuld sind, ist am Ende keiner mehr Schuld“. Bis 1985 lebte Ernesto Kroch in Deutschland, die Solidaritätsarbeit für politische Gefangene in Uruguay war ihm dabei ein besonderes Anliegen. Im Jahr 1985 kehrte Ernesto Kroch nach Uruguay zurück.

Ein schreibender Arbeiter

Das Buch von Ernesto Kroch ist eine politische Zeitreise über zwei Kontinente hinweg und eine Reise in das Innenleben der klassischen Arbeiterbewegung. Ernesto Kroch ist ein gebildeter jüdischer Autodiktat. Neben den politischen Erfahrungen des Autors, erfährt der Leser viel über privates, dass sehr politisch sein kann. Selbstkritisch beschreibt der Autor das Scheitern seiner ersten Ehe aufgrund seiner zeitraubenden politischen Aktivität. Eine Erfahrung die öfter bestätigt werden kann. Der Autor akzeptiert und unterstützt das Existenzrecht Israels. Allerdings meint er, nach einigen Besuchen bei Verwandten in Israel festgestellt zu haben: „Weite Teile der Gesellschaft sind nationalistisch, viele in Israel können sich nicht mit dem Elend anderer identifizieren“. Ernesto Kroch ist den Idealen seiner Jugend treu geblieben, er hält den Untergang dessen, was sich sozialistisch nannte, nicht für das Ende der Geschichte. Kroch ist davon überzeugt, dass sich die Menschheit bei Strafe des eigenen Unterganges, den Kapitalismus auf Dauer nicht leisten können wird.
Editorische Anmerkungen:

Max Brym stellte uns diesen Artikel am 31.5.2004 zur Veröffentlichung zur Verfügung. Er lebt als freier Journalist in München.

Arthur Ewert – Revolutionär auf drei Kontinenten

 

von Max Brym

Rezension

In der Reihe „Geschichte des Kommunismus und des Linkssozialismus“ hat der Dietz Verlag Berlin eine umfassende Biografie über das Leben des deutschen Kommunisten Arthur Ewert, herausgebracht. Der Autor der sehr lesenswerten Biografien ist Ronald Friedmann. Auf fast 400 Seiten erfährt man ungeheuer viel, nicht nur über die Person Arthur Ewert, sondern gleichzeitig eine Unmenge über die jüngste Zeitgeschichte, sowie über die Arbeiterbewegung, auf mehreren Kontinenten.

Arthur Ewert wurde 1890 im damaligen Heinrichswalde, genauer in den Gassen einem kleinen Ortsteil in der ostpreußischen Landgemeinde Heinrichswalde geboren. Schon vor dem Ersten Weltkrieg schloss sich Arthur Ewert, der damaligen Sozialdemokratie an. Von Berlin aus emigrierte er zusammen mit seiner Frau kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Kanada. Dort wurden er und seine Gattin Mitglied der „Sozialdemokratischen Partei von Nordamerika“. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs trennte sich das Paar und Arthur tauchte einige Zeit lang in den USA unter. Gegen Ende des Weltkriegs wurde Arthur Ewert, in Kanada interniert. Im Frühsommer 1919 kehrte er nach Deutschland zurück und schloss sich umgehend der KPD an. Nach der Biografie war Ewert, ein durch sein Selbststudium sehr gebildeter Arbeiter. Bereits Anfang 1920 arbeitete Ewert als hauptamtlicher Funktionär für die KPD. Er war am Kampf zur Niederschlagung des Kapp Putsches 1920 unmittelbar beteiligt. Auf dem achten Parteitag der KPD im Januar 1923 wurde Arthur Ewert in das Zentralkomitee der KPD gewählt. Ab Sommer 1923 war er als Abschnittsleiter West der KPD für die Vorbereitung des Aufstandes der Arbeiterklasse in maßgeblicher Funktion tätig.

Der Autor der Biografie macht immer wieder deutlich, dass Arthur Ewert, weder zum so genannten ultralinken Flügel, der damaligen KPD um Ruth Fischer und Ernst Thälmann, gehörte, aber auch nicht zum rechten Flügel der KPD, um Heinrich Brandler, und August Thalheimer gehörte. Etwas wenig schreibt der Autor zum Krisenjahr 1923 und zur verpatzten Revolution durch die Brandlerführung der KPD. Der Autor ist sehr um Objektivität bemüht, dennoch kann er seine tiefe Abneigung gegen die so genannten Ultralinken in der damaligen KPD nicht verbergen. Es wäre gut gewesen nicht nur Fehler der Brandleristen anzudeuten, sondern auch darauf hinzuweisen, dass die „Ultralinken“, um Fischer und Maslow, damals teilweise recht hatten in dem sie Brandler, „Untätigkeit“ vorwarfen. Sie unterstellten damals Brandler zurecht, dass seine ganze Strategie nur darauf abzielte die linke Sozialdemokratie auf den „rechten Flügel der Revolution“ zu ziehen. Dies erwies sich als großer Fehler und führte zum kampflosen Rückzug der KPD im Oktober 1923. Das obwohl im Jahr 1923, der Kommunismus das einzige MAL in der deutschen Geschichte mehrheitsfähig innerhalb der Arbeiterklasse war. Die abgesagte Revolution vom Oktober 1923 stürzte die KPD in eine tiefe Krise.

Arthur Ewert gehörte damals zur so genannten „Mittelgruppe“ innerhalb der KPD Führung. Auf diese „Mittelgruppe“ setzte die damalige Führung der Kommunistischen Internationale. Die „Mittelgruppe“ wandte sich gegen rechtsopportunistisches Kapitulantentum aber auch gegen ,die linkssektiererische Ablehnung jeglicher -Einheitsfront Politik- gegenüber der damaligen Sozialdemokratie. Kurzfristig gehörte im Winter 1923 Arthur Ewert, zur engeren KPD Führung unter dem nominellen Parteivorsitzenden Hermann Remmele. Auf dem Parteitag im April 1924 setzte sich getragen von massiven linken Neigungen, besonders innerhalb der jungen Schichten der Arbeiterklasse die „Linke“ um Ruth Fischer und Ernst Thälmann, gegen die „ Brandleristen“ durch. Auch die Vertreter der Mittelgruppe der KPD wurden abserviert. Arthur Ewert, verlor alle Führungsfunktionen innerhalb der Partei. In den Jahren 1924-1925 lebte Ewert im wesentlichen illegal, weil ihn der bürgerliche Staat wegen seiner Rolle im Jahr 1923 suchte. Erst nach dem „Offenen Brief der Kommunistischen Internationale“ an die KPD, vom September 1925 welcher sich gegen die Fehler der ultralinke Führung der KPD vor allem in der Gewerkschaftspolitik richtete, rückte Arthur Ewert wieder näher an die KPD Führung heran. Ab dem Jahr 1926 bis zum zwölften Parteitag der KPD 1929 gehörte Arthur Ewert, dem politischen Sekretariat dem höchsten Leitungsorgan der KPD an. Die Person Arthur Ewert stand für die damalige Politik, der so genannten „Konzentration“. Dass war ein Bündnis aus ehemaligen Ultralinken welche zu Stalinisten mutierten und Angehörigen der Mittelgruppe, um Ewert und dem ehemaligen Parteivorsitzenden, dem alten Spartakisten Ernst Meyer. Im Jahr 1928 spielten sich neuerlich schwere Auseinandersetzung innerhalb der Führung der KPD ab. Arthur Ewert stand zusammen mit anderen, wie zum Beispiel Hugo Eberlein und Gerhard Eisler, gegen die neue ultralinke Wende der Kommunistischen Internationale. Im Frühsommer 1928 auf dem sechsten Weltkongress der Komintern, begann die Politik der so genannten dritten Periode. Auf dem Kongress wurde die Sozialdemokratie zum Hauptfeind erklärt . Die stalinisierte Komintern ging von einem ununterbrochenen revolutionären Aufschwung im Rahmen der dritten Periode aus. Die Gruppe um Ewert und Meyer, ( Versöhnler genannt) wandten sich gegen die Theorie des Sozialfaschismus, sowie gegen die einfache Voraussage, dass man unmittelbar vor der Revolution stünde. Im September 1928 wurde bei nur einer Enthaltung der Beschluss des ZK der KPD gefasst, den Parteivorsitzenden Ernst Thälmann von all seinen Funktionen zu entbinden . Grund dafür war, dass Thälmann die Unterschlagung von Parteigeldern durch seinen Hamburger Statthalter John Wittdorf, den Leistungsgremien der KPD verschwieg. Schon wenige Tage später intervenierte Stalin persönlich und setzte Ernst Thälmann faktisch wieder in all seiner Ämter ein. Es begann eine große Kampagne gegen die “ Versöhnler“ und „Brandleristen“. Die Gruppe Meyer-Ewert stand im politischen Gegensatz zu Heinrich Brandler und August Thalheimer. Sie wollte aber für die Reichstagswahlen im Jahr 1928, die beiden oben genannten als Kandidaten für den Reichstag nominieren. Ab dem Jahr 1929 wurden die „ Versöhnler“ innerhalb der KPD immer mehr an den Rand gedrängt. Verbissen versuchten Ewert und Meyer den ultralinken Sozialfaschismus Irrsinn zu bekämpfen.

Über diesen Kampf ist in der Biografie so einiges zu lesen. Mit dem zwölften Parteitag der KPD verlor Arthur Ewert neuerlich seine Führungsfunktionen innerhalb der KPD. Er war allerdings seit 1928 Mitglied des Reichstages, dem er bis 1930 angehörte. In dieser Zeit hielt Artur Ewert bis heute sehr lesenswerte Reden. In einem Exkurs schreibt der Biograf von Arthur Ewert, besonders über den Kampf von Ewert, gegen den Paragraphen 218 und gegen die Verfolgung von Homosexuellen in der Weimarer Republik. In dieser Frage engagierte sich Artur Ewert besonders. Dies sowohl im Reichstag als auch zuvor im sächsischen Landtag. Im Februar 1930 kapitulierte Artur Ewert in einer Erklärung offiziell vor der KPD Führung. In der Erklärung nannte er die Positionen der „ehemaligen Versöhnler inhaltlich falsch“. Damit lösten sich die Versöhnler spricht das Zentrum in der KPD faktisch auf. Der ehemalige Cheftheoretiker der „Versöhnler“ Ernst Meyer musste dies nicht mehr erleben. Meyer verstarb Anfang Februar 1930. Im Frühsommer 1930 nach Auflösung des Reichstages verlor Ewert sein Mandat. Zur neuen Reichstagswahl wurde er nicht mehr nominiert. Ewert reiste nach Moskau und wurde der Kommunistischen Internationale zur Verfügung gestellt.

