Wie real ist der Roman „ Verrat in München und Burghausen”?

Sehr geehrter Herr Brym, ich interessiere mich für Ihren neuen Roman „ Verrat in München und Burghausen“. Allerdings stellt sich mir die Frage wie real ihr Buch historische Fakten und Personen wiedergibt. Was erfährt man über den Antifaschisten Hermann Frieb aus München? Wie real ist ihre Darstellung von Personen wie Wilhelm Olschewski, Hans Beimler oder von Heinrich Breu aus Burghausen. Gab es auch Widerstand in dem kleinen Marktflecken Kraiburg am Inn ?

 

Viele Grüße Hanelore F. aus München

 

Antwort Hallo und danke für Ihre Zuschrift. Nun zu Ihren Fragen. Erfunden sind in dem Roman nur der Held und sein familiäres Umfeld. Grundsätzlich-  Das Buch “ Verrat in München und Burghausen“ versucht Geschichte auf antifaschistischer Grundlage lebendig werden zu lassen. Wichtige Personen des Widerstandes aus den Städten Burghausen, Altötting, Neuötting und München werden dem Vergessen entrissen. Fehler der Arbeiterbewegung werden konkret auf örtlicher Basis von 1933 bis 1935 benannt. Die Geschichte ist eingebettete in die allgemeine Lage. Neben örtlichen antifaschistischen Personen wie Hermann Frieb- München- Heinrich Breu- Burghausen kommen auch die Nazis zentral und dezentral vor. Von dem NSDAP Kreisleiter in Mühldorf am Inn, bis hin zu dem späteren “ Polenschlächter“ Hans Frank aus München. Das Buch will eine Anleitung zum Handeln heute liefern. Ohne Berücksichtigung historischer Erfahrungen ist dies unmöglich. Es gab Widerstand gegen den Faschismus sowohl in der Provinz – es werden dabei reale Personen benannt- wie in der Großstadt. Der Held des Romans ist entsetzt über die kampflose Kapitulation der Arbeiterbewegung nach dem 30 Januar 33. Viele Kommunisten in Burghausen, Penzberg und München, forderten nicht nur einen Aufruf zum Generalstreik,, sondern kollektiven bewaffneten Widerstand. Die Hoffnung dieser Kommunisten war dadurch die sozialdemokratischen Arbeiter mitzureisen. Aber die Führungen der Arbeiterparteien lehnten aktive Kampfmaßnahmen ab. Die Gewerkschaften verweigerten sich dem Aufruf zum Generalstreik.. In München kapitulierte die sozialdemokratische Führung des ADGB vor der Belagerung des Gewerkschaftshauses im März 33 durch die Nazis. Die KPD im Untergrund war ziemlich schnell von Spitzeln der Gestapo durchsetzt. Dennoch gibt es heldenhaften Widerstand. Breit wird die Tätigkeit des Gestapo Agenten „ Theo“ – Max Troll aus Giesing in der bayerischen KPD dargestellt. Diese Tätigkeit war verhängnisvoll. Der Nachfolger von Theo ließ 1938 eine illegale Zelle der KPD bei der Wacker Chemie in Burghausen auffliegen. All das ist nicht erfunden. Mühsame Recherche war notwendig. Zu ihrer letzten Frage: Es gab auch in dem Marktflecken Kraiburg am Inn einige Einzelpersonen im Widerstand. Auch diese werden mit Klarnamen benannt. Natürlich auch der Kraiburger Ortsgruppenleiter der NSDAP Diener.

 

Hier ein noch nicht lektorierter Auszug au dem Buch welches am 24 September erscheint.

http://www.max-brym.de.rs/verrat-in-muenchen-und-burghausen-neues-buch

 

Eine Bestellung kann hier erfolgen http://www.bookra-verlag.de/b17.html

 

Ich bin auf Ihre Meinung gespannt.

Viele Grüße Max Brym

Foto Max Brym

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„Verrat in München und Burghausen“- Neues Buch von Max Brym

Verrat in München und Burghausen

Band 1

Max Brym

Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Am Wochenende aber zieht es ihn meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn, in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, als auch in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Er kennt alle Nazigrößen persönlich und sie widern ihn an. Hans Faber arbeitet eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faber lebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen.

