Die Liste für General Schleicher

Leseauszug aus meinem Buch „ Oskar Quengels Auftrag -Für Kippenberger bei General von Schleicher Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b16.html

Ernst Meyer

Mehrere Wochen arbeitete ich an der Personalliste für General Schleicher. Ich begann mit Ernst Meyer. Nach meinem Erinnerungsvermögen schrieb ich über ihn: „Ernst Meyer ist innerhalb der KPD-Führung isoliert. Zudem ist er häufig krank und sensibel. Oft versteht er es, zu einer realistischen Beurteilung der Lage zu kommen. Sein Mitkämpfer Arthur Ewert ist zwar gesund, aber ohne Meyer, oft argumentativ und rhetorisch überfordert. Die Frau von Ernst Mayer ist die Witwe des kommunistischen Revolutionärs Eugen Levine. Im Apparat der KPD hat Mayer nur geringen Einfluss. In seiner Funktion als Parteivorsitzender 1922 kümmerte er sich nie um die Zusammenstellung der Kader innerhalb des Apparats. Er hat allerdings Sympathisanten und Mitkämpfer im Bereich der betrieblichen Gewerkschaftsarbeit. Fast die gesamte geschlossene hauptamtliche Fraktion, die in Berlin die INPREKORR (Internationale Pressekorrespondenz- Organ der kommunistischen Internationale) herausgibt, steht auf der Seite Ernst Meyers. Allerdings hegt Meyer keine besonderen Sympathien für ein Heinrich Brandler und seine Freunde. Auf dem Parteitag in Leipzig Anfang Januar 1923 wurde Ernst Meyer als Parteivorsitzender mit Wissen und Zustimmung der Komintern-Führung eiskalt von Brandler abserviert. Der blasse Intellektuelle Ernst Meyer schien den Kominternleuten nicht dazu geeignet, um den Arbeiterführer in Deutschland zu geben. Im Oktober 1923 als es zu den sogenannten Arbeiterregierungen in Thüringen und Sachsen kam, wandte sich Meyer dann gegen die Politik von Brandler und warf ihm Zögerlichkeit und Opportunismus vor. Die Kommunistische Internationale betrachtete diese Regierungen als Ausdruck wachsender Aktivität und Unzufriedenheit der Arbeitern und Arbeiterinnen. Aus Thüringen und Sachsen sollte der Startschuss für den deutschen Oktober erfolgen. Letztendlich wurde der Aufstand abgeblasen, nachdem Brandler auf einem Betriebsrätekongress in Chemnitz dazu keine Mehrheit erhalten hatte. Meyer warf – genau wie Trotzki – Brandler vor, sich von einem sozialdemokratisch dominierten Kongress abhängig gemacht zu haben, anstatt zur Tat zu schreiten. Auf der anderen Seite war Ernst Mayer entschiedener Gegner der Ultralinken, welche im Frühjahr 1924 die Partei eroberte. Meyer repräsentierte damals die so genannte Mittelgruppe innerhalb der KPD, auf die auch der damalige Vorsitzende der Komintern, Grigori J. Sinowjew, setzte.

Heinz Neumann

Über Heinz Neumann schrieb ich damals: “Er ist intellektuell dem Parteiführer Ernst Thälmann weit überlegen. Zudem verfügt er über ausgesprochen rhetorische Fähigkeiten. Genau betrachtet ist Heinz Neumann der Spiritus Rector innerhalb des Sekretariats der KPD. Bis dato erfreut er sich einer besonderen Wertschätzung durch Stalin. Heinz Neumann ist wendig und im Umgang mit so genannten Abweichlern nicht sonderlich zimperlich. Es kursiert das Gerücht, dass er alle wichtigen Reden für Ernst Thälmann schreibt. Die alte Generation, angeführt von Clara Zetkin und Wilhelm Pieck, steht Neumann mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Neu ist, dass Neumann sich offensichtlich fest gebunden hat. Ob dies allerdings das Ende seiner zahllosen Frauenaffären bedeutet, bleibt abzuwarten. Bei aller Treue gegenüber Stalin ist und bleibt Neumann jedoch ein selbstständiger selbstbewusster Kopf.“

Hermann Remmele

Zusammen mit Thälmann und Neumann bildet Hermann Remmele, die eigentliche Führung der KPD. Remmele wird mit knapp 50 wegen seiner Erfahrung in der Bewegung sehr geschätzt. Den Opponenten Neumann fällt es schwer, die gegenwärtige Führung der KPD anzugreifen, da sie die Autoritätsperson Remmele deckt. In Wahrheit jedoch benötigt der Praktiker Remmele den wendigen Theoretiker Neumann, denn Remmele ist zwar ein guter, aber kein hervorragender Redner.