Ewert in Montevideo, China und Brasilien

Im Jahr 1930 wurde Ewert als Beauftragter der Komintern nach Uruguay geschickt. Ziemlich genau ein Jahr leitete er dort die kommunistischen Gruppen und Parteien Südamerikas an. Anschließend verbrachte er knapp zwei Jahre in Shanghai, um die Kommunistische Partei Chinas zu beraten und anzuleiten. Die Arbeit in China beschreibt der Autor nach meinem dafürhalten etwas zu kurz. Ab Ende 1932 ist Ebert wieder in Lateinamerika. Eng arbeitete er dort ab 1934 mit dem“ Ritter der Hoffnung“ Luís Carlos Prestes, dem Ehemann der deutsch-jüdischen Kommunisten Olga Benario zusammen. Nachdem der Aufstand der Kommunisten in Brasilien im November 1935 scheiterte, setze eine Welle der Repression und der Gewalt gegen die gesamte Opposition in Brasilien ein. Arthur Ewert wurde am 26. Dezember 1935 in Rio de Janeiro, zusammen mit seiner Ehefrau Else Ewert verhaftet. Der Autor der Biografie über Arthur Ewert zitiert einen brasilianischen Romanautor welcher schrieb:“ Noch niemals wurde ein Mensch so gefoltert und gemartert wie Arthur Ewert.“ Bis heute ist Artur Ewert in weiten Teilen Brasiliens als „Märtyrer der Revolution“ bekannt. Dies ganz im Gegensatz zu Deutschland, die Geschichte der Arbeiterbewegung wurde in Deutschland weit gehend entsorgt. Im Rahmen der Haft, unter der bestialischen Folter, verlor Arthur Ewert, ab 1937 den Verstand. Nach jahrelangen Bemühungen, die vor allem von der Schwester von Arthur Ewert geleistet wurde, kam Arthur Ebert im Jahr 1947 frei. Ewert lebte bis 1959 in einer Heilanstalt auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Im Jahr 1959 verstarb Arthur Ewert. Das „Neue Deutschland“ brachte zu seinem Tod 1959 einen längeren Nachruf ohne zu behaupten, dass Arthur Ewert ein enger Mitkämpfer von Ernst Thälmann war. Das Grab von Arthur Ewert befindet sich auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin. Die Frau von Arthur Ewert, Else Ewert, wurde genauso wie Olga Benario, an die Nazis1937 ausgeliefert. Beide Frauen wurden von den Faschisten ermordet.

Eine verdienstvolle Biografie

Der Autor der Biografie Ronald Friedmann, hat ein wichtiges Werk der linkspolitischen Öffentlichkeit vorgelegt. Genau und sehr detailliert beschreibt er den Lebensweg eines disziplinierten und kämpferischen Kommunisten. Allerdings ist die Biografie nicht leicht zu lesen, bei einigen Passagen sollte der Leser oder die Leserin zusätzliche Kenntnisse über die Geschichte der Arbeiterbewegung haben. Die Biografie könnte allerdings dazu anregen sich neuerdings mit den Erfahrungen der Arbeiterbewegung, in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus, aber auch mit ihren negativen Erfahrungen mit dem Stalinismus zu befassen. Auf alle Fälle, ist die Biografie eine sehr lohnende Lektüre.

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Ronald Friedmann
Arthur Ewert: Revolutionär auf drei Kontinenten (Geschichte des Kommunismus und des Linkssozialismus)
Dietz Verlag, Berlin 2015
448 S.

 

Tod und Verklärung des oppositionellen jüdischen Kommunisten – Werner Scholem- 


Werner Scholem

 

von Max Brym

Im August dieses Jahres erschien von Ralf Hoffrogge eine ausgezeichnete Biografie über den Juden und kritischen Kommunisten Werner Scholem. Es ist schwer beim lesen des Buches sich vom Text zu lösen. Dem Autor dieser Zeilen war es nur selten möglich das ausgezeichnete Buch aus der Hand zu legen.

Der Autor schrieb nicht nur eine Biografie über den älteren Bruder, des jüdischen Religionsphilosophen Gershom Scholem, sondern ein vergessenes Dokument der Zeitgeschichte. Werner Scholem wurde am 17. Juli 1940 KZ Buchenwald von einem SS Mörder getötet.

Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschienen Bücher von Franz Jung unter dem Titel “Die Hammersteins“ in einer neuen Werkausgabe. In dieser Ausgabe kommt Werner Scholem ausgiebig vor. Auch andere Autoren brachten später Bücher auf dem Markt.

Das bekannteste dürfte das Buch von Hans Magnus Enzensberger sein: “Hammerstein oder der Mut zum Eigensinn“. Im Jahr 2011 wurde ein Roman von Arkadij Maslow, “Die Tochter des Generals“ publiziert. Maslow, war ein enger Mitkämpfer von Werner Scholem, in der KPD Führung zwischen 1924 und 1925. Im Jahr 1935 schrieb Maslow in der Emigration den Roman, der bis 2011 der nagenden Kritik der Mäuse überlassen wurde.

Aber in allen genannten Büchern kommt Werner Scholem, im wesentlichen nur als Schwerenöter und Geheimagent, im Zusammenhang mit den Töchtern des Generals Hammerstein vor. Den wirklichen Scholem findet man erst wieder in der Biografie von Hoffrogge. Gezeichnet wird ein Mensch in seinem Widerspruch.

Werner Scholem wurde am 29. Dezember 1895 als Sohn von Arthur und Betty Scholem in Berlin geboren. Das Elternhaus mit dem patriarchalen und erfolgreichen Vater war bürgerlich elitär geprägt. Die Familie des Druckereibesitzers Scholem, war konservativ und bestenfalls liberal geprägt. In der Familie dominierte der deutsche Nationalismus.

Gleichzeitig wurde darauf Wert gelegt, an der jüdischen Religion und den jüdischen Sitten festzuhalten. Der Junge Werner geriet zusammen mit seinem jüngeren Bruder Gerhard (Gershom) Scholem, in immer stärkerem Widerspruch zum Vater.

Zionismus oder Sozialismus?

Anfang des Jahres 1912 trat Werner Scholem der zionistischen Jugendorganisation “Jung Juda“ bei. Auch seinen jüngeren Bruder (Gerhard-Gershom) begeisterte Werner für den Zionismus. In dieser Zeit betrachtete Scholem, die Assimilation der Juden als FEHLSCHLAG.

Im gleichen Jahr brach Werner Scholem, allerdings mit der zionistischen Jugendorganisation und wurde Mitglied der „Sozialistischen Arbeiterjugend“. Der autoritäre Vater Arthur verstieß den Sohn und schickte ihn auf eine Schule in Hannover. Sein Banknachbar war ausgerechnet der später berühmt-berüchtigte Ernst Jünger. I

In seinen späten Tagebüchern bemerkte der Autor von „In Stahlgewitter“– Ernst Jünger- im biblischen Alter von fast 100 Jahren, „immer wieder erscheint mir Werner Scholem in meinen Träumen“. Die beiden Schulkollegen entwickelten sich bekanntermaßen völlig unterschiedlich. Werner Scholem trat 1913 der SPD bei und bekannte sich zu ihrem linken Flügel, um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Scholem hatte Kontakte mit den späteren Bremer Linksradikalen.

Im Jahr 1914 musste Scholem zum Militär. Die verhasste preußisch-deutsche Armeen schickte Scholem, zuerst auf den Balkan und dann zum Kampf gegen Russland. An der Ostfront wurde Scholem im Jahr 1916 schwer verwundet. Fast das ganze Jahr über verbrachte er in Notlazaretten Anschließend bei seiner nicht-jüdischen Frau Emmy.

Anfang 1917 nahm Scholem an einer Antikriegskundgebung in Uniform in Halle teil. Diese Teilnahme an einer Antikriegskundgebung brachte Scholem unverzüglich ins Gefängnis in Halle. Mehr als ein Jahr Haft waren die Folge. Ausführlich zitiert wird in der Biografie aus dem Briefwechsel mit seinem Bruder Gershom.

Oft ist Werner Scholem, deprimiert und stellt sich die Frage, „ob nicht doch sein jüngerer Bruder mit seinem Palästina recht hätte“. Die beiden Brüder schwanken zwischen Sozialismus und Zionismus, wobei bei Werner diese Schwankungen nur bedingt gegeben waren. Werner befand sich bereits auf einem festen sozialistischen Fundament. Werner erhoffte sich von der Weltrevolution, auch die Lösung der jüdischen Frage.

Gershom hingegen hatte nur bedingte Anflüge in Richtung Sozialismus. Des Öfteren war allerdings Gershom begeistert von einzelnen Äußerungen von Rosa Luxemburg, aber auch von Eduard Bernstein, der sich während des Krieges zum Kriegsgegner wandelte. Im Jahr 1918 wurde Werner in das „Stahlgewitter“ an der Westfront geschickt. Grundsätzlich lehnte er das Massaker ab.

Die Novemberrevolution 1918 erlebte Werner Scholem, noch als Soldat an der Westfront. Unmittelbar nach Kriegsende zog Scholem nach Halle und engagierte sich in der damals sehr weit links stehenden USPD. Scholem wurde bald als Redner und Publizist zum gefürchteten Gegner der Sozialdemokratie und der politischen Reaktion. Im Jahr 1920 machte sich Scholem auf dem außerordentlichen Parteitag der USPD, für den Zusammenschluss mit der KPD stark.

Ab 1921 war Werner Scholem, der verantwortliche Redakteur des KPD Zentralorgans „Roten Fahne“ in Berlin. Nach den März Kämpfern im Jahr 1921 musste Scholem, für einige Zeit wieder ins Gefängnis. Von 1921-1924 vertrat Werner Scholem, die KPD im preußischen Landtag. Ausführlich beschreibt der Autor, die Tätigkeit von Scholem in seiner Zeit als Landtagsabgeordneter.

Unter der Leitung seines späteren Fraktionsgegners in der KPD , Ernst Meyer, widmete sich Scholem speziell der Bildungspolitik. Scholem setzte sich besonders für die Interessen der zugewanderten Juden aus Osteuropa ein. Laufend wurde Scholem im Landtag antisemitisch attackiert.

Das Buch zeigt wie antisemitisch angefressen das gesamte bürgerliche Parteienspektrum und der damaligen preußischen Landtag war. Im Gegensatz zu Scholem, stellten die anderen Parteien die “Ostjuden“ als Problem dar. Auch der damalige preußische Innenminister Severing, machte da keine Ausnahme. Severing unterschied, die„deutschen Juden“ positiv von den „Ostjuden“. Im Jahr 1924 wurde Scholem für die KPD, bis zum Jahr 1928 in den Reichstag gewählt.

Die ultralinke Phase des Werner Scholem

Nach der gescheiterte Oktoberrevolution in Deutschland im Jahr 1923 änderte sich das Kräfteverhältnis innerhalb der KPD grundsätzlich. Dem ehemaligen Parteivorsitzenden Heinrich Brandler, wurde alle „Schuld“ für die Oktober – Niederlage zugeschrieben. Im Fürhjahr 1924 setzte sich der so genannte ultralinke Flügel innerhalb der KPD faktisch unumschränkt durch.