Der Autor wurde am 24.09.1957 in Altötting geboren. Er arbeitet und lebt als freier Journalist in München. Max Brym ist Dozent für Philosophie und Geschichte an mehreren nationalen und internationalen Bildungseinrichtungen. Viele Jahre arbeitete er als Gastdozent an der öffentlichen Universität Prishtina in Kosovo. Der Autor schreibt regelmäßig u.a. für jüdische Zeitungen, darunter das Webportal „haGalil“. Vom Autor erschienen viele Artikel, speziell zur Geschichte der Arbeiterbewegung in unterschiedlichen Zeitungen.

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ca. 280 Seiten
(ISBN: 978-3-943150-20-9) Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b17.html 

Tragödie der Arbeiterbewegung Das Buch von Max Brym sollte gelesen werden

Das Buch des Genossen Max Brym mit dem etwas sperrigen Titel „ Oskar Quengels Auftrag Für Kippenberger bei General von Schleicher“ ist sehr lehrreich und lesenswert. In Romanform beruhend auf Tatsachen wird die verfehlte Politik der KPD gegen den Faschismus nachgezeichnet. Unterschiedliche Personen wie Hans Kippenberger, Leo Roth, Heinz Neumann aber auch Werner Scholem werden dem Vergessen entrissen. Der Doppelagent verzweifelt immer deutlicher an der Politik seiner Partei und der Kapitulationspolitik der SPD in den dreißiger Jahren. Am Ende ab Mitte 1935 sympathisiert er stark mit der trotzkistischen Opposition. Allerdings ist er nichtimstande auch mit seinen alten Freunden Remmele und Münzenberg zu brechen. Der Held des Romans verzweifelt und begeht Selbstmord. Der Roman stützt sich auf eine reales Dokument – Brief an meinen Vater- welcher vor einigen Jahren in Berlin gefunden wurde. Lebendig und gut geschrieben. Vielen Dank Genosse Brym

 

August L Gera

 

Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b16.html

 

Danke Genosse August Grüße Max

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Leseprobe „Verrat in München und Burghausen“

Leseprobe „Verrat in München und Burghausen“

 

„Verrat in München und Burghausen“

Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Ab 1932 ist er zudem Mitglied der Gruppe „ Neu Beginnen“ bestehend aus KPD und SPD Mitgliedern. Er lebt vorwiegend in München. Am Wochenende zieht es ihn meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn, in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, sowie in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Intuitiv hat er ab 1934 einen besonderen Verdacht gegen den KPD Funktionär „Theo“ aus Giesing. Er kennt alle Nazigrößen persönlich. Sie widern ihn an. Hans Faber arbeitet er eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faberlebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen. PS: Der Text ist noch ohne Lektorat. Das Buch wird im Herbst im Bookra Verlag in Leipzig erscheinen. Mein letztes Buch- „ Oskar Quengels Auftrag für Kippenberger bei General von Schleicher“ kann unter folgendem Link bestellt werden http://www.bookra-verlag.de/b16.html Viele Grüße Max Brym

 

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Fritz Schwaegerl im Unterbräu in Kraiburg am Inn

 

Der Unterbräu war für die Verhältnisse in dem kleinen Nest ziemlich gut gefüllt. Eine nette rustikale Bedienung fragte den Herrn Rechtsanwalt was es denn sein dürfte. Hans Faber bestellte für alle den allseits bekannten Schweinebraten. Dann ging die Türe auf, eine Abordnung örtlicher Nazis erschienen in der Gaststätte. Angeführt wurde die uniformierte Bande von dem jungen Kreisleiter der Nazi Partei Fritz Schwaegerl aus Mühldorf am Inn. In seinem Gefolge befanden sich dörfliche Kleinbürger, der Ortsgruppenleiter Diener, sowie der SA Führer Thalhammer. Fritz Schwaegerl bewegte sich sofort auf den bekannten“ Parteigenossen“aus München zu. Der junge Kreisleiter versuchte lässig zu wirken und hatte eine Zigarre im Maul. Ungefragt setzte sich die Nazibande an den Tisch, um mit dem geehrten Gast und seiner charmanten Begleitung zu quatschen. Immer wieder betonte Schwaegerl, wie wichtiges sei „mit der „Kommune und der schwarzen Bande vor allen Dingen im Kreis Altötting abzurechnen“. Hans Faber stimmte zu und berichtete von der positiven Stimmung welche in München in der Partei herrscht. Etwas anzüglich versuchte der junge Kreisleiter mit Lore ins Gespräch zu kommen. Der Schuster Thalhammer stierte die junge hübsche Frau aus München