Ernst Thälmann

Ernst Thälmann hält sich viel darauf zugute, aus dem Proletariat zu stammen. Viele Arbeiter und Anhänger der KPD, speziell in Hamburg, sehen in ihm ihresgleichen. Die Rhetorik von Thälmann provoziert bei den Intellektuellen innerhalb der KPD des öfteren geradezu Verzweiflungszustände. Wenn Ernst Thälmann nicht vom Blatt abliest, passieren ihm immer wieder unmögliche verbale Schnitzer. Auf einer KPD Versammlung meinte er einmal allen Ernstes: “Die Frauen gehören mit den eigens dafür geschaffenen Organen bearbeitet.“ Natürlich macht sich die Parteiintelligenz über solche Ausrutscher lustig, aber solche Schnitzer schaden dem Arbeiterführer beim proletarischen Anhang nicht im Geringsten. Auch die Affäre im letzten Jahr führte bei vielen Arbeitern, die in Ernst Thälmann Ihrem Führer sehen zu Mitleid und sogar zur aktiven Solidarisierung. Bei allen Schwächen ist Ernst Thälmann ein nicht zu unterschätzendes Aushängeschild der Partei. Thälmann verfügt mittlerweile über viel organisatorische Erfahrung, doch schwankt er zwischen übersteigertem Selbstbewusstsein und Minderwertigkeitskomplexen.

Walter Ulbricht

Der Sachse Walter Ulbricht wird in der KPD nicht geliebt. Sein absoluter Pluspunkt ist seine ständige Betriebsamkeit und die Liebe zum Detail. Nicht umsonst hat er in der Partei den Spitznamen „Genosse Zelle“. Walter Ulbricht wird mit Sicherheit dem neuen Zentralkomitee angehören und dort wie immer einer der am besten Informierten sein. Seine Außenwirkung hingegen ist mehr als bescheiden. In seinen Jahren in Moskau (er war dort Vertreter der KPD bei der Komintern) hat er nicht auch nur ein bisschen russisch gelernt. Walter Ulbricht hat es geschafft, sich von allen seinen alten Freunden Heinrich Brandler und Thalheimer rechtzeitig zu distanzieren. Er wird als Aktivist im neuen Zentralkomitee mit Sicherheit benötigt.

Leo Flieg

Leo Flieg gehörte bis dato jeder KPD Führung an. Flieg ist ungeheuer fleißig und ein überzeugter Bolschewik, was man ihm ob seines blassen Aussehens und seiner schmächtigen Statur nicht zutraut. Vom Typ her würde er eher als Büroangestellter einer Versicherungsgesellschaft durchgehen. Dennoch ist Flieg ein überzeugter Revolutionär, der auch im Stande ist konspirativ zu arbeiten. Mit Heinz Neumann verbindet ihn eine enge Freundschaft. Leo Flieg gehört zum engen Freundeskreis des KPD Chef -Agitators Willi Münzenberg.

Willi Münzenberg

Willi Münzenberg ist nicht nur im Reichstag aktiv, sondern er leitet auch das umfassende KPD Propagandaunternehmen. Münzenberg gibt die „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ und organisiert publikumswirksam jeden Propagandafeldzug der KPD. In seinen Verlagshäusern erscheint die kleine Arbeiterbibliothek, die im Rotationsdruckverfahren hergestellt wird. Dadurch können die Werke von Marx, Engels und Lenin günstig angeboten werden. Daneben betreibt er ein florierendes Geschäft mit sowjetischen Filmen. Es dürfte bekannt sein, dass Münzenberg solche Filme gezielt einsetzt und des Öfteren – speziell während der Wahlkampagnen – Filme als rollende Kinos auch in den abgelegensten Landgemeinden zeigt. Münzenberg ist der fähigste Propagandist der KPD, seine rhetorischen Fähigkeiten sind nicht zu unterschätzen. In Privatgesprächen mit Intellektuellen, die der Partei nahe stehen, kann Münzenberg sehr charmant sein.

Hans Kippenberger

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, leitet der ehemalige Leutnant Kippenberger den Abwehrapparat der KPD. Unter seiner Führung steht der Nachrichtendienst, sowie der militärische Zersetzungsapparat, kurz M-Apparat genannt. Hans Kippenberger ist Mitglied des Reichstages und versucht mit seinen Erkenntnissen die KPD Politik maßgeblich mitzugestalten. Gegenüber der Reichswehr hat sein Zersetzungsapparat aber bis dato nichts Wesentliches bewerkstelligt. Zwar gibt es einige KPD-Zeitungen für Reichswehrangehörige, diese verfehlen allerdings ihre Wirkung verfehlen. Dennoch hatte es Kippenberger offensichtlich geschafft, einige Informanten speziell innerhalb der preußischen Staatspolizei unterzubringen. Kippenberger umgibt sich mit jungen Leuten, die den Parteimitgliedern unbekannt sind und auch mir sind seine Mitarbeiter nicht namentlich bekannt.

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Rezension „ Die Entstehung der sozialen Marktwirtschaft 1948/49“

Von Max Brym Der -UVK Verlag Konstanz und München- brachte letztes Jahr ein Buch von Uwe Fuhrmann unter dem Titel „ Die Entstehung der sozialen Marktwirtschaft 1948/49“ heraus. Der Buchtitel könnte suggerieren, dass es sich um einen neuerlichen Lobgesang auf Ludwig Erhard und die Schule der Ordoliberalen handeln könnte. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Genau und Faktenreich stellt der Autor die Klassenkämpfe in den westlichen Besatzungszonen dar. Im Rahmen einer Dispositivanalyse wird festgehalten wie sich erst unter dem Widerstand der Arbeiterklasse, der Begriff von der sozialen Marktwirtschaft entwickelte. Ludwig Erhard sprach erst nach dem letzten deutschen Generalstreik am 12. November 1948 von der sozialen Marktwirtschaft. Lehrreich ist das Buch bezüglich der breiten Darstellung der antikapitalistischen Grundstimmung nach der Niederlage des deutschen Faschismus. Selbst die CDU sprach in ihrem Ahlener Programm davon, „dass der Kapitalismus überwunden werden müsste“. In vielen Landesverfassungen ist von Enteignungen und Mitbestimmung die Rede. Gerade die Arbeiter verlangten die Beseitigung der „ Nazikapitalisten“. Die Gewerkschaftsführung hingegen sprach nur von „ Mitbestimmung“ und „ Wirtschaftsdemokratie“. Der nachgezeichnete Widerstand der Arbeiter und Arbeiterinnen gegen die Weiterführung des Kapitalismus, widerlegt das Märchen von der Kollektivschuld der Deutschen. Der Autor stellt immer wieder die Klassenfrage.