Diese Führung bestand aus Ruth Fischer, A. Maslow und Werner Scholem. Charakteristisch für diese Führung war die radikale Agitation und die Ablehnung jeglicher Zusammenarbeit mit den sozialdemokratischen Spitzen. In den genannten Jahren waren Ruth Fischer und Werner Scholem, die eigentlichen Führer der KPD. Der Chef Theoretiker Arkadij Maslow verbrachte diese Zeit im wesentlichen im Gefängnis.

Werner Scholem wurde als Organisationssekretär der eigentlichen Vater der„Bolschewisierung“ der KPD. Das Führungstrio führte einen erbitterten Kampf gegen alle Abweichler und „Versöhnler“. Dies geschah im Gegensatz zu den Leitlinien der damaligen kommunistischen Internationale. Zwar hatte auch Grigori Sinojew bestimmte ultraradikale Positionen, dennoch favorisierte die damalige Führung der„Kommunistischen Internationale“ ein Bündnis zwischen der Parteilinken und der damaligen Mittelgruppe, um Hermann Remmele.

Im September 1925 schrieb die Führung der „Kommunistischen Internationale“ einen offenen Brief an alle KPD Mitglieder. In diesem Brief wurde eine stärkeren Gewerkschaftsarbeit und die Politik der Einheitsfront eingefordert. Auch Ruth Fischer unterschrieb, den damaligen „offenen Brief“. Der Hauptoppositionelle wurde objektiv Werner Scholem.

Der Autor Ralf Hoffrogge schreibt über dieses Kapitel nach meinem Geschmack viel zu kurz. Allerdings arbeitet er heraus, dass Scholem, damals ein echter Ultralinker war. Die Person Scholem spiegelte damals die linksradikale Gesinnung bei großen Teilen der Arbeiterschaft speziell in Berlin und Hamburg wieder.

Werner Scholem kam auf die Abschussliste der „Kommunistischen Internationale“ mit ihrer beginnenden Stalinisierung. Der Abweichler hatte unter Beweis gestellt , dass mit ihm nicht einfach als Befehlsempfänger zu rechnen sei. Im November 1926 wurde Scholem, zusammen mit der kompletten „ultralinken Führungsriege“ aus der KPD ausgeschlossen.

Gemeinsam mit seinen Mitkämpfern, bildete er bis 1928 die Gruppe der „Linken Kommunisten“ im Reichstag. Mit Hugo Urbahns, dem eigentlichen Leiter des Hamburger Aufstandes von 1923, sowie mit Ruth Fischer und Maslow, wurde Anfang 1928 der linksoppositionelle Leninbund gegründet. Unmittelbar nachdem der Leninbund, die eigene Kandidatur zur Reichstagswahl 1928 beschlossen hatte trat Scholem, zusammen mit Ruth Fischer und Maslow, aus dem Bund wieder aus.

Speziell die „oppositionelle Gruppe“ in Suhl, nannte das ziemlich offen einen „typischen Verrat der Juden“. In seinem ganzen Leben musste sich Scholem mit dem Antisemitismus in seinen unterschiedlichen Varianten auseinandersetzen. Einmal erklärte er gegenüber Hugo Urbahns: „Du merkst es nicht, denn du bist groß und blond.“ In seiner Zeit als Abgeordneter wurde Scholem fast durchgängig antisemitisch attackiert.

És wurden Witze gerissen über das Äußere von Scholem. Scholem galt für viele Abgeordnete schon in der „Weimarer Republik“ als Sinnbild des Juden. Scholem war klein und hatte abstehende Ohren. Dies genügte den Antisemiten und späteren Schädelvermessern als Argument.

Der Jurastudent Werner Scholem 

Ab 1928 versuchte Werner nun schon als erwachsener Mann, mit reichlicher politischer Erfahrung, sein abgebrochenes Jurastudium fortzusetzen. In seiner Nähe saß ab 1929 die Tochter des Generals von Hammerstein. Nach allen Berichten verliebte sich die junge Generalstechtor, in den sexuell nicht gerade enthaltsamen Werner Scholem. Scholem selbst warb bei seiner junge Freundin für den Kommunismus. Marie- Luise von Hammerstein trat der KPD bei. Scholem selbst blieb nach seinem Austritt aus dem Leninbund parteilos.

Aus der Beziehung zur Tochter des Generals entstanden in der Literatur und in der historischen Betrachtungsweise, die wildesten Spekulationen. Angeblich soll Scholem, die Tochter des Generals mit dem Nachrichtenapparat der KPD in Verbindung gebracht haben. All dies ist und bleibt jedoch reine Spekulation. Keine Spekulation war die Tatsache, dass diese Tochter des Generals, einige unwichtige Dokumente für die KPD, aus dem Tresor ihres Vaters entwendete.

Diesen Fakt benützen die Nazis, um den damaligen Chef des deutschen Heeres Anfang 1934 kalt zu stellen. Was die Nazis nicht in Erfahrung brachten war der Fakt, dass Renate von Hammerstein, am 3. Februar 1933 das Gespräch zwischen Hitler und der Wehrmachtsführung im Bendlerblock in Berlin belauschte und stenografierte. Über diesen Weg erfuhr Leo Roth, sehr früh, die außenpolitischen Pläne des NS Regimes.

Der KPD Nachrichtenmann Roth, leitete diese Erkenntnisse umgehend nach Moskau weiter. Zwischen Renate von Hammerstein und Werner Scholem, konnte und kann keine Verbindung festgestellt werden. Ab 1930 schrieb Werner Scholem, unter falschem Namen für die Zeitung der deutschen Trotzkisten „Permanente Revolution“. Darin setzte sich Scholem, ganz im Sinne Trotzkis, für die Einheit zwischen SPD und KPD Arbeitern gegen den Hitler Faschismus ein. Ab 1929 waren ehemalige ultralinke KPD Funktionäre wesentlich klüger, als die damalige KPD Führung unter Ernst Thälmann.

Scholem im Gefängnis und KZ

Im März 1933 wurde Scholem von den Nazis verhaftet und für zwei Jahre im Berliner Polizei Gefängnis inhaftiert. Er wurde angeklagt den deutschen General von Hammerstein ausspioniert zu haben. Überraschenderweise musste Scholem, von diesem Vorwurf jedoch freigesprochen werden. Statt in die Freiheit wurde Scholem in das KZ Dachau und später in das KZ Buchenwald „überstellt“.

Ausführlich beschreibt der Biograf das schwere Leben des Werner Scholem, in dieser Zeit. Immer wieder versuchte speziell der in Palästina lebende Gershom Scholem, seinem Bruder freizubekommen. Bekanntlich scheiterten alle diese Versuche.

Im Jahr 1937 wurde eine Büste von Werner Scholem in der nazistischen Hetzausstellung“Der ewige Jude“ in München präsentiert. Der Autor der Scholem Biografie stellt ausführlich, die Misshandlungen an Werner Scholem, speziell im Konzentrationslager Buchenwald dar. Aber nicht nur dem Terror der SS war der jüdisch oppositionelle Kommunist ausgesetzt, sondern auch den Schikanen bestimmter stalinistischer Mithäftlinge im Konzentrationslager.

Einen besonderen Freund hatte Scholem im KZ- Buchenwald in den damaligen Trotzkisten Ernst Federn, welcher später als Psychoanalytiker weltberühmt wurde. Der Biograf zitiert kompakt aus den Erinnerungen von Ernst Federn, an Werner Scholem.

Fazit

Die politische Biografie von Ralf Hoffrogge, über Werner Scholem ist ein spannendes und historisch interessantes Werk über das Leben eines oppositionellen deutsch jüdischen Kommunisten. Das Buch sollte unbedingt gelesen werden. Anhand der Person von Werner Scholem kann sehr genau, die jüngste deutsche Geschichte nachvollzogen werden. Die Person Scholem wird im Kontext der Geschichte, sowie in den Konflikt zwischen Zionismus und Sozialismus erklärt Werner Scholem dem Vergessen entrissen zu haben und als politische Person zu präsentieren ist ein hohes Verdienst des Biografen.

Bestellungen unter:
www.uvk.de/buecher/geschichte/alle-buecher/db/titel/details/werner-scholem//ch/e699462490d51a0cdfc426562e2ec038

www.juedische-allgemeine.de/article/print/id/20387
www.rosalux.de/event/51238
https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Scholem

 

Mao in der Provinz “

Aus der Einleitung zu meinem neuen Buch „Mao in Altötting und Waldkraiburg“ Viele Menschen wurden in den siebziger Jahren in maoistischen K- Gruppen politisch sozialisiert. Nach der Forschung durchliefen rund 100.000 Personen in der BRD solche Gruppen. Besonders stark waren außerhalb der Großstädte in Bayern, solche Organisationen in den tiefschwarzen Landkreisen Altötting und Mühldorf. Diese Geschichte in der ich persönlich stark involviert war wird aufarbeitet. Geschichte ist geronnene Erfahrung und darf nicht vergessen werden. Es geht um die SIK ( Sozialistisches Initiativkomitee Altötting- Mühldorf- Wasserburg), die KPD/ML und die „Arbeiter Basis Gruppen“ später „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD“, sowie die nichtmaoistische DKP im ländlichen Raum. Das Buch behandelt die Gründung des Habermas Lesekreises in Altötting im Jahr 1968. Es geht um die Auseinandersetzung bezüglich des Jugendzentrums am Ort. Dann folgte 1972 die Spaltung der SIK, es entstanden die „ Arbeiter Basis Gruppen“ in Altötting. Die KPD/ML sorgte Anfang der siebziger Jahre für viel Aufsehen in Burghausen und insbesondere in Töging am Inn. Der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD war mit seiner Zeitung „ Der Rote Landbote“ besonders in Waldkraiburg und in Altötting aktiv. Personen welche damals öffentlich auftraten und somit als Personen der Zeitgeschichte gelten werden mit ihren Klarnamen benannt. Andere Namen von Aktivisten wurden abgeändert. Auch wenn die Gruppen aus heutiger Sicht klein erscheinen mögen erreichten Sie in den genannten Landkreisen im Lauf der Jahre hunderte von vor allem jugendliche Menschen welche kürzere oder längere Zeit in einer oder mehreren der genannten Gruppen aktiv waren. Die Publikationen vor allem des Arbeiterbundes hatten durchaus Einfluss in bestimmten Betrieben etwa dem Werk Gendorf in Burgkirchen, oder der WASAG Chemie in Aschau am Inn sowie dem Betriebswerk der DB in Mühldorf am Inn. Die DKP Zeitung „Im Chemie Dreieck“ brachte den einen oder anderen Kommunalpolitiker in Waldkraiburg und Burghausen ins schwitzen. Ähnliches gilt für den „ Roten Landboten“ des Arbeiterbundes in Altötting und der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg. Bekannt wie bunte Hunde waren damals in den beiden Landkreisen der Altkommunist Georg Kellner, ( DKP) aus Burghausen, Harald Haugwitz, wohnhaft in Neuötting ( Arbeiterbund) Dietmar von der Au, aus Altötting ( SIK) und meine Person vor allem in Waldkraiburg ( DKP dann Arbeiterbund). Die Jusos waren damals auch im südostoberbayerischen Chemiedreieck ziemlich weit links. In Altötting wurden sie von Walter Roßdeutscher repräsentiert. In Burghausen von dem jetzigen SPD Bürgermeister Hans Steindl. Er galt damals als „ roter Rebell“ und bezichtigte auf einer DKP Veranstaltung in Burghausen, die DKP zu weit „ rechts zu stehen“.