lüsternd an. Es sprach aber nur der junge Nazibonze aus Mühldorf am Inn. Schwaegerl sagte direkt:“ Ich will den Kommunistenführer von hier Josef Wimmer, bald hinter schwedischen Gardinen sehen, was meinst du wie lange das noch dauert“. Faber antwortete ausweichend, er verwies auf die geniale Politik des Führers, welcher solche Gestalten bald aus dem Verkehr ziehen würde. Zufrieden nickte der Kreisleiter samt Anhang. Dann kam das Gespräch noch auf den jüdischen Pferdehändler Siegfried Hellmann aus Mühldorf. Auch ihn wollte der „strebsame“Kreisleiter bald im Gefängnis haben. Was sind das nur für verdorbene Kleinbürger dachte Faber, dabei hatte er besonders die beiden Händler in Schuh und Elektro- im Visier. Nach einiger Zeit entfernte sich die Nazibande, dabei vergassen sie jedoch nicht auf die „arische“ Schönheit Lores ausgiebig hinzuweisen. Nach dem Abzug der Bande kam endlich der Schweinebraten, der nicht mehr so gut schmeckte wie normalerweise. Josef Schmidt sagte den ganzen Abend über fast kaum ein Wort. Gegen Abend meinte er nur in der Wohnung,“das sind keine guten Menschen, weil sie keine guten Katholiken sind“. Anschließend gingen alle schlafen. Am nächsten Tag erwartete Hans Faber seinen Besuch aus München. Aus dem Zug in Kraiburg stieg Wilhelm Olschewski, ein wichtiger Mitarbeiter Fabers im Abwehrapparat, zudem ein wichtiger Funktionär aus dem so genannten „ Aufbruchkreis“welcher versuchte ehemalige Nationalisten, um den

Kommunismus herum zu sammeln. Hans Faber holte Wilhelm Olschewski mit dem Auto seines Schwagers am Bahnhof ab. Die beiden Funktionäre des Abwehrapparates begrüßten sich herzlich. Wilhelm Olschewski bedauerte nur, dass er „hier in die bayerische Prärie kommen müsse um mit Faber zu sprechen“. Faber lachte, denn Olschewski wohnte gar nicht so weit weg von ihm in München. Olschewski hatte seine Wohnung am Ende der Augustendstraße Haus Nr. 88.

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Hilferuf aus Burghausen

Faber verbrachte den 11. und 12 März in München. Er studierte die Zeitungen und neuesten Meldungen. Mittags wollte er in den Schellingsalon um etwas zu essen. Jedoch traf er an diesem Märztag den Nazistarfotografen Hoffman vor dem Lokal. Hoffmann hatte seinen Fotoladen kurz vor der Ecke Schellingstraße, Barerstrasse. Der Herr Fotograf lies es sich nicht nehmen, Faber statt in den Schellingsalon, in das Nazilokal Osteria ein paar Schritte weiter zu schleifen. Dort tummelte sich so einiges an örtlicher Naziprominenz. Aber der sich leutselig gebende Hoffmann wollte mit Faberalleine sprechen. Er bestellte für sich und Faber ein üppiges Mal. Den dazu bestellten Cognac lehnte Faber ab. Hoffmann galt als Alkoholiker. Lang und breit berichtete Hoffmann, wie schön es in Berlin war, welche Aufnahmen er von Hitler, Göring und Goebbels machen durfte. Sichtlich freute sich dieser schlechte Witzbold über seine gut laufenden Geschäfte. Auch von einer Spezialaufnahme des Ritters von Epp am heutigen Vormittag berichtete der Fotograf. Er sprach von geschäftlicher Expansion usw. In seinem Laden hielt ein gewisses Fräulein Braun während seiner vielen Außentermine die Stellung. Über Eva Braun wusste der KP Abwehrmann Faber, dass diese durch zarte Bande mit Hitler verbunden war. „ Du widerlicher