Das Erhard Märchen

Der Wirtschaftsdirektor in der Bizone Ludwig Erhard und seine großkapitalistischen Hintermänner führten am 20 Juni 1948 die Währungsreform durch. Die Preise wurden freigegeben aber am geltenden Lohnstopp festgehalten. Sparguthaben wurden mit 1:10 enteignet. Angeblich hatte jeder Deutsche nur 40 Mark erhalten. Der Autor widerlegt diese Lüge aus dem bundesdeutschen Sozialkundeunterricht. Aktien wurden mit 1:1 umgetauscht. Das fixe Anlagevermögen der Kapitalisten lag rund 6 mal so hoch wie im Jahr 1936. Die alliierten Bomben im zweiten Weltkrieg hatten in den westlichen Zonen im wesentlichen Wohngebiete und Straßenverkehrsverbindungen getroffen. Das deutsche Kapital hat mit der Währungsreform ökonomisch doch noch den Krieg gewonnen. Nach der Währungsreform waren plötzlich die Schaufenster mit Waren gefüllt. Die Preise vor allem für Güter des täglichen Bedarfs explodierten. Fast überall in Deutschland kam es zu spontanen und wütenden Protesten. Diese beschreibt der Autor von Berchtesgaden bis Flensburg. Besonders die explodierenden Eierpreise erregten die Gemüter. Erhard und sein Stab lehnten jede Form von Preisregulierung ab. Sie wollten nicht zurück zur sogenannten „ Zwangsbewirtschaftung“. Die Proteste wurden jedoch immer stärker. Vor allem in Stuttgart kam es am 28. Oktober 1948 nach einer Kundgebung der Gewerkschaft zu wilden Ausschreitungen. Geschäfte wurden geplündert, es kam zu Strassenschlachten mit der Polizei. Die Gewerkschaften beschlossen daraufhin am 12. November einen Generalstreik in der Bizone durchzuführen. Der eintägige Streik wurde massiv befolgt. Jedoch war es kein politischer Angriffsstreik wie Lucy Redler in ihrer Arbeit dazu schreibt. Der Autor Uwe Fuhrmann weißt nach, dass es sich um eine Art von „ Kooperationsangebot der Gewerkschaften“ an die Bourgeoisie handelte. An diesem Tag fanden keine gewerkschaftlichen Kundgebungen statt. Es gab keine Streikposten sowie keinerlei Urabstimmung. Der Autor weißt daraufhin, dass eine Urabstimmung dazu hätte führen können den Streik weiterzuführen und ihn zu politisieren. Nach den Unruhen und dem Generalstreik musste Erhard jedoch Zugeständnisse machen. Es wurde u.a. das „ Jedermann Programm“ aufgelegt. Das Programm setzte wieder Preise staatlich fest und regelte die Rohstoffzufuhr für die Teile des Kapitals welche eine Zeitlang mit festen Preisen speziell im Ernährungswesen und bei der Herstellung von Textilien leben konnten. Erst nach dem Generalstreik setzte sich der Begriff der „ Sozialen Marktwirtschaft“ erfunden von dem Sozialdemokraten Leonhard Miksch gegen Erhard durch. Die Zugeständnisse des Kapitals waren Ausdruck der Kampfbereitschaft der Arbeiterschaft. Erhard war also nicht der Erfinder des sozialen Kompromisses. Die Systemkonkurrenz, die Gegenmacht zur Herrschaft des Kapitals brachten dies zuwege. Das Buch ist sehr zu empfehlen, es ist voll mit Fakten bietet viele wertvolle Erkenntnisse obwohl es nicht immer leicht zu lesen ist.

Buch „ Die Entstehung der sozialen Marktwirtschaft 1948/49“ Bestellungen unter https://www.narr.de/die-entstehung-der-sozialen-marktwirtschaft-1948-49-ebook-52665-2

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„Mao in Altötting und Waldkraiburg“