Sinn und Zweck

Das vorliegende Büchlein stellt eine Mischung aus persönlicher Erinnerung und realen zeitgeschichtlichen Ereignissen dar. Es soll gezeigt werden, dass es in dem Marinewallfahrtsort Altötting nicht nur bescheidene Arbeiter im Weingarten des Herrn gab, sondern auch Juden, Antifaschisten und rebellierende Jugendliche im Gefolge der Studentenbewegung von 1968. In der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg hielten nicht nur gestrenge sudetendeutsche Revanchisten Hof, sondern eben so sehr sudetendeutsche Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Auch in Waldkraiburg entwickelten sich ab Anfang der siebziger Jahre oppositionelle kommunistische Gruppen. Natürlich verändert sich manches in der persönlichen Betrachtungsweise im Lauf der Zeit, aber das Ideal einer sozial gerechten Gesellschaft bleibt. Zudem ist jeder Mensch das Produkt seiner Umgebung und seiner Familie. Nach meiner Erfahrung haben ehemalige Freunde von mir in Altötting und Waldkraiburg eine nachhaltige Prägung erhalten. Wenn ich die heute angegrauten „Linksextremisten“ aus Waldkraiburg und Altötting in München treffe, fällt mir immer wieder auf: Keiner dieser linken Rebellen aus Waldkraiburg und Altötting ist politisch nach rechts gegangen. Sie sind in unterschiedlicher Form links geblieben. Offensichtlich hat die katholische Dogmatik aus Altötting in umgekehrter Form eine bestimmte Eigendynamik entwickelt. Auch der Katholizismus enthält soziale Elemente. Bei einigen Menschen führte diese Dynamik zu den Lehren von Karl Marx. Die Härte der Auseinandersetzung in den genannten Orten, härtete ab. Der neoliberale Zeitgeist hat bei Altlinken aus Altötting und Waldkraiburg schlechte Karten.

Das Buch erscheint im Herbst 2019 im SWB Verlag

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Rosa Luxemburg und Kadri Zeka-Notizen

Von Max Brym

Nach Kadri Zeka ist in Gjilan in Kosova eine Universität benannt. Kadri Zeka war ein linksstehender Revolutionär aus Kosova. Am 17. Januar 1982 wurde Kadri Zeka mit den links- patriotischen Genossen, den Brüdern Jusuf und Bardhosh Gërvalla in Untergruppenbach in der Nähe am Heilbronn von der jugoslawischen Geheimpolizei UDBA

in einem Wagen erschossen. Die deutsche Presse stellte damals den Mord als Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Balkanklans dar. In Wahrheit duldete das ehemalige jugoslawische Regime keine Opposition von links. Das titostische Regime ging besonders gegen die linke Opposition in Kosova vor. Mit den Morden in Untergruppenbach wollten die UDBA die linksdemokratische Opposition aus Kosova in der Emigration ihrer Köpfe berauben. Auf dem Grabstein von Kadri Zeka in Stuttgart stand: „Hier ruht ein Kommunist“. Im Jahr 2007 wurde Kadri Zeka in der Heimat begraben. Er gilt in Kosova zurecht als patriotischer Kämpfer. Verschwiegen wird der Öffentlichkeit jedoch seine marxistische Gesinnung.Einige Monate vor seiner Ermordung traf ich Kadri Zeka in einem Ort in der Schweiz. Das Interview, welches ich mit ihm machte, ist leider in den Archiven verschwunden. Allerdings bewahrte ich einige Notizen auf. Besonders interessant sind seine damaligen Aussagen zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Ihre Ermordung fand vor hundert Jahren in Berlin statt.


Kadri Zeka über Rosa Luxemburg

Kadri Zeka im Herbst 1981 über Rosa Luxemburg: „Das war eine großartige Frau und Revolutionärin. Stets blieb Rosa ihren Prinzipien treu. Sie verteidigte und erweiterte den Marxismus. Ich habe fast alles von Rosa Luxemburg gelesen. Sie machte keinen Kompromiss mit der bürgerlichen Gesellschaft. Rosa Luxemburg steht für die Kombination von Freiheit und sozialer Gleichheit. Ohne Freiheit hat die soziale Gleichheit keinen Wert. Ohne soziale Gleichheit hat die Freiheit keinen Wert. „  Diese Worte von Kadri Zeka Sind aktueller den je. Sie müssen auch der Jugend und der Arbeiterklasse in Kosova bekannt gemacht werden.

Bild von Kadri Zeka

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Rezension „Revolution als Realpolitik“

Florin Wilde hat ein wichtiges umfangreiches Buch unter dem Titel „Revolution als Realpolitik Ernst Meyer Biografie eines KPD Vorsitzenden“ verfasst. Erschienen ist das umfangreiche Werk im UVK Verlag Konstanz. Der Autor hat das Verdienst einen der wichtigsten Führungskader der deutschen Arbeiterbewegung, dem Vergessen entrissen zu haben. Ernst Meyer wurde am 11. Juli 1887 im damaligen ostpreußischen Prostken geboren. Ein langjähriges schweres Lungenleiden führte bereits am 2. Februar 1930 in Potsdam zu seinem frühen ableben. Der junge Ernst Meyer studierte in Königsberg und Berlin Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie.

Das politische Leben von Ernst Meyer

Der Autor Wilde zeichnet das politische Leben von Ernst Meyer ausgezeichnet und mit vielen Belegen und Zitaten nach. Im Jahr 1908 sollte Ernst Meyer in Königsberg im Auftrag einer Studentenverbindung gegen den bekannten SPD Politiker Hugo Haase, auftreten. Nachdem Meyer viel sozialdemokratische Literatur gelesen hatte, sagte er den Auftritt gegen Hugo Haase ab. Er schloss sich der damals marxistisch orientierten SPD an. Gefördert wurde er dabei von dem ebenfalls aus Königsberg stammenden Haase. Im Jahr 1912 wurde Meyer Redakteur beim sozialdemokratischen „Vorwärts“ in Berlin. Ziemlich schnell schloss sich Meyer dem links sozialdemokratischen Freundeskreis in Berlin Steglitz, bestehend aus Rosa Luxemburg, Paul Levi, und insbesondere dem marxistischen Historiker Franz Mehring an. Mehrmals musste Meyer wegen „Majestätsbeleidigung“ wegen seiner Artikel vor 1914 ins Gefängnis. Im August 1914 stand Meyer zusammen mit Liebknecht, Luxemburg, Levi, Mehring und Pieck, gegen die Zustimmung zu den Kriegskrediten, durch die damalige SPD unter Ebert. Eindringlich beschreibt der Autor die Verzweiflung, aber auch die Isolierung der späteren Spartakisten. Sie waren auf einen Stadtteil in Berlin beschränkt und hatten nur lose sowie einige persönliche Kontakte zu gesinnungsgenossen im Reich, beispielsweise zu Clara Zetkin in Stuttgart. Weniger deutlich wird bei dem Autor der Fehler der sozialdemokratischen Linken nicht schon lange vor 1914 eine unabhängige revolutionäre Strömung oder Organisation im Sinne Lenins aufgebaut zu haben. Nichtsdestotrotz kommt man zu dieser Schlussfolgerung beim Lesen selbst. Meyer vertrat dann die Spartakisten auf den internationalen Konferenzen in Zimmerwald und Kientahl in der Schweiz. Ab dem Jahr 1916 bis Ende 1918 war Mayer faktisch der politische Leiter der Spartakusgruppe, denn Liebknecht und Luxemburg waren im Gefängnis und Mehring alt und krank. Leo Jogiches war hingegen der Organisator des Spartakusbundes. All das belegt der Autor mit vielen Fakten und Zitaten.

Mitbegründer der KPD

Ernst Meyer war auf dem Gründungsparteitag der KPD zur Jahreswende 1918/19. Meyer nahm an allen revolutionären Kämpfen in Berlin teil. Er bemühte sich besonders, um enge Beziehungen zu den „Revolutionären Obleuten“ welche die breite Masse der Berliner Arbeiterschaft repräsentierten. Auf dem Gründungsparteitag wurde Meyer in die Zentrale der KPD gewählt. Zusammen mit Luxemburg, Liebknecht und anderen bekämpfte er die ultralinke Mehrheit auf dem Gründungsparteitag der KPD. Leider setzten sich die ultralinken Kräfte gegen die alte Spartakusgruppe in wichtigen Fragen durch. Die ultralinke Mehrheit lehnte die Beteiligung an den Nationalratswahlen und die Mitarbeit in den Gewerkschaften ab. Damit musste die KPD weitgehend isoliert bleiben. Gleichzeitig wütete in Berlin ab Mitte Januar der „weiße Terror“. Liebknecht und Luxemburg wurden ermordet. Auch nach Ernst Meyer fahndete die weißgardistische Soldateska. Wilhelm Pieck überlebte seine Festnahme durch Freikorpsmitglieder nur, weil er glaubhaft

nachweisen konnte, „dass er nicht Ernst Meyer sei“. Die Konterrevolution wusste demzufolge über die Wichtigkeit von Meyer Bescheid. All diese Vorgänge hat der Autor exakt recherchiert.

Meyer im Jahr 1920

Im März fand der Kapp Putsch statt. Innerhalb weniger Tage erledigte sich dieser Versuch der offenen Konterrevolution, mit den Zugeständnissen an die Arbeiterschaft nach der Novemberrevolution Schluss zu machen. Insgesamt streikten 12 Millionen Arbeiter gegen die Putschisten. Im Ruhrgebiet bildete sich eine eigene Rote Ruhrarmee. Die in Berlin vorhandene KPD Leitung um Generalsekretär Friesland, lehnte zunächst den Generalstreik ab. Sie wollten keine „sozialdemokratischen Arbeitermörder“ verteidigen. Aber die KPD Basis ignorierte Friesland. Der Parteivorsitzende Levi sowie Ernst Meyer, änderten am nächsten Tag den Beschluss. Unterstützt wurden sie dabei besonders von dem Ehepaar Duncker und von Heinrich Brandler. Schade ist, dass der Autor nicht benennt,, wer Friesland war. Es war der spätere antikommunistische Bürgermeister von West Berlin Ernst Reuter.