 

Kleinbürger und Spekulant“ dachte Faber beim Essen ohne sich etwas anmerken zu lassen. Dann eilte Faber in seine Kanzlei zurück. Natürlich verabschiedete er sich höflich von der dort herumsitzenden Nazibande. Er erkannte Amann, Esser und den Möchtegern Bürgermeister Fiehler, in einer Runde.

 

Schnell in den Bezirk Altötting Burghausen

 

Als Faber in sein Büro zurückkehrte machte ihn seine Sekretärin Berta auf ein dringendes Telegramm aus Burghausen aufmerksam. Es war ein Telegramm von seiner Mutter Lotte. In dem Telegramm stand: „ Bitte komm sofort, dein Vater braucht dich“. Schlagartig war Faber klar was passiert sein musste. Offensichtlich war auch sein Vater verhaftet worden. Umgehend telefonierte er mit der Polizeidienststelle Burghausen. Dort wurde dem RA. und Parteigenossen Faber bestätigt, dass sein Vater vorgestern festgenommen wurde. Nach Auskunft des Wachhabenden wurde er mit Simon Vorburger und Genossen in das Amtsgerichtsgefängnis Altötting verbracht. Die Verhaftung erfolgte am 10. März. Faber sprach auch mit dem Gefängnisleiter in Altötting. Dieser meinte, „ da ist vorläufig nichts zu machen, die Leute werden bald verschubt“. Dann probierte

 

Faber mit der NSDAP Kreisleitung in Mühldorf zu sprechen. Eine Sekretärin unterrichtete Faber davon, dass „ Kreisleiter Schwägerl nicht im Haus sei“. Immerhin erfuhr er wo Schwägerl war. Die Nazis vor Ort tagten in Permanenz bis spät Nachts in Neuötting im Wirtshaus „Münchner Hof“, des Limonadenherstellers und Nazis Zierhut. Das Lokal war Faber als Keimzelle der NS Bewegung im Kreis Altötting bekannt. Faber holte seinen PKW Adler Standard 8 und machte sich umgehend auf den Weg. Die Sekretärin Berta schickte der Mutter ein Telegramm. Darin wurde Mutter Lotteunterrichtet, dass Hans unterwegs ist. Die Fahrt nach Neuötting dauerte knapp 4 Stunden. Hans Faber hoffte Schwägerl oder andere Funktionsträger in Neuötting in dem berüchtigten Lokal in der dortigen Ludwigstraße. 76 anzutreffen. Tatsächlich, als Faber im Lokal auftauchte erkannte er sofort Schwägerl, den SS Mann Zierhut, den NSDAP Chef von Altötting Stubenhofer, den „Alten Kämpfer“ aus Neuötting Heinrich Hilleprandt, sowie den Teilnehmer am dilettantischen Hitlerputsch Franz Obermaier aus Altötting. Dazu den offiziellen Kreisleiter von Altötting Ludwig Malcomeß, welcher eng mit Fritz Schwägerl aus Mühldorf verbunden war. Der 1909 geborene Schwägerl galt als brutaler und durchsetzungsfähiger als Malcomeß. Beide waren aber jung und rücksichtslos, sowie durch irgendetwas besonders verbandelt. Dann erkannte Faber noch den Nazi Max Kammerer, sowie den

 

Kriegskameraden Hitlers Josef Schmidt, aus Garching an der Alz. Faber sah ihm unbekannte Polizisten, sowie den kleinen Nazifunktionär Lex ausAltötting.