Aus der Einleitung zu meinem neuen Buch „Mao in Altötting und Waldkraiburg“ Viele Menschen wurden in den siebziger Jahren in maoistischen K- Gruppen politisch sozialisiert. Nach der Forschung durchliefen rund 100.000 Personen in der BRD solche Gruppen. Besonders stark waren außerhalb der Großstädte in Bayern, solche Organisationen in den tiefschwarzen Landkreisen Altötting und Mühldorf. Diese Geschichte in der ich persönlich stark involviert war wird aufarbeitet. Geschichte ist geronnene Erfahrung und darf nicht vergessen werden. Es geht um die SIK ( Sozialistisches Initiativkomitee Altötting- Mühldorf- Wasserburg), die KPD/ML und die „Arbeiter Basis Gruppen“ später „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD“, sowie die nichtmaoistische DKP im ländlichen Raum. Das Buch behandelt die Gründung des Habermas Lesekreises in Altötting im Jahr 1968. Es geht um die Auseinandersetzung bezüglich des Jugendzentrums am Ort. Dann folgte 1972 die Spaltung der SIK, es entstanden die „ Arbeiter Basis Gruppen“ in Altötting. Die KPD/ML sorgte Anfang der siebziger Jahre für viel Aufsehen in Burghausen und insbesondere in Töging am Inn. Der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD war mit seiner Zeitung „ Der Rote Landbote“ besonders in Waldkraiburg und in Altötting aktiv. Personen welche damals öffentlich auftraten und somit als Personen der Zeitgeschichte gelten werden mit ihren Klarnamen benannt. Andere Namen von Aktivisten wurden abgeändert. Auch wenn die Gruppen aus heutiger Sicht klein erscheinen mögen erreichten Sie in den genannten Landkreisen im Lauf der Jahre hunderte von vor allem jugendliche Menschen welche kürzere oder längere Zeit in einer oder mehreren der genannten Gruppen aktiv waren. Die Publikationen vor allem des Arbeiterbundes hatten durchaus Einfluss in bestimmten Betrieben etwa dem Werk Gendorf in Burgkirchen, oder der WASAG Chemie in Aschau am Inn sowie dem Betriebswerk der DB in Mühldorf am Inn. Die DKP Zeitung „Im Chemie Dreieck“ brachte den einen oder anderen Kommunalpolitiker in Waldkraiburg und Burghausen ins schwitzen. Ähnliches gilt für den „ Roten Landboten“ des Arbeiterbundes in Altötting und der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg. Bekannt wie bunte Hunde waren damals in den beiden Landkreisen der Altkommunist Georg Kellner, ( DKP) aus Burghausen, Harald Haugwitz, wohnhaft in Neuötting ( Arbeiterbund) Dietmar von der Au, aus Altötting ( SIK) und meine Person vor allem in Waldkraiburg ( DKP dann Arbeiterbund). Die Jusos waren damals auch im südostoberbayerischen Chemiedreieck ziemlich weit links. In Altötting wurden sie von Walter Roßdeutscher repräsentiert. In Burghausen von dem jetzigen SPD Bürgermeister Hans Steindl. Er galt damals als „ roter Rebell“ und bezichtigte auf einer DKP Veranstaltung in Burghausen, die DKP zu weit „ rechts zu stehen“.

Sinn und Zweck

Das vorliegende Büchlein stellt eine Mischung aus persönlicher Erinnerung und realen zeitgeschichtlichen Ereignissen dar. Es soll gezeigt werden, dass es in dem Marinewallfahrtsort Altötting nicht nur bescheidene Arbeiter im Weingarten des Herrn gab, sondern auch Juden, Antifaschisten und rebellierende Jugendliche im Gefolge der Studentenbewegung von 1968. In der „Vertriebenenstadt“ Waldkraiburg hielten nicht nur gestrenge sudetendeutsche Revanchisten Hof, sondern eben so sehr sudetendeutsche Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Auch in Waldkraiburg entwickelten sich ab Anfang der siebziger Jahre oppositionelle kommunistische Gruppen. Natürlich verändert sich manches in der persönlichen Betrachtungsweise im Lauf der Zeit, aber das Ideal einer sozial gerechten Gesellschaft bleibt. Zudem ist jeder Mensch das Produkt seiner Umgebung und seiner Familie. Nach meiner Erfahrung haben ehemalige Freunde von mir in Altötting und Waldkraiburg eine nachhaltige Prägung erhalten. Wenn ich die heute angegrauten „Linksextremisten“ aus Waldkraiburg und Altötting in München treffe, fällt mir immer wieder auf: Keiner dieser linken Rebellen aus Waldkraiburg und Altötting ist politisch nach rechts gegangen. Sie sind in unterschiedlicher Form links geblieben. Offensichtlich hat die katholische Dogmatik aus Altötting in umgekehrter Form eine bestimmte Eigendynamik entwickelt. Auch der Katholizismus enthält soziale Elemente. Bei einigen Menschen führte diese Dynamik zu den Lehren von Karl Marx. Die Härte der Auseinandersetzung in den genannten Orten, härtete ab. Der neoliberale Zeitgeist hat bei Altlinken aus Altötting und Waldkraiburg schlechte Karten.

Das Buch erscheint im Herbst 2019

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Rosa Luxemburg und Kadri Zeka-Notizen