Schlaglichter

Der Rezensent tut sich schwer damit sich kurz zu fassen. Denn das politische Wirken von Ernst Meyer war eng mit der Geschichte der KPD und der Komintern verbunden. Im Buch selbst befinden sich jedoch viele Fakten und Redeauszüge von Ernst Meyer. Klar wird in der Biografie wie gründlich sich Meyer von der Offensivtheorie von Anfang 1921 löste. Damals nach der Vereinigung mit der Mehrheit der USPD im Dezember kam die Theorie auf die Partei „könne und müsse die Offensive suchen und zur revolutionären Tat schreiten“. Auch Meyer vertrat kurzfristig diese Theorie was im März 1921

zu einer verheerenden Niederlage der KPD führte. Im Raum Halle Merseburg vertrat die KPD die Mehrheit der Arbeiter. Aber nur dort. Einige in der KPD Führung bestärkt durch Komintern Emissäre-bildeten sich ein den gerechtfertigten Versuch der Arbeiter in Halle, welche von dem preußischen Polizeipräsidenten Hörsing provoziert wurden zu benützen, um im Reich die Macht zu übernehmen. Das Märzabenteuer endete katastrophal. Kurz danach löste sich Meyer von dieser abenteuerlichen Politik. Nachdem Brandler flüchten musste, war Meyer als Leiter des politischen Büros der KPD faktisch von April 1921 bis Januar 1923 Parteivorsitzender der KPD. Mayer orientierte auf eine Einheitsfrontpolitik gegenüber der Sozialdemokratie von Unten und Oben. In der Praxis hieß dies konkrete Forderungen zu stellen welche von den Sozialdemokraten schlecht abgelehnt werden konnten, ohne ihren Einfluss auf die Arbeiterklasse zu verlieren. Mit dieser Politik stabilisierte sich die KPD. Sie hatte Ende 1922 knapp 360.000 Mitglieder. Meyer übergab Brandler im Januar 1923 eine intakte handlungsfähige Partei. Allerdings stellte sich im Katastrophenjahr 1923 heraus, dass Brandler zwar ein guter Organisator und Gewerkschafter war aber kein wirklicher Revolutionär. Im Sommer 1923 stürzte ein zweitägiger Generalstreik die Regierung Cuno. Die KPD hingegen blieb im Sommer 23 weitgehend passiv, statt die Energie der Massen zu steigern. In diesem Sinn kritisierte Meyer ziemlich früh Brandler und Thalheimer. Auch dazu hat Florian Wilde Dokumente ausgegraben. Nicht ganz klar wird aus der Schrift des Autors Wilde, ob er die Dialektik der Einheitsfronttaktik verstanden hat. Für Meyer war es immer eine Taktik und keine Strategie. Die Einheitsfronttaktik dient dazu den Einfluss der Sozialdemokratie zu minimieren, um die Mehrheit der Arbeiter unter der Fahne des Kommunismus zu:sammeln. Brandler hingegen wollte die „Sozialdemokratie vom linken Flügel der Bourgeoisie auf den rechten Flügel der Arbeiterbewegung ziehen“. Deshalb und wegen der Passivität Brandlers resultierte das Fiasko mit den Arbeiterregierungen in Thüringen und Sachsen. Auch der Fakt, dass sich Brandler in Chemnitz die Genehmigung zum Generalstreik und bewaffnetem Widerstand gegen die Reichsexekutive von mehrheitlich sozialdemokratischen Betriebsräten holen wollte. Die Folgen sind bekannt.

Wie Florian Wilde die ultralinke Phase beschreibt

Der Autor Wilde stellt zutreffend fest, dass Meyer in der Frage der nationalen und internationalen Politik immer für offene Diskussionen, aber einheitliches Handeln nach außen eintrat. Damit stellt er zutreffend Meyer als Leninisten dar. Etwas zu schlecht bei allen Fehlern kommt bei Wilde der damalige Komintern Vorsitzende Grigori Jewsejewitsch Sinowjew weg. Sinowjew trat nach dem Fiasko der Rechten für eine Führung der KPD unter maßgeblicher Leitung der Mittelgruppe daher Meyer, Remmele, Eisler, Schumann ein. Sinowjew wollte auf

keinen Fall den Ultralinken um Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Werner Scholem die Führung der KPD überlassen. Aber gegen den Rat der Komintern setzten sich im Frühjahr 1924 die Ultralinken auf dem Parteitag durch. Die Mittelgruppe wurde abgewählt oder absorbiert. Die Frau von Ernst Meyer, Rosa Meyer Levine beschreibt das gut in ihren Memoiren, auch den Frust bei Sinowjew. Die Ultralinken lehnten jede Einheitsfront ab. Sie kämpften nicht gegen Tendenzen an aus den Gewerkschaften auszutreten. Ruth Fischer propagierte einfach nur die Revolution. Ernst Meyer wurde schikaniert und verlor sein Mandat im preußischen Abgeordnetenhaus. Er wurde Redakteur von „Berlin am Abend“. Der Brief von Meyer, Frölich und Becker an den 10 Parteitag der KPD 1925 welchen Wilde dokumentiert ist bis heute gegen linke und rechte Fehler sehr aktuell. Immerhin durfte Meyer, obwohl er kein Delegierter war 10 Minuten auf dem Parteitag sprechen.

Der späte Ernst Meyer bei Wilde

Im September 1925 schlug der „Offene Brief der Komintern“ in der KPD wie eine Bombe ein. Scharf wurden die ultralinken Fehler kritisiert. Sogar Ruth Fischer musste den Brief unterzeichnen. Ernst Meyer schien rehabilitiert zu sein. Es dauerte aber noch bis zum Dezember 1926 bis Meyer wieder in die eigentliche Parteiführung gelangte. Das Sekretariat des Politbüros bestand u. a. aus Thälmann, Ewert, Meyer und Dengel im Jahr 1927. Die Initiative zur Kampagne „Enteignung der Fürsten“ im Jahr 1926 ging wesentlich auf Mayer zurück. Dies kann nach der Lektüre des Buches von Wilde behauptet werden. Aber Ernst Meyer machte auch schwere Fehler. Er befürwortete den Parteiausschluss der ehemaligen Ultralinken aus der KPD. Fischer, Scholem Urbahns hatten sich mit der linken Opposition in Russland verbündet. Das war das wesentliche Kriterium um sie aus der KPD auszuschließen. Meyer stellte sich nicht gegen die Theorie vom „Sieg des Sozialismus in einem Land“ womit die Bürokratie in Russland ihre Herrschaft legitimierte und letztendlich die kommunistischen Parteien zu Vollzugsgehilfen der russischen Außenpolitik machte. Meyer war ein Anhänger von Bucharin, welcher den Sozialismus „im Schneckentempo“ aufbauen wollte und den Kulaken zurief „Bereichert euch“. All das blendet der Autor aus. An einer Stelle erwähnt er die wahrscheinlich „psychologischen Probleme“ Meyers „ausgerechnet mit Ruth Fischer und Sinowjew für innerparteiliche Demokratie zu kämpfen“. Das mag sein, aber nicht umsonst rät Andrea Berg in einem Schlager: „Die Gefühle haben Schweigepflicht“.

Das Ende von Ernst Meyer

Ernst Meyer ging in die Geschichte ein als Führer der sogenannten „Versöhnler“. In der Tat bekämpfte Meyer mit letzter Kraft, die ab 1928 einsetzende „neue ultralinke Wende“ Er bekämpfte die absurde Theorie vom Sozialfaschismus der SPD. Er blieb seiner Haltung treu, keine separaten Gewerkschaften zu gründen. Die Artikel Meyers dazu sind lesenswert. Ernst Wilde bringt sehr viel Material. Das Buch Wildes ist wichtig. Das traurige persönliche und politische Ende von Meyer kann uns auch heute noch viel sagen.

Bestellungen unter https://www.narr.de/revolution-als-realpolitik-52773 

Foto von Ernst Meyer 1905

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Die Liste für General Schleicher

Leseauszug aus meinem Buch „ Oskar Quengels Auftrag -Für Kippenberger bei General von Schleicher Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b16.html

Ernst Meyer

Mehrere Wochen arbeitete ich an der Personalliste für General Schleicher. Ich begann mit Ernst Meyer. Nach meinem Erinnerungsvermögen schrieb ich über ihn: „Ernst Meyer ist innerhalb der KPD-Führung isoliert. Zudem ist er häufig krank und sensibel. Oft versteht er es, zu einer realistischen Beurteilung der Lage zu kommen. Sein Mitkämpfer Arthur Ewert ist zwar gesund, aber ohne Meyer, oft argumentativ und rhetorisch überfordert. Die Frau von Ernst Mayer ist die Witwe des kommunistischen Revolutionärs Eugen Levine. Im Apparat der KPD hat Mayer nur geringen Einfluss. In seiner Funktion als Parteivorsitzender 1922 kümmerte er sich nie um die Zusammenstellung der Kader innerhalb des Apparats. Er hat allerdings Sympathisanten und Mitkämpfer im Bereich der betrieblichen Gewerkschaftsarbeit. Fast die gesamte geschlossene hauptamtliche Fraktion, die in Berlin die INPREKORR (Internationale Pressekorrespondenz- Organ der kommunistischen Internationale) herausgibt, steht auf der Seite Ernst Meyers. Allerdings hegt Meyer keine besonderen Sympathien für ein Heinrich Brandler und seine Freunde. Auf dem Parteitag in Leipzig Anfang Januar 1923 wurde Ernst Meyer als Parteivorsitzender mit Wissen und Zustimmung der Komintern-Führung eiskalt von Brandler abserviert. Der blasse Intellektuelle Ernst Meyer schien den Kominternleuten nicht dazu geeignet, um den Arbeiterführer in Deutschland zu geben. Im Oktober 1923 als es zu den sogenannten Arbeiterregierungen in Thüringen und Sachsen kam, wandte sich Meyer dann gegen die Politik von Brandler und warf ihm Zögerlichkeit und Opportunismus vor. Die Kommunistische Internationale betrachtete diese Regierungen als Ausdruck wachsender Aktivität und Unzufriedenheit der Arbeitern und Arbeiterinnen. Aus Thüringen und Sachsen sollte der Startschuss für den deutschen Oktober erfolgen. Letztendlich wurde der Aufstand abgeblasen, nachdem Brandler auf einem Betriebsrätekongress in Chemnitz dazu keine Mehrheit erhalten hatte. Meyer warf – genau wie Trotzki – Brandler vor, sich von einem sozialdemokratisch dominierten Kongress abhängig gemacht zu haben, anstatt zur Tat zu schreiten. Auf der anderen Seite war Ernst Mayer entschiedener Gegner der Ultralinken, welche im Frühjahr 1924 die Partei eroberte. Meyer repräsentierte damals die so genannte Mittelgruppe innerhalb der KPD, auf die auch der damalige Vorsitzende der Komintern, Grigori J. Sinowjew, setzte.