Das Lokal war offensichtlich das NS Hauptquertier zwecks Koordinierung der Verhaftungen. Grinsend kam Schwägerl auf Faber zu. „ Na will uns ein Parteigenosse vom NS Juristenbund beistehen“ meinte der sich wie immer lässig gebende Kreisleiter. Faber schüttelte Schwägerl die Hand und schlug vor in einer Ecke des Lokals weiterzureden. Freundlich aber bestimmt wies ihn Faber auf die Verhaftung seines Vaters hin. Schwägerl meinte zuerst, „da nichts machen zu können“. Natürlich hatte die „Bayerische Politische Polizei“ und willige Staatsanwälte, die Verhaftungen angeordnet. Aber die Details über die zu verhafteten Personen kamen von der NS Kreisleitung Altötting-Burghausen . Auch führte oftmals, die örtliche SA, die Festnahmen durch. Die Ansammlung im „Münchner Hof“ hatte exekutive Vollmachten. Auf den Tischen waren Namenslisten ausgelegt. Die einzelnen Orte waren markiert. Die Wahlergebnisse der letzten Reichstagswahl am 5. März in den einzelnen Orten lagen aus. Faber meinte zu Schwägerl: „ Mein Vater ist krank und Frührentner, seinen marxistischen Unsinn wird er bleiben lassen Parteigenosse Schwägerl. Dafür verbürge ich mich“. Immer noch zögerte der Kreisleiter. Gegen Ende des Gesprächs versicherte Faber, sich bei Gauleiter

 

Wagner positiv für ihn zu verwenden. „ Ihre Härte gegen den Marxismus wird gewürdigt werden Parteigenosse Schwägerl“. Schwägerl schwankte aber dann gab er nach. Er besprach sich noch kurz mit dem ehemaligen Sozialdemokraten Malcomeß, welcher erst im Januar 1931 in die NSDAP eintrat. Faber wußte, dass Schwägerl oft auf Konferenzen der Partei ironisch als „ Maria hilf- Kreisleiter“ verspottet wurde. Vielen in München war der Unterschied zwischen Mühldorf und Altötting nicht so ganz klar. Fritz Schwägerl telefonierte mit verschiedenen Leuten im Nebenraum. Dann kam er zurück und sagte: „Parteigenosse Faber, du kannst deinen alten Herrn noch heute Abend aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Altötting abholen, aber nicht gleich, es wird ihn noch ein Arzt besuchen außerdem kannst du uns noch ein paar Tipps geben wie es weitergeht, besonders im schwarzen Altötting, sowie im rot verseuchten Burghausen.“ Faber willigte ein, obwohl er am liebsten seinen Vater gleich abgeholt hätte. Ihm war klar, dass er bei und nach der Verhaftung misshandelt wurde. Die Nazibande war in ihrem Eifer kaum zu bremsen. Laufend trafen Kuriere ein und informierten Schwägerl und Malcomeß wer schon oder noch nicht gefasst wurde. Faber fragte als alter „ Burghauser“ ,wie viel von der Kommune schon dingfest gemacht wurden.

Der SS Typ Ziereis reichte ihm eine Namensliste. Darauf standen die Namen von mehreren

 

Kommunisten aus Burghausen. Faber las über die Festnahme von Haxpointner Alois, Schlosser- Scheibeck Stefan, Hilfsarbeiter Ober Hans, Schreiner Buchfellner Hans, Schreiner Klaus Alois, Fabrikarbeiter Huber Georg, Fabrikarbeiter Weinzierl Josef, Fabrikarbeiter, Gaßner Andreas, Fabrikarbeiter Riesinger Michael, Eisenbahner Fürhaupter Josef, Hilfsarbeiter. Ludwig Lankes Arbeiter. Noch nicht auf der Liste standen, Heinrich Breu, sowie den Kassierer und Org Chef der Burghauser KPD Josef Burghart. Offensichtlich sind sie untergetaucht. Fast alle waren Faber zumindest vom Namen her bekannt. Einige fehlten noch auf der Liste. Der Vertrauensmann von Faber vom Abwehrapparat aus Burghausen war den Nazis noch nicht ins Netz gegangen. Aber mit den Verhaftungen war die Partei faktisch zerschlagen. Der Neuöttinger Nazi Heinrich Hilleprandt wollte ebenfalls mit seinen Erfolgen nicht hinten anstehen. Freudig berichtete er von der Verhaftung des Altkommunisten Anton Griebl, sowie der Verhaftung des Jungkommunisten Fritz Wimschneider aus Neuötting. Faber fragte Hilleprandt ob er persönlich in die Verhaftung miteinbezogen gewesen sei. Heinrich Hilleprandt verneinte. „ Ich hab nur die Aufgabe Mütter und Geschwister abzuwimmeln. Die Polizei verhaftet selbständig und ich muss beispielsweise der Pflegemutter dieses Wimschneiders, einer Frau Maria Harlander auch noch den Sachverhalt erklären“ flüsterte Hilleprandt