Von Max Brym

Nach Kadri Zeka ist in Gjilan in Kosova eine Universität benannt. Kadri Zeka war ein linksstehender Revolutionär aus Kosova. Am 17. Januar 1982 wurde Kadri Zeka mit den links- patriotischen Genossen, den Brüdern Jusuf und Bardhosh Gërvalla in Untergruppenbach in der Nähe am Heilbronn von der jugoslawischen Geheimpolizei UDBA

in einem Wagen erschossen. Die deutsche Presse stellte damals den Mord als Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Balkanklans dar. In Wahrheit duldete das ehemalige jugoslawische Regime keine Opposition von links. Das titostische Regime ging besonders gegen die linke Opposition in Kosova vor. Mit den Morden in Untergruppenbach wollten die UDBA die linksdemokratische Opposition aus Kosova in der Emigration ihrer Köpfe berauben. Auf dem Grabstein von Kadri Zeka in Stuttgart stand: „Hier ruht ein Kommunist“. Im Jahr 2007 wurde Kadri Zeka in der Heimat begraben. Er gilt in Kosova zurecht als patriotischer Kämpfer. Verschwiegen wird der Öffentlichkeit jedoch seine marxistische Gesinnung.Einige Monate vor seiner Ermordung traf ich Kadri Zeka in einem Ort in der Schweiz. Das Interview, welches ich mit ihm machte, ist leider in den Archiven verschwunden. Allerdings bewahrte ich einige Notizen auf. Besonders interessant sind seine damaligen Aussagen zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Ihre Ermordung fand vor hundert Jahren in Berlin statt.  


Kadri Zeka über Rosa Luxemburg

Kadri Zeka im Herbst 1981 über Rosa Luxemburg: „Das war eine großartige Frau und Revolutionärin. Stets blieb Rosa ihren Prinzipien treu. Sie verteidigte und erweiterte den Marxismus. Ich habe fast alles von Rosa Luxemburg gelesen. Sie machte keinen Kompromiss mit der bürgerlichen Gesellschaft. Rosa Luxemburg steht für die Kombination von Freiheit und sozialer Gleichheit. Ohne Freiheit hat die soziale Gleichheit keinen Wert. Ohne soziale Gleichheit hat die Freiheit keinen Wert. „  Diese Worte von Kadri Zeka Sind aktueller den je. Sie müssen auch der Jugend und der Arbeiterklasse in Kosova bekannt gemacht werden.

Bild von Kadri Zeka

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Rezension „Revolution als Realpolitik“

Florin Wilde hat ein wichtiges umfangreiches Buch unter dem Titel „Revolution als Realpolitik Ernst Meyer Biografie eines KPD Vorsitzenden“ verfasst. Erschienen ist das umfangreiche Werk im UVK Verlag Konstanz. Der Autor hat das Verdienst einen der wichtigsten Führungskader der deutschen Arbeiterbewegung, dem Vergessen entrissen zu haben. Ernst Meyer wurde am 11. Juli 1887 im damaligen ostpreußischen Prostken geboren. Ein langjähriges schweres Lungenleiden führte bereits am 2. Februar 1930 in Potsdam zu seinem frühen ableben. Der junge Ernst Meyer studierte in Königsberg und Berlin Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie.

Das politische Leben von Ernst Meyer

Der Autor Wilde zeichnet das politische Leben von Ernst Meyer ausgezeichnet und mit vielen Belegen und Zitaten nach. Im Jahr 1908 sollte Ernst Meyer in Königsberg im Auftrag einer Studentenverbindung gegen den bekannten SPD Politiker Hugo Haase, auftreten. Nachdem Meyer viel sozialdemokratische Literatur gelesen hatte, sagte er den Auftritt gegen Hugo Haase ab. Er schloss sich der damals marxistisch orientierten SPD an. Gefördert wurde er dabei von dem ebenfalls aus Königsberg stammenden Haase. Im Jahr 1912 wurde Meyer Redakteur beim sozialdemokratischen „Vorwärts“ in Berlin. Ziemlich schnell schloss sich Meyer dem links sozialdemokratischen Freundeskreis in Berlin Steglitz, bestehend aus Rosa Luxemburg, Paul Levi, und insbesondere dem marxistischen Historiker Franz Mehring an. Mehrmals musste Meyer wegen „Majestätsbeleidigung“ wegen seiner Artikel vor 1914 ins Gefängnis. Im August 1914 stand Meyer zusammen mit Liebknecht, Luxemburg, Levi, Mehring und Pieck, gegen die Zustimmung zu den Kriegskrediten, durch die damalige SPD unter Ebert. Eindringlich beschreibt der Autor die Verzweiflung, aber auch die Isolierung der späteren Spartakisten. Sie waren auf einen Stadtteil in Berlin beschränkt und hatten nur lose sowie einige persönliche Kontakte zu gesinnungsgenossen im Reich, beispielsweise zu Clara Zetkin in Stuttgart. Weniger deutlich wird bei dem Autor der Fehler der sozialdemokratischen Linken nicht schon lange vor 1914 eine unabhängige revolutionäre Strömung oder Organisation im Sinne Lenins aufgebaut zu haben. Nichtsdestotrotz kommt man zu dieser Schlussfolgerung beim Lesen selbst. Meyer vertrat dann die Spartakisten auf den internationalen Konferenzen in Zimmerwald und Kientahl in der Schweiz. Ab dem Jahr 1916 bis Ende 1918 war Mayer faktisch der politische Leiter der Spartakusgruppe, denn Liebknecht und Luxemburg waren im Gefängnis und Mehring alt und krank. Leo Jogiches war hingegen der Organisator des Spartakusbundes. All das belegt der Autor mit vielen Fakten und Zitaten.