Heinz Neumann

Über Heinz Neumann schrieb ich damals: “Er ist intellektuell dem Parteiführer Ernst Thälmann weit überlegen. Zudem verfügt er über ausgesprochen rhetorische Fähigkeiten. Genau betrachtet ist Heinz Neumann der Spiritus Rector innerhalb des Sekretariats der KPD. Bis dato erfreut er sich einer besonderen Wertschätzung durch Stalin. Heinz Neumann ist wendig und im Umgang mit so genannten Abweichlern nicht sonderlich zimperlich. Es kursiert das Gerücht, dass er alle wichtigen Reden für Ernst Thälmann schreibt. Die alte Generation, angeführt von Clara Zetkin und Wilhelm Pieck, steht Neumann mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Neu ist, dass Neumann sich offensichtlich fest gebunden hat. Ob dies allerdings das Ende seiner zahllosen Frauenaffären bedeutet, bleibt abzuwarten. Bei aller Treue gegenüber Stalin ist und bleibt Neumann jedoch ein selbstständiger selbstbewusster Kopf.“

Hermann Remmele

Zusammen mit Thälmann und Neumann bildet Hermann Remmele, die eigentliche Führung der KPD. Remmele wird mit knapp 50 wegen seiner Erfahrung in der Bewegung sehr geschätzt. Den Opponenten Neumann fällt es schwer, die gegenwärtige Führung der KPD anzugreifen, da sie die Autoritätsperson Remmele deckt. In Wahrheit jedoch benötigt der Praktiker Remmele den wendigen Theoretiker Neumann, denn Remmele ist zwar ein guter, aber kein hervorragender Redner.

Ernst Thälmann

Ernst Thälmann hält sich viel darauf zugute, aus dem Proletariat zu stammen. Viele Arbeiter und Anhänger der KPD, speziell in Hamburg, sehen in ihm ihresgleichen. Die Rhetorik von Thälmann provoziert bei den Intellektuellen innerhalb der KPD des öfteren geradezu Verzweiflungszustände. Wenn Ernst Thälmann nicht vom Blatt abliest, passieren ihm immer wieder unmögliche verbale Schnitzer. Auf einer KPD Versammlung meinte er einmal allen Ernstes: “Die Frauen gehören mit den eigens dafür geschaffenen Organen bearbeitet.“ Natürlich macht sich die Parteiintelligenz über solche Ausrutscher lustig, aber solche Schnitzer schaden dem Arbeiterführer beim proletarischen Anhang nicht im Geringsten. Auch die Affäre im letzten Jahr führte bei vielen Arbeitern, die in Ernst Thälmann Ihrem Führer sehen zu Mitleid und sogar zur aktiven Solidarisierung. Bei allen Schwächen ist Ernst Thälmann ein nicht zu unterschätzendes Aushängeschild der Partei. Thälmann verfügt mittlerweile über viel organisatorische Erfahrung, doch schwankt er zwischen übersteigertem Selbstbewusstsein und Minderwertigkeitskomplexen.

Walter Ulbricht

Der Sachse Walter Ulbricht wird in der KPD nicht geliebt. Sein absoluter Pluspunkt ist seine ständige Betriebsamkeit und die Liebe zum Detail. Nicht umsonst hat er in der Partei den Spitznamen „Genosse Zelle“. Walter Ulbricht wird mit Sicherheit dem neuen Zentralkomitee angehören und dort wie immer einer der am besten Informierten sein. Seine Außenwirkung hingegen ist mehr als bescheiden. In seinen Jahren in Moskau (er war dort Vertreter der KPD bei der Komintern) hat er nicht auch nur ein bisschen russisch gelernt. Walter Ulbricht hat es geschafft, sich von allen seinen alten Freunden Heinrich Brandler und Thalheimer rechtzeitig zu distanzieren. Er wird als Aktivist im neuen Zentralkomitee mit Sicherheit benötigt.

Leo Flieg

Leo Flieg gehörte bis dato jeder KPD Führung an. Flieg ist ungeheuer fleißig und ein überzeugter Bolschewik, was man ihm ob seines blassen Aussehens und seiner schmächtigen Statur nicht zutraut. Vom Typ her würde er eher als Büroangestellter einer Versicherungsgesellschaft durchgehen. Dennoch ist Flieg ein überzeugter Revolutionär, der auch im Stande ist konspirativ zu arbeiten. Mit Heinz Neumann verbindet ihn eine enge Freundschaft. Leo Flieg gehört zum engen Freundeskreis des KPD Chef -Agitators Willi Münzenberg.

Willi Münzenberg

Willi Münzenberg ist nicht nur im Reichstag aktiv, sondern er leitet auch das umfassende KPD Propagandaunternehmen. Münzenberg gibt die „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ und organisiert publikumswirksam jeden Propagandafeldzug der KPD. In seinen Verlagshäusern erscheint die kleine Arbeiterbibliothek, die im Rotationsdruckverfahren hergestellt wird. Dadurch können die Werke von Marx, Engels und Lenin günstig angeboten werden. Daneben betreibt er ein florierendes Geschäft mit sowjetischen Filmen. Es dürfte bekannt sein, dass Münzenberg solche Filme gezielt einsetzt und des Öfteren – speziell während der Wahlkampagnen – Filme als rollende Kinos auch in den abgelegensten Landgemeinden zeigt. Münzenberg ist der fähigste Propagandist der KPD, seine rhetorischen Fähigkeiten sind nicht zu unterschätzen. In Privatgesprächen mit Intellektuellen, die der Partei nahe stehen, kann Münzenberg sehr charmant sein.

Hans Kippenberger

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, leitet der ehemalige Leutnant Kippenberger den Abwehrapparat der KPD. Unter seiner Führung steht der Nachrichtendienst, sowie der militärische Zersetzungsapparat, kurz M-Apparat genannt. Hans Kippenberger ist Mitglied des Reichstages und versucht mit seinen Erkenntnissen die KPD Politik maßgeblich mitzugestalten. Gegenüber der Reichswehr hat sein Zersetzungsapparat aber bis dato nichts Wesentliches bewerkstelligt. Zwar gibt es einige KPD-Zeitungen für Reichswehrangehörige, diese verfehlen allerdings ihre Wirkung verfehlen. Dennoch hatte es Kippenberger offensichtlich geschafft, einige Informanten speziell innerhalb der preußischen Staatspolizei unterzubringen. Kippenberger umgibt sich mit jungen Leuten, die den Parteimitgliedern unbekannt sind und auch mir sind seine Mitarbeiter nicht namentlich bekannt.

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Rezension „ Die Entstehung der sozialen Marktwirtschaft 1948/49“

Von Max Brym Der -UVK Verlag Konstanz und München- brachte letztes Jahr ein Buch von Uwe Fuhrmann unter dem Titel „ Die Entstehung der sozialen Marktwirtschaft 1948/49“ heraus. Der Buchtitel könnte suggerieren, dass es sich um einen neuerlichen Lobgesang auf Ludwig Erhard und die Schule der Ordoliberalen handeln könnte. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Genau und Faktenreich stellt der Autor die Klassenkämpfe in den westlichen Besatzungszonen dar. Im Rahmen einer Dispositivanalyse wird festgehalten wie sich erst unter dem Widerstand der Arbeiterklasse, der Begriff von der sozialen Marktwirtschaft entwickelte. Ludwig Erhard sprach erst nach dem letzten deutschen Generalstreik am 12. November 1948 von der sozialen Marktwirtschaft. Lehrreich ist das Buch bezüglich der breiten Darstellung der antikapitalistischen Grundstimmung nach der Niederlage des deutschen Faschismus. Selbst die CDU sprach in ihrem Ahlener Programm davon, „dass der Kapitalismus überwunden werden müsste“. In vielen Landesverfassungen ist von Enteignungen und Mitbestimmung die Rede. Gerade die Arbeiter verlangten die Beseitigung der „ Nazikapitalisten“. Die Gewerkschaftsführung hingegen sprach nur von „ Mitbestimmung“ und „ Wirtschaftsdemokratie“. Der nachgezeichnete Widerstand der Arbeiter und Arbeiterinnen gegen die Weiterführung des Kapitalismus, widerlegt das Märchen von der Kollektivschuld der Deutschen. Der Autor stellt immer wieder die Klassenfrage.

Das Erhard Märchen

Der Wirtschaftsdirektor in der Bizone Ludwig Erhard und seine großkapitalistischen Hintermänner führten am 20 Juni 1948 die Währungsreform durch. Die Preise wurden freigegeben aber am geltenden Lohnstopp festgehalten. Sparguthaben wurden mit 1:10 enteignet. Angeblich hatte jeder Deutsche nur 40 Mark erhalten. Der Autor widerlegt diese Lüge aus dem bundesdeutschen Sozialkundeunterricht. Aktien wurden mit 1:1 umgetauscht. Das fixe Anlagevermögen der Kapitalisten lag rund 6 mal so hoch wie im Jahr 1936. Die alliierten Bomben im zweiten Weltkrieg hatten in den westlichen Zonen im wesentlichen Wohngebiete und Straßenverkehrsverbindungen getroffen. Das deutsche Kapital hat mit der Währungsreform ökonomisch doch noch den Krieg gewonnen. Nach der Währungsreform waren plötzlich die Schaufenster mit Waren gefüllt. Die Preise vor allem für Güter des täglichen Bedarfs explodierten. Fast überall in Deutschland kam es zu spontanen und wütenden Protesten. Diese beschreibt der Autor von Berchtesgaden bis Flensburg. Besonders die explodierenden Eierpreise erregten die Gemüter. Erhard und sein Stab lehnten jede Form von Preisregulierung ab. Sie wollten nicht zurück zur sogenannten „ Zwangsbewirtschaftung“. Die Proteste wurden jedoch immer stärker. Vor allem in Stuttgart kam es am 28. Oktober 1948 nach einer Kundgebung der Gewerkschaft zu wilden Ausschreitungen. Geschäfte wurden geplündert, es kam zu Strassenschlachten mit der Polizei. Die Gewerkschaften beschlossen daraufhin am 12. November einen Generalstreik in der Bizone durchzuführen. Der eintägige Streik wurde massiv befolgt. Jedoch war es kein politischer Angriffsstreik wie Lucy Redler in ihrer Arbeit dazu schreibt. Der Autor Uwe Fuhrmann weißt nach, dass es sich um eine Art von „ Kooperationsangebot der Gewerkschaften“ an die Bourgeoisie handelte. An diesem Tag fanden keine gewerkschaftlichen Kundgebungen statt. Es gab keine Streikposten sowie keinerlei Urabstimmung. Der Autor weißt daraufhin, dass eine Urabstimmung dazu hätte führen können den Streik weiterzuführen und ihn zu politisieren. Nach den Unruhen und dem Generalstreik musste Erhard jedoch Zugeständnisse machen. Es wurde u.a. das „ Jedermann Programm“ aufgelegt. Das Programm setzte wieder Preise staatlich fest und regelte die Rohstoffzufuhr für die Teile des Kapitals welche eine Zeitlang mit festen Preisen speziell im Ernährungswesen und bei der Herstellung von Textilien leben konnten. Erst nach dem Generalstreik setzte sich der Begriff der „ Sozialen Marktwirtschaft“ erfunden von dem Sozialdemokraten Leonhard Miksch gegen Erhard durch. Die Zugeständnisse des Kapitals waren Ausdruck der Kampfbereitschaft der Arbeiterschaft. Erhard war also nicht der Erfinder des sozialen Kompromisses. Die Systemkonkurrenz, die Gegenmacht zur Herrschaft des Kapitals brachten dies zuwege. Das Buch ist sehr zu empfehlen, es ist voll mit Fakten bietet viele wertvolle Erkenntnisse obwohl es nicht immer leicht zu lesen ist.