 

schon fast bemitleidenswert. Dann mischte sich wieder Fritz Schwägerl ein: „ Ja ja, diese Harlander, mir wurde auch berichtet, dass sie regelmäßig beim Juden, dem Textilhändler Weiner hier einkauft. Wir haben noch viel Arbeit.“ Faber nickte und deutete an, dass bald eine Aktion im Reich gegen die Juden laufen wird. Die örtlichen Nazis horchten erfreut auf. Dann zog Schwägerl, Faber wieder in eine Ecke des Lokals. Er beklagte sich bei Faber besonders über die schwarze Brut im Landkreis Altötting. Dabei fielen die Namen Wehnert, Bruckmayer und Seidel, Gabriel Mayer ausAltötting, sowie der Name des jungen RA Gmach aus Neuötting. Faber beruhigte Schwägerl und meinte, „ die Schwarzen werden bald endgültig abtreten, der Herr Ministerpräsident Held wird verschwinden. Machen Sie doch den jungen Herrn Daniel Fandrey zum Bürgermeister von AltöttingParteigenosse Schwägerl, sprechen Sie darüber mit Malcomeß.“ Malcomeß hatte zugehört und meinte-“ In dem schwarzen Nest Altötting hatten wir nur 17,6% der Stimmen bei der Reichstagswahl am 5 März. Wir müssen zuerst den BVP Bürgermeister Gabriel Mayer loswerden. Wir sollten den Verleger Geiselberger zum Bürgermeister machen. Auch der ist ein „Schwarzer, aber gleichzeitig Verleger. Er gibt die wichtigste Zeitung hier heraus. Als Geschäftsmann wird er in unserem Sinn schreiben, dafür darf er einige Zeit Bürgermeister sein. Dann ist er erst fällig.“ Hans Faber hatte Malcomeß

 

unterschätzt. Offensichtlich hat er einiges in der SPD gelernt. Schwägerl nickte und bedeutete kurz vor Mitternacht, dass Faber seinen Vater aus dem Gefängnis abholen könne. Schwägerl vergas nicht darauf hin zu weisen ihn bei Gauleiter Wagner zu empfehlen. „ Mach ich du Verbrecher“ dachte Faber und brauste von Neuötting nach Altötting. Gegen 12 Uhr Mitternacht wurde Faber in das Amtsgerichtsgefängnis geleitet. Der diensthabende Beamte wußte Bescheid. Georg Faber saß nicht in der Zelle, sondern in einer Art Vernehmungszimmer. Er trug einen Verband, um den Kopf und rauchte. „Ha der Herr Sohn, hab ich jetzt einen Rechtsanwalt“ rief Georg Faber. „ Sei still Vater und komm mit. Ich bring dich nach Hause.“ Georg Faber stand auf und folgte seinem Sohn. Hans Faber

blickten einige verwirrte SA Leute hinterher, welche sich im Gefängnis aufhielten, als er mit dem Delinquenten davon schritt.

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„ Judenboykott“ in München

 

Am 30.März hatte sich Lore auf Anregung von Hans Faber Urlaub als Sekretärin von Röhm geben

lassen. Die Urlaubsbewilligung war nicht leicht zu bekommen. Lore musste eine dringende familiäre Angelegenheit erfinden und gleichzeitig ernsthaft versichern, sie wolle als überzeugte Nationalsozialistin, den Judenboykott in der Stadt München in Augenschein nehmen.