Mitbegründer der KPD

Ernst Meyer war auf dem Gründungsparteitag der KPD zur Jahreswende 1918/19. Meyer nahm an allen revolutionären Kämpfen in Berlin teil. Er bemühte sich besonders, um enge Beziehungen zu den „Revolutionären Obleuten“ welche die breite Masse der Berliner Arbeiterschaft repräsentierten. Auf dem Gründungsparteitag wurde Meyer in die Zentrale der KPD gewählt. Zusammen mit Luxemburg, Liebknecht und anderen bekämpfte er die ultralinke Mehrheit auf dem Gründungsparteitag der KPD. Leider setzten sich die ultralinken Kräfte gegen die alte Spartakusgruppe in wichtigen Fragen durch. Die ultralinke Mehrheit lehnte die Beteiligung an den Nationalratswahlen und die Mitarbeit in den Gewerkschaften ab. Damit musste die KPD weitgehend isoliert bleiben. Gleichzeitig wütete in Berlin ab Mitte Januar der „weiße Terror“. Liebknecht und Luxemburg wurden ermordet. Auch nach Ernst Meyer fahndete die weißgardistische Soldateska. Wilhelm Pieck überlebte seine Festnahme durch Freikorpsmitglieder nur, weil er glaubhaft

nachweisen konnte, „dass er nicht Ernst Meyer sei“. Die Konterrevolution wusste demzufolge über die Wichtigkeit von Meyer Bescheid. All diese Vorgänge hat der Autor exakt recherchiert.

Meyer im Jahr 1920

Im März fand der Kapp Putsch statt. Innerhalb weniger Tage erledigte sich dieser Versuch der offenen Konterrevolution, mit den Zugeständnissen an die Arbeiterschaft nach der Novemberrevolution Schluss zu machen. Insgesamt streikten 12 Millionen Arbeiter gegen die Putschisten. Im Ruhrgebiet bildete sich eine eigene Rote Ruhrarmee. Die in Berlin vorhandene KPD Leitung um Generalsekretär Friesland, lehnte zunächst den Generalstreik ab. Sie wollten keine „sozialdemokratischen Arbeitermörder“ verteidigen. Aber die KPD Basis ignorierte Friesland. Der Parteivorsitzende Levi sowie Ernst Meyer, änderten am nächsten Tag den Beschluss. Unterstützt wurden sie dabei besonders von dem Ehepaar Duncker und von Heinrich Brandler. Schade ist, dass der Autor nicht benennt,, wer Friesland war. Es war der spätere antikommunistische Bürgermeister von West Berlin Ernst Reuter.

Schlaglichter

Der Rezensent tut sich schwer damit sich kurz zu fassen. Denn das politische Wirken von Ernst Meyer war eng mit der Geschichte der KPD und der Komintern verbunden. Im Buch selbst befinden sich jedoch viele Fakten und Redeauszüge von Ernst Meyer. Klar wird in der Biografie wie gründlich sich Meyer von der Offensivtheorie von Anfang 1921 löste. Damals nach der Vereinigung mit der Mehrheit der USPD im Dezember kam die Theorie auf die Partei „könne und müsse die Offensive suchen und zur revolutionären Tat schreiten“. Auch Meyer vertrat kurzfristig diese Theorie was im März 1921

zu einer verheerenden Niederlage der KPD führte. Im Raum Halle Merseburg vertrat die KPD die Mehrheit der Arbeiter. Aber nur dort. Einige in der KPD Führung bestärkt durch Komintern Emissäre-bildeten sich ein den gerechtfertigten Versuch der Arbeiter in Halle, welche von dem preußischen Polizeipräsidenten Hörsing provoziert wurden zu benützen, um im Reich die Macht zu übernehmen. Das Märzabenteuer endete katastrophal. Kurz danach löste sich Meyer von dieser abenteuerlichen Politik. Nachdem Brandler flüchten musste, war Meyer als Leiter des politischen Büros der KPD faktisch von April 1921 bis Januar 1923 Parteivorsitzender der KPD. Mayer orientierte auf eine Einheitsfrontpolitik gegenüber der Sozialdemokratie von Unten und Oben. In der Praxis hieß dies konkrete Forderungen zu stellen welche von den Sozialdemokraten schlecht abgelehnt werden konnten, ohne ihren Einfluss auf die Arbeiterklasse zu verlieren. Mit dieser Politik stabilisierte sich die KPD. Sie hatte Ende 1922 knapp 360.000 Mitglieder. Meyer übergab Brandler im Januar 1923 eine intakte handlungsfähige Partei. Allerdings stellte sich im Katastrophenjahr 1923 heraus, dass Brandler zwar ein guter Organisator und Gewerkschafter war aber kein wirklicher Revolutionär. Im Sommer 1923 stürzte ein zweitägiger Generalstreik die Regierung Cuno. Die KPD hingegen blieb im Sommer 23 weitgehend passiv, statt die Energie der Massen zu steigern. In diesem Sinn kritisierte Meyer ziemlich früh Brandler und Thalheimer. Auch dazu hat Florian Wilde Dokumente ausgegraben. Nicht ganz klar wird aus der Schrift des Autors Wilde, ob er die Dialektik der Einheitsfronttaktik verstanden hat. Für Meyer war es immer eine Taktik und keine Strategie. Die Einheitsfronttaktik dient dazu den Einfluss der Sozialdemokratie zu minimieren, um die Mehrheit der Arbeiter unter der Fahne des Kommunismus zu:sammeln. Brandler hingegen wollte die „Sozialdemokratie vom linken Flügel der Bourgeoisie auf den rechten Flügel der Arbeiterbewegung ziehen“. Deshalb und wegen der Passivität Brandlers resultierte das Fiasko mit den Arbeiterregierungen in Thüringen und Sachsen. Auch der Fakt, dass sich Brandler in Chemnitz die Genehmigung zum Generalstreik und bewaffnetem Widerstand gegen die Reichsexekutive von mehrheitlich sozialdemokratischen Betriebsräten holen wollte. Die Folgen sind bekannt.