Buch „ Die Entstehung der sozialen Marktwirtschaft 1948/49“ Bestellungen unter https://www.narr.de/die-entstehung-der-sozialen-marktwirtschaft-1948-49-ebook-52665-2

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„Mao in Altötting und Waldkraiburg“

Aus der Einleitung zu meinem neuen Buch „Mao in Altötting und Waldkraiburg“ Viele Menschen wurden in den siebziger Jahren in maoistischen K- Gruppen politisch sozialisiert. Nach der Forschung durchliefen rund 100.000 Personen in der BRD solche Gruppen. Besonders stark waren außerhalb der Großstädte in Bayern, solche Organisationen in den tiefschwarzen Landkreisen Altötting und Mühldorf. Diese Geschichte in der ich persönlich stark involviert war wird aufarbeitet. Geschichte ist geronnene Erfahrung und darf nicht vergessen werden. Es geht um die SIK ( Sozialistisches Initiativkomitee Altötting- Mühldorf- Wasserburg), die KPD/ML und die „Arbeiter Basis Gruppen“ später „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD“, sowie die nichtmaoistische DKP im ländlichen Raum. Das Buch behandelt die Gründung des Habermas Lesekreises in Altötting im Jahr 1968. Es geht um die Auseinandersetzung bezüglich des Jugendzentrums am Ort. Dann folgte 1972 die Spaltung der SIK, es entstanden die „ Arbeiter Basis Gruppen“ in Altötting. Die KPD/ML sorgte Anfang der siebziger Jahre für viel Aufsehen in Burghausen und insbesondere in Töging am Inn. Der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD war mit seiner Zeitung „ Der Rote Landbote“ besonders in Waldkraiburg und in Altötting aktiv. Personen welche damals öffentlich auftraten und somit als Personen der Zeitgeschichte gelten werden mit ihren Klarnamen benannt. Andere Namen von Aktivisten wurden abgeändert. Auch wenn die Gruppen aus heutiger Sicht klein erscheinen mögen erreichten Sie in den genannten Landkreisen im Lauf der Jahre hunderte von vor allem jugendliche Menschen welche kürzere oder längere Zeit in einer oder mehreren der genannten Gruppen aktiv waren. Die Publikationen vor allem des Arbeiterbundes hatten durchaus Einfluss in bestimmten Betrieben etwa dem Werk Gendorf in Burgkirchen, oder der WASAG Chemie in Aschau am Inn sowie dem Betriebswerk der DB in Mühldorf am Inn. Die DKP Zeitung „Im Chemie Dreieck“ brachte den einen oder anderen Kommunalpolitiker in Waldkraiburg und Burghausen ins schwitzen. Ähnliches gilt für den „ Roten Landboten“ des Arbeiterbundes in Altötting und der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg. Bekannt wie bunte Hunde waren damals in den beiden Landkreisen der Altkommunist Georg Kellner, ( DKP) aus Burghausen, Harald Haugwitz, wohnhaft in Neuötting ( Arbeiterbund) Dietmar von der Au, aus Altötting ( SIK) und meine Person vor allem in Waldkraiburg ( DKP dann Arbeiterbund). Die Jusos waren damals auch im südostoberbayerischen Chemiedreieck ziemlich weit links. In Altötting wurden sie von Walter Roßdeutscher repräsentiert. In Burghausen von dem jetzigen SPD Bürgermeister Hans Steindl. Er galt damals als „ roter Rebell“ und bezichtigte auf einer DKP Veranstaltung in Burghausen, die DKP zu weit „ rechts zu stehen“.

Sinn und Zweck

Das vorliegende Büchlein stellt eine Mischung aus persönlicher Erinnerung und realen zeitgeschichtlichen Ereignissen dar. Es soll gezeigt werden, dass es in dem Marinewallfahrtsort Altötting nicht nur bescheidene Arbeiter im Weingarten des Herrn gab, sondern auch Juden, Antifaschisten und rebellierende Jugendliche im Gefolge der Studentenbewegung von 1968. In der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg hielten nicht nur gestrenge sudetendeutsche Revanchisten Hof, sondern eben so sehr sudetendeutsche Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Auch in Waldkraiburg entwickelten sich ab Anfang der siebziger Jahre oppositionelle kommunistische Gruppen. Natürlich verändert sich manches in der persönlichen Betrachtungsweise im Lauf der Zeit, aber das Ideal einer sozial gerechten Gesellschaft bleibt. Zudem ist jeder Mensch das Produkt seiner Umgebung und seiner Familie. Nach meiner Erfahrung haben ehemalige Freunde von mir in Altötting und Waldkraiburg eine nachhaltige Prägung erhalten. Wenn ich die heute angegrauten „Linksextremisten“ aus Waldkraiburg und Altötting in München treffe, fällt mir immer wieder auf: Keiner dieser linken Rebellen aus Waldkraiburg und Altötting ist politisch nach rechts gegangen. Sie sind in unterschiedlicher Form links geblieben. Offensichtlich hat die katholische Dogmatik aus Altötting in umgekehrter Form eine bestimmte Eigendynamik entwickelt. Auch der Katholizismus enthält soziale Elemente. Bei einigen Menschen führte diese Dynamik zu den Lehren von Karl Marx. Die Härte der Auseinandersetzung in den genannten Orten, härtete ab. Der neoliberale Zeitgeist hat bei Altlinken aus Altötting und Waldkraiburg schlechte Karten.

Das Buch erscheint im Herbst 2019

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Rosa Luxemburg und Kadri Zeka-Notizen

Von Max Brym

Nach Kadri Zeka ist in Gjilan in Kosova eine Universität benannt. Kadri Zeka war ein linksstehender Revolutionär aus Kosova. Am 17. Januar 1982 wurde Kadri Zeka mit den links- patriotischen Genossen, den Brüdern Jusuf und Bardhosh Gërvalla in Untergruppenbach in der Nähe am Heilbronn von der jugoslawischen Geheimpolizei UDBA

in einem Wagen erschossen. Die deutsche Presse stellte damals den Mord als Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Balkanklans dar. In Wahrheit duldete das ehemalige jugoslawische Regime keine Opposition von links. Das titostische Regime ging besonders gegen die linke Opposition in Kosova vor. Mit den Morden in Untergruppenbach wollten die UDBA die linksdemokratische Opposition aus Kosova in der Emigration ihrer Köpfe berauben. Auf dem Grabstein von Kadri Zeka in Stuttgart stand: „Hier ruht ein Kommunist“. Im Jahr 2007 wurde Kadri Zeka in der Heimat begraben. Er gilt in Kosova zurecht als patriotischer Kämpfer. Verschwiegen wird der Öffentlichkeit jedoch seine marxistische Gesinnung.Einige Monate vor seiner Ermordung traf ich Kadri Zeka in einem Ort in der Schweiz. Das Interview, welches ich mit ihm machte, ist leider in den Archiven verschwunden. Allerdings bewahrte ich einige Notizen auf. Besonders interessant sind seine damaligen Aussagen zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Ihre Ermordung fand vor hundert Jahren in Berlin statt.  


Kadri Zeka über Rosa Luxemburg

Kadri Zeka im Herbst 1981 über Rosa Luxemburg: „Das war eine großartige Frau und Revolutionärin. Stets blieb Rosa ihren Prinzipien treu. Sie verteidigte und erweiterte den Marxismus. Ich habe fast alles von Rosa Luxemburg gelesen. Sie machte keinen Kompromiss mit der bürgerlichen Gesellschaft. Rosa Luxemburg steht für die Kombination von Freiheit und sozialer Gleichheit. Ohne Freiheit hat die soziale Gleichheit keinen Wert. Ohne soziale Gleichheit hat die Freiheit keinen Wert. „  Diese Worte von Kadri Zeka Sind aktueller den je. Sie müssen auch der Jugend und der Arbeiterklasse in Kosova bekannt gemacht werden.

Bild von Kadri Zeka

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Rezension „Revolution als Realpolitik“

Florin Wilde hat ein wichtiges umfangreiches Buch unter dem Titel „Revolution als Realpolitik Ernst Meyer Biografie eines KPD Vorsitzenden“ verfasst. Erschienen ist das umfangreiche Werk im UVK Verlag Konstanz. Der Autor hat das Verdienst einen der wichtigsten Führungskader der deutschen Arbeiterbewegung, dem Vergessen entrissen zu haben. Ernst Meyer wurde am 11. Juli 1887 im damaligen ostpreußischen Prostken geboren. Ein langjähriges schweres Lungenleiden führte bereits am 2. Februar 1930 in Potsdam zu seinem frühen ableben. Der junge Ernst Meyer studierte in Königsberg und Berlin Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie.

Das politische Leben von Ernst Meyer

Der Autor Wilde zeichnet das politische Leben von Ernst Meyer ausgezeichnet und mit vielen Belegen und Zitaten nach. Im Jahr 1908 sollte Ernst Meyer in Königsberg im Auftrag einer Studentenverbindung gegen den bekannten SPD Politiker Hugo Haase, auftreten. Nachdem Meyer viel sozialdemokratische Literatur gelesen hatte, sagte er den Auftritt gegen Hugo Haase ab. Er schloss sich der damals marxistisch orientierten SPD an. Gefördert wurde er dabei von dem ebenfalls aus Königsberg stammenden Haase. Im Jahr 1912 wurde Meyer Redakteur beim sozialdemokratischen „Vorwärts“ in Berlin. Ziemlich schnell schloss sich Meyer dem links sozialdemokratischen Freundeskreis in Berlin Steglitz, bestehend aus Rosa Luxemburg, Paul Levi, und insbesondere dem marxistischen Historiker Franz Mehring an. Mehrmals musste Meyer wegen „Majestätsbeleidigung“ wegen seiner Artikel vor 1914 ins Gefängnis. Im August 1914 stand Meyer zusammen mit Liebknecht, Luxemburg, Levi, Mehring und Pieck, gegen die Zustimmung zu den Kriegskrediten, durch die damalige SPD unter Ebert. Eindringlich beschreibt der Autor die Verzweiflung, aber auch die Isolierung der späteren Spartakisten. Sie waren auf einen Stadtteil in Berlin beschränkt und hatten nur lose sowie einige persönliche Kontakte zu gesinnungsgenossen im Reich, beispielsweise zu Clara Zetkin in Stuttgart. Weniger deutlich wird bei dem Autor der Fehler der sozialdemokratischen Linken nicht schon lange vor 1914 eine unabhängige revolutionäre Strömung oder Organisation im Sinne Lenins aufgebaut zu haben. Nichtsdestotrotz kommt man zu dieser Schlussfolgerung beim Lesen selbst. Meyer vertrat dann die Spartakisten auf den internationalen Konferenzen in Zimmerwald und Kientahl in der Schweiz. Ab dem Jahr 1916 bis Ende 1918 war Mayer faktisch der politische Leiter der Spartakusgruppe, denn Liebknecht und Luxemburg waren im Gefängnis und Mehring alt und krank. Leo Jogiches war hingegen der Organisator des Spartakusbundes. All das belegt der Autor mit vielen Fakten und Zitaten.