Daraufhin lachte Röhm, der freie Tag war bewilligt. Im vorauseilenden Gehorsam hatte der Münchner Bürgermeister Karl Fiehler den Judenboykott schon für den 30. März angekündigt. Lore begab sich zuerst zu dem renommierten Seidenwarengeschäft Heinrich Cohen. Die Vorfahren des Inhabers belieferten seit 1821 das bayerische Königshaus. Aber das interessierte, die pöbelnden Nazi Banditen in SA Uniform nicht im geringsten. Einige der größten Münchner Kaufhäuser gehörten Juden, zum Beispiel Hermann Tietz am Hauptbahnhof, oder Max Uhlfelder am Viktualienmarkt. Die Tuchhandlung Stark am Stachus zählte den Komiker Karl Valentin zu ihren Stammkunden. Edle und günstige Stoffe konnte man bei Eichengrün am Promenadenplatz oder Springer am Alten Peter kaufen.

Im Kunst- und Antiquitätenhandel waren Bernheimer, Rosenthal und Heinemann angesehene Häuser von internationalem Rang. Lore beobachtete überall das selbe Bild. SA-Posten beschmierten Schaufenster jüdischer Geschäfte mit der Aufschrift „Jude“ oder „Bin in Urlaub in Dachau“.

Schaufenster gingen zu Bruch. Sie wurden eingeschlagen und Kunden eingeschüchtert. Die SA pöbelte alle Kunden an. Einige wurden als „ Volksverräter“ fotografiert. Diese Bilder vermittelten Lore den Eindruck, dass sich der spontane „ Volkszorn“ nicht so recht einstellte. Sie beobachtete aus sicherer Distanz wie eine ihrer alten Freundinnen sich bei Tietz resolut zutritt verschaffte. Diese Bilder machten Lore Mut. Auch Hans würde es freuen.

In der Schraudolphstrasse. berichtete sie Hans von dem erlebten. Hans hatte in Erfahrung gebracht, dass der 1. April in München als eigentlicher Boykotttag faktisch abgesagt wurde. Auf der Straße traf er den widerlichen Schläger und Ex Pferdeknecht Christian Weber. Dieser beschwerte sich über die Passivität der Münchner. Weber meinte: „ In München hätte uns ein Julius Streicher vor der Aktion gut getan.“ Das war eine versteckte Kritik an Fiehler.

Faber stimmte zu. An Baum 6 hatte er zuvor von der Verhaftung von 200 Juden gehört.

 

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  1. Hans Beimler verhaftet

Von Lore erfuhr Hans Faber am 8 April, dass die SA im Verbund mit Polizeiangehörigen in Augsburg am nächsten Tag ein ganzes Stadtviertel abriegeln wollte. Insgesamt sollten hunderte von Wohnungen durchsucht werden. Schnell eilte Faber zu Baum 6

 

um für Rottmeier eine Nachricht in einem toten Briefkasten zu hinterlegen. Die Nachricht erreichte Rottmeier nicht mehr. Viele illegale Funktionäre der Augsburger KPD wurden verhaftet. Am 11. April saß

Lore ganz verzweifelt in der Wohnung in der Schraudolphstrasse. Hans Faber erkannte sofort, dass etwas passiert sein musste was der sensiblen Lore sehr zusetzte. „ Sprich“ sagte Faber, „ was ist passiert“? „ Euer Hans Beimler wurde verhaftet. Er sitzt in der Ettstrasse und wird brutal gefoltert. Die SA jubelt. Im Büro von Röhm knallten die Sektkorken. Gleichzeitig laufen immer wieder Berichte ein, wie Beimler misshandelt wird. Was sind das nur für Menschen Hans ?“ Hans Faber wurde blass er setzte sich und zündete sich eine Zigarette an. „ So sind sie die Faschisten“ platzte es aus Hans Faber heraus.

Er streichelte Lore durchs Haar und war selbst ganz niedergeschlagen. Hans Faber dachte: „Beimler ist ein tapferer lebenslustiger Mann. Beimlerwar und ist auch nicht immer absolut linientreu, obwohl er nach außen davon nichts durchdringen ließ. Außerdem ist er bei vielen Arbeitern sehr populär, denn er spricht ihre Sprache.“ Es war kein Wunder, dass die Nazis ihre Freude nicht verbergen konnten. Faber war der Überzeugung, Beimler würde trotz brutaler Foltermethoden nicht zusammenbrechen. Seine Verhaftung war ein schwerer Verlust für die KPD. Beimler kannte sein

 

München, aber auch den Menschenschlag in der bayerischen Hoch und Tiefebene. „Jetzt wird wohl

Franz Stenzer der neue Leiter“ dachte Faber. Das Hauptproblem für alle Landesleiter ist, die fehlende Bindung nach unten. Außerdem war das Spitzel- Problem mittlerweile sehr groß geworden. Dann legte er sich mit Lore ins Bett. Dieses mal versuchte sich Hans Faber in Massagekünsten und flüsterte Lore beruhigende Worte ins Ohr. Es tat ihm leid, Lore so in die Arbeit des Apparats einzubinden. Bis vor kurzem war sie noch ein hübsches Püppchen und nur an Mode sonderlich interessiert. Jetzt war das feinfühlige Wesen, jeden Tag den Wüstlingen in der SA Führung ausgesetzt. Zum Glück für Lore waren viele SA Führer homosexuell .Aber sie waren blutrünstig. Das schreckte Lore ab, sie wurde immer mehr zur Kommunistin und las gerade das „ Kommunistische Manifest“ von Marx und Engels. Die Verhaftung von Beimler setzte Faber zu. Er schlief sehr schlecht.

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Im Rathaus in Burghausen

 

Der Überläufer und Bürgermeister von Burghausen Fischer freute sich sehr am nächsten Tag Hans Faber im Rathaus begrüßen zu dürfen. Er wollte einiges über die Situation in München erfahren,

dann bot er an, eine „Facharbeit“ über das neue „nationalsozialistische Recht“ wie er sich vorstellte, an den Parteigenossen Frank schicken zu dürfen.Hans Faber nickte dem Bürgermeister aufmunternd zu und wollte noch etwas zur Machtergreifung in Burghausen am 9. März erfahren: Auf eine solche Frage hatte Fischer wohl nur gewartet, er fragte Faber ob er frei sprechen dürfe ? „ Natürlich“ antwortete Faber: Der frische Nazi Fischer legte los: „ Ohne mein -zutun wäre es hier schwierig geworden. Entschuldigen Sie aber

 

dieser Malcomeß ist ein Prolet. Er marschierte mit seinem engsten Anhang hier auf – insgesamt 20 Leute- und wollte die Hakenkreuzfahne hissen. Ihm gegenüber standen mindestens 40 rauflustige und kräftige Kommunisten unter Führung des Kunstschützen Simon Vorburger welcher einst Jahrmarkt-schütze war und der großgewachsene Alois Haxpointner. Die Kommune versperrte den Zugang zum Rathaus. Als Agitator kam dann noch Ludwig Aigner hinzu. Der bekannte Heinrich Breu rief mehrmals – Tod den Mordfaschisten- In Telefonaten mit unserem gebildeten Parteigenossen Dr. Georg Basel vom Café Stegmüller aus, klärte ich die Lage. Der Ludwig Malcomeß ist ja nicht gut auf gebildete Leute zu sprechen. Ich informierte auch die Wacker Direktion. Es durfte zu keinem Bürgerkrieg in Burghausen kommen. Ich forderte Polizei an, welche dann die Kommune abdrängte. Gegen 21 Uhr erklärte ich mich vor dem Rathaus-für die -Neue Zeit- übergab den Schlüssel und die Fahne des Reiches wurde gehisst.“ Faber wollte von dem „ Märzgefallenen“ Bürgermeister Fischer noch wissen ob es noch weitere Vorfälle gab. Fischer erzählte dass nach den Verhaftungen am 10 März sich Breu und Genossen in des Haus des bereits verhafteten Ludwig Lankes in der Unghauserstrasse schlichen und dort zwei Tage nach den Vorfällen ein Flugblatt druckten