Wie Florian Wilde die ultralinke Phase beschreibt

Der Autor Wilde stellt zutreffend fest, dass Meyer in der Frage der nationalen und internationalen Politik immer für offene Diskussionen, aber einheitliches Handeln nach außen eintrat. Damit stellt er zutreffend Meyer als Leninisten dar. Etwas zu schlecht bei allen Fehlern kommt bei Wilde der damalige Komintern Vorsitzende Grigori Jewsejewitsch Sinowjew weg. Sinowjew trat nach dem Fiasko der Rechten für eine Führung der KPD unter maßgeblicher Leitung der Mittelgruppe daher Meyer, Remmele, Eisler, Schumann ein. Sinowjew wollte auf

keinen Fall den Ultralinken um Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Werner Scholem die Führung der KPD überlassen. Aber gegen den Rat der Komintern setzten sich im Frühjahr 1924 die Ultralinken auf dem Parteitag durch. Die Mittelgruppe wurde abgewählt oder absorbiert. Die Frau von Ernst Meyer, Rosa Meyer Levine beschreibt das gut in ihren Memoiren, auch den Frust bei Sinowjew. Die Ultralinken lehnten jede Einheitsfront ab. Sie kämpften nicht gegen Tendenzen an aus den Gewerkschaften auszutreten. Ruth Fischer propagierte einfach nur die Revolution. Ernst Meyer wurde schikaniert und verlor sein Mandat im preußischen Abgeordnetenhaus. Er wurde Redakteur von „Berlin am Abend“. Der Brief von Meyer, Frölich und Becker an den 10 Parteitag der KPD 1925 welchen Wilde dokumentiert ist bis heute gegen linke und rechte Fehler sehr aktuell. Immerhin durfte Meyer, obwohl er kein Delegierter war 10 Minuten auf dem Parteitag sprechen.

Der späte Ernst Meyer bei Wilde

Im September 1925 schlug der „Offene Brief der Komintern“ in der KPD wie eine Bombe ein. Scharf wurden die ultralinken Fehler kritisiert. Sogar Ruth Fischer musste den Brief unterzeichnen. Ernst Meyer schien rehabilitiert zu sein. Es dauerte aber noch bis zum Dezember 1926 bis Meyer wieder in die eigentliche Parteiführung gelangte. Das Sekretariat des Politbüros bestand u. a. aus Thälmann, Ewert, Meyer und Dengel im Jahr 1927. Die Initiative zur Kampagne „Enteignung der Fürsten“ im Jahr 1926 ging wesentlich auf Mayer zurück. Dies kann nach der Lektüre des Buches von Wilde behauptet werden. Aber Ernst Meyer machte auch schwere Fehler. Er befürwortete den Parteiausschluss der ehemaligen Ultralinken aus der KPD. Fischer, Scholem Urbahns hatten sich mit der linken Opposition in Russland verbündet. Das war das wesentliche Kriterium um sie aus der KPD auszuschließen. Meyer stellte sich nicht gegen die Theorie vom „Sieg des Sozialismus in einem Land“ womit die Bürokratie in Russland ihre Herrschaft legitimierte und letztendlich die kommunistischen Parteien zu Vollzugsgehilfen der russischen Außenpolitik machte. Meyer war ein Anhänger von Bucharin, welcher den Sozialismus „im Schneckentempo“ aufbauen wollte und den Kulaken zurief „Bereichert euch“. All das blendet der Autor aus. An einer Stelle erwähnt er die wahrscheinlich „psychologischen Probleme“ Meyers „ausgerechnet mit Ruth Fischer und Sinowjew für innerparteiliche Demokratie zu kämpfen“. Das mag sein, aber nicht umsonst rät Andrea Berg in einem Schlager: „Die Gefühle haben Schweigepflicht“.

Das Ende von Ernst Meyer

Ernst Meyer ging in die Geschichte ein als Führer der sogenannten „Versöhnler“. In der Tat bekämpfte Meyer mit letzter Kraft, die ab 1928 einsetzende „neue ultralinke Wende“ Er bekämpfte die absurde Theorie vom Sozialfaschismus der SPD. Er blieb seiner Haltung treu, keine separaten Gewerkschaften zu gründen. Die Artikel Meyers dazu sind lesenswert. Ernst Wilde bringt sehr viel Material. Das Buch Wildes ist wichtig. Das traurige persönliche und politische Ende von Meyer kann uns auch heute noch viel sagen.