Mitbegründer der KPD

Ernst Meyer war auf dem Gründungsparteitag der KPD zur Jahreswende 1918/19. Meyer nahm an allen revolutionären Kämpfen in Berlin teil. Er bemühte sich besonders, um enge Beziehungen zu den „Revolutionären Obleuten“ welche die breite Masse der Berliner Arbeiterschaft repräsentierten. Auf dem Gründungsparteitag wurde Meyer in die Zentrale der KPD gewählt. Zusammen mit Luxemburg, Liebknecht und anderen bekämpfte er die ultralinke Mehrheit auf dem Gründungsparteitag der KPD. Leider setzten sich die ultralinken Kräfte gegen die alte Spartakusgruppe in wichtigen Fragen durch. Die ultralinke Mehrheit lehnte die Beteiligung an den Nationalratswahlen und die Mitarbeit in den Gewerkschaften ab. Damit musste die KPD weitgehend isoliert bleiben. Gleichzeitig wütete in Berlin ab Mitte Januar der „weiße Terror“. Liebknecht und Luxemburg wurden ermordet. Auch nach Ernst Meyer fahndete die weißgardistische Soldateska. Wilhelm Pieck überlebte seine Festnahme durch Freikorpsmitglieder nur, weil er glaubhaft

nachweisen konnte, „dass er nicht Ernst Meyer sei“. Die Konterrevolution wusste demzufolge über die Wichtigkeit von Meyer Bescheid. All diese Vorgänge hat der Autor exakt recherchiert.

Meyer im Jahr 1920

Im März fand der Kapp Putsch statt. Innerhalb weniger Tage erledigte sich dieser Versuch der offenen Konterrevolution, mit den Zugeständnissen an die Arbeiterschaft nach der Novemberrevolution Schluss zu machen. Insgesamt streikten 12 Millionen Arbeiter gegen die Putschisten. Im Ruhrgebiet bildete sich eine eigene Rote Ruhrarmee. Die in Berlin vorhandene KPD Leitung um Generalsekretär Friesland, lehnte zunächst den Generalstreik ab. Sie wollten keine „sozialdemokratischen Arbeitermörder“ verteidigen. Aber die KPD Basis ignorierte Friesland. Der Parteivorsitzende Levi sowie Ernst Meyer, änderten am nächsten Tag den Beschluss. Unterstützt wurden sie dabei besonders von dem Ehepaar Duncker und von Heinrich Brandler. Schade ist, dass der Autor nicht benennt,, wer Friesland war. Es war der spätere antikommunistische Bürgermeister von West Berlin Ernst Reuter.

Schlaglichter

Der Rezensent tut sich schwer damit sich kurz zu fassen. Denn das politische Wirken von Ernst Meyer war eng mit der Geschichte der KPD und der Komintern verbunden. Im Buch selbst befinden sich jedoch viele Fakten und Redeauszüge von Ernst Meyer. Klar wird in der Biografie wie gründlich sich Meyer von der Offensivtheorie von Anfang 1921 löste. Damals nach der Vereinigung mit der Mehrheit der USPD im Dezember kam die Theorie auf die Partei „könne und müsse die Offensive suchen und zur revolutionären Tat schreiten“. Auch Meyer vertrat kurzfristig diese Theorie was im März 1921

zu einer verheerenden Niederlage der KPD führte. Im Raum Halle Merseburg vertrat die KPD die Mehrheit der Arbeiter. Aber nur dort. Einige in der KPD Führung bestärkt durch Komintern Emissäre-bildeten sich ein den gerechtfertigten Versuch der Arbeiter in Halle, welche von dem preußischen Polizeipräsidenten Hörsing provoziert wurden zu benützen, um im Reich die Macht zu übernehmen. Das Märzabenteuer endete katastrophal. Kurz danach löste sich Meyer von dieser abenteuerlichen Politik. Nachdem Brandler flüchten musste, war Meyer als Leiter des politischen Büros der KPD faktisch von April 1921 bis Januar 1923 Parteivorsitzender der KPD. Mayer orientierte auf eine Einheitsfrontpolitik gegenüber der Sozialdemokratie von Unten und Oben. In der Praxis hieß dies konkrete Forderungen zu stellen welche von den Sozialdemokraten schlecht abgelehnt werden konnten, ohne ihren Einfluss auf die Arbeiterklasse zu verlieren. Mit dieser Politik stabilisierte sich die KPD. Sie hatte Ende 1922 knapp 360.000 Mitglieder. Meyer übergab Brandler im Januar 1923 eine intakte handlungsfähige Partei. Allerdings stellte sich im Katastrophenjahr 1923 heraus, dass Brandler zwar ein guter Organisator und Gewerkschafter war aber kein wirklicher Revolutionär. Im Sommer 1923 stürzte ein zweitägiger Generalstreik die Regierung Cuno. Die KPD hingegen blieb im Sommer 23 weitgehend passiv, statt die Energie der Massen zu steigern. In diesem Sinn kritisierte Meyer ziemlich früh Brandler und Thalheimer. Auch dazu hat Florian Wilde Dokumente ausgegraben. Nicht ganz klar wird aus der Schrift des Autors Wilde, ob er die Dialektik der Einheitsfronttaktik verstanden hat. Für Meyer war es immer eine Taktik und keine Strategie. Die Einheitsfronttaktik dient dazu den Einfluss der Sozialdemokratie zu minimieren, um die Mehrheit der Arbeiter unter der Fahne des Kommunismus zu:sammeln. Brandler hingegen wollte die „Sozialdemokratie vom linken Flügel der Bourgeoisie auf den rechten Flügel der Arbeiterbewegung ziehen“. Deshalb und wegen der Passivität Brandlers resultierte das Fiasko mit den Arbeiterregierungen in Thüringen und Sachsen. Auch der Fakt, dass sich Brandler in Chemnitz die Genehmigung zum Generalstreik und bewaffnetem Widerstand gegen die Reichsexekutive von mehrheitlich sozialdemokratischen Betriebsräten holen wollte. Die Folgen sind bekannt.

Wie Florian Wilde die ultralinke Phase beschreibt

Der Autor Wilde stellt zutreffend fest, dass Meyer in der Frage der nationalen und internationalen Politik immer für offene Diskussionen, aber einheitliches Handeln nach außen eintrat. Damit stellt er zutreffend Meyer als Leninisten dar. Etwas zu schlecht bei allen Fehlern kommt bei Wilde der damalige Komintern Vorsitzende Grigori Jewsejewitsch Sinowjew weg. Sinowjew trat nach dem Fiasko der Rechten für eine Führung der KPD unter maßgeblicher Leitung der Mittelgruppe daher Meyer, Remmele, Eisler, Schumann ein. Sinowjew wollte auf

keinen Fall den Ultralinken um Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Werner Scholem die Führung der KPD überlassen. Aber gegen den Rat der Komintern setzten sich im Frühjahr 1924 die Ultralinken auf dem Parteitag durch. Die Mittelgruppe wurde abgewählt oder absorbiert. Die Frau von Ernst Meyer, Rosa Meyer Levine beschreibt das gut in ihren Memoiren, auch den Frust bei Sinowjew. Die Ultralinken lehnten jede Einheitsfront ab. Sie kämpften nicht gegen Tendenzen an aus den Gewerkschaften auszutreten. Ruth Fischer propagierte einfach nur die Revolution. Ernst Meyer wurde schikaniert und verlor sein Mandat im preußischen Abgeordnetenhaus. Er wurde Redakteur von „Berlin am Abend“. Der Brief von Meyer, Frölich und Becker an den 10 Parteitag der KPD 1925 welchen Wilde dokumentiert ist bis heute gegen linke und rechte Fehler sehr aktuell. Immerhin durfte Meyer, obwohl er kein Delegierter war 10 Minuten auf dem Parteitag sprechen.

Der späte Ernst Meyer bei Wilde

Im September 1925 schlug der „Offene Brief der Komintern“ in der KPD wie eine Bombe ein. Scharf wurden die ultralinken Fehler kritisiert. Sogar Ruth Fischer musste den Brief unterzeichnen. Ernst Meyer schien rehabilitiert zu sein. Es dauerte aber noch bis zum Dezember 1926 bis Meyer wieder in die eigentliche Parteiführung gelangte. Das Sekretariat des Politbüros bestand u. a. aus Thälmann, Ewert, Meyer und Dengel im Jahr 1927. Die Initiative zur Kampagne „Enteignung der Fürsten“ im Jahr 1926 ging wesentlich auf Mayer zurück. Dies kann nach der Lektüre des Buches von Wilde behauptet werden. Aber Ernst Meyer machte auch schwere Fehler. Er befürwortete den Parteiausschluss der ehemaligen Ultralinken aus der KPD. Fischer, Scholem Urbahns hatten sich mit der linken Opposition in Russland verbündet. Das war das wesentliche Kriterium um sie aus der KPD auszuschließen. Meyer stellte sich nicht gegen die Theorie vom „Sieg des Sozialismus in einem Land“ womit die Bürokratie in Russland ihre Herrschaft legitimierte und letztendlich die kommunistischen Parteien zu Vollzugsgehilfen der russischen Außenpolitik machte. Meyer war ein Anhänger von Bucharin, welcher den Sozialismus „im Schneckentempo“ aufbauen wollte und den Kulaken zurief „Bereichert euch“. All das blendet der Autor aus. An einer Stelle erwähnt er die wahrscheinlich „psychologischen Probleme“ Meyers „ausgerechnet mit Ruth Fischer und Sinowjew für innerparteiliche Demokratie zu kämpfen“. Das mag sein, aber nicht umsonst rät Andrea Berg in einem Schlager: „Die Gefühle haben Schweigepflicht“.

Das Ende von Ernst Meyer

Ernst Meyer ging in die Geschichte ein als Führer der sogenannten „Versöhnler“. In der Tat bekämpfte Meyer mit letzter Kraft, die ab 1928 einsetzende „neue ultralinke Wende“ Er bekämpfte die absurde Theorie vom Sozialfaschismus der SPD. Er blieb seiner Haltung treu, keine separaten Gewerkschaften zu gründen. Die Artikel Meyers dazu sind lesenswert. Ernst Wilde bringt sehr viel Material. Das Buch Wildes ist wichtig. Das traurige persönliche und politische Ende von Meyer kann uns auch heute noch viel sagen.

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Foto von Ernst Meyer 1905