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Foto von Ernst Meyer 1905

 

Rezension zum  Buch “ Verrat in München und Burghausen“ von Oliver Stey

Rezension zum  Buch “ Verrat in München und Burghausen“ von Oliver Stey auf Amazon -Das kürzlich erschienene Buch „Verrat in München und Burghausen“ des Autors Max Brym ist eine gelungene Melange aus historischer Wirklichkeit und Fiktion. Die Geschichte erzählt das Leben des erfundenen Rechtsanwalt Hans Faber der als Mitglied des KPD in der NSDAP als Abwehrspezialist arbeitet. Die Orte der Handlung sind zumeist im Ober- und Niederbayerischen Raum angesiedelt den der Schreiber Max Brym als gebürtiger Altöttinger wie seine Westentasche kennt. Reale Begebenheiten aus dem Beginn der faschistischen Machtergreifung wie der Ausschaltung parteiinterner Gegner Adolf Hitlers werden gelungen mit der Liebesbeziehung von Faber und seiner Lebensgefährtin „Lore“ verwoben die für ihn als Sekretärin bei Ernst Röhm dem damaligen SA-Führer arbeitet. Neben der Altöttinger Familie von Faber treten viele Persönlichkeiten der damaligen Zeit wie Alfred Rosenberg und Hans Frank auf der einen, sowie Hans Kippenberger bzw. Hans Beimler auf der anderen Seite der politischen Bühne im Fokus der Handlung hervor. Insgesamt ein sehr lesenswertes Büchlein, das als mehrteilige Fortsetzungsgeschichte angelegt ist und den Leser gespannt auf den zweiten Band warten lässt. Sehr empfehlenswert.-Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b17.html 

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Rezension– Martin Monath  – Ein Berliner Jude unter Wehrmachtssoldaten

Im „Schmetterling Verlag“ ist eine lesenswerte Biografie über Martin Monath erschienen. Das Buch von Wladek Flakin hat den Titel: „Arbeiter und Soldat–Martin Monath ein Berliner Jude unter Wehrmachtsoldaten“. Der Autor hat das Verdienst einen einst links zionistischen Juden und späteren führenden Trotzkisten in Belgien und Frankreich, dem Vergessen entrissen zu haben. Martin Monath wurde 1912 in einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie in Berlin geboren. Ziemlich früh engagierte sich der bildungshungrige Monath, später auch unter dem Decknamen Viktor oder Widelin politisch. Wladek Flakin beschreibt den Weg von Monath von der links zionistischen Organisation Hashomer Hatzair (Der Wächter) zur trotzkistischen Organisation in Belgien und Frankreich. Martin Monath lehnte die Fixierung von Hashomer Hatzair auf die Alija (Rückkehr nach Palästina) obwohl er einige Zeit in Dänemark als Landarbeiter für Hashomer Hatzair tätig war ,ab. Im Lauf seiner Entwicklung, setzte Martin Monath auf die Weltrevolution und die 4 Internationale von Leo Trotzki, um die „jüdische Frage“ zu lösen. Besonderen Wert legte er auf die deutsche Arbeiterrevolution gegen das Hitlerregime. Er gab in Frankreich zuerst die Zeitung „Soldaten im Westen“ und dann die Zeitung „Arbeiter und Soldat“ heraus. Monath orientierte auf die Schaffung von antifaschistischen Arbeiterkomitees innerhalb der Wehrmacht. In der besetzten französischen Hafenstadt Brest bildeten sich tatsächlich solche illegalen Soldatengruppen innerhalb der Wehrmacht. Nach Zeitzeugenberichten aus Brest, welche der Autor ausgrub grüßten sich zum Teil französische Arbeiter und deutsche Soldaten mit erhobener Faust. Die Arbeit von Monath war nicht umsonst. Allerdings deckte die Gestapo, die Komitees auf und verurteilte zwischen 15 und 20 deutsche Soldaten in Brest 1943 zum Tod. Martin Monath wurde gejagt und im August 1944 von der Gestapo sozusagen zweimal erschossen. Zuerst Anfang August überlebte Monath die Hinrichtung in einem Wald bei Paris. Anschließend wurde der schwerverletzte Monath von Antifaschisten in ein Pariser Krankenhaus gebracht. Nach einigen Tagen kurz vor der Befreiung von Paris, wurde Monath von der Gestapo aus dem Krankenhaus geholt und sozusagen ein zweites mal wirklich erschossen. Die Biographie liest sich spannend,obwohl der Autor dieser Zeilen nicht mit jeder Wertung in dem Buch einverstanden ist. Die französische Résistance wird nach meiner Meinung falsch kritisiert. Das Problem der Résistance war nicht, dass sie militanten Widerstand gegen die Nazibesatzung durchführte, sondern dies nur in geringem Maß mit der Gewinnung von einfachen Wehrmachtsoldaten kombinierte. Flakin vermittelt fast den Eindruck, als ob dieser Widerstand der Résistance grundsätzlich daneben lag. Dennoch das Buch ist eine Bereicherung. Jüdische Internationalisten wie Monath, Abraham Leon sowie der junge Ernst Mandel, mit denen der Held der Biografie eng zusammenarbeitete müssen nicht nur gewürdigt werden. Ihr Internationalismus muss hochgehalten werden. Im Anhang des Buches sind alle Ausgaben von „Arbeiter und Soldat“ nachgedruckt. Ergo unbedingt lesen, ohne jedes Wort als wirklich realitätstauglich zu werten. Natürlich war der Krieg bis auf den Kampf der Sowjetunion, ein imperialistischer Krieg von allen Seiten, um die Dominanz auf dem kapitalistischem Weltmarkt. Aber der deutsche Faschismus hatte in diesem Ringen eine besonders negative Qualität. Man denke nur an Auschwitz. Letzteres wird bei dem Autor Flakin nicht immer deutlich.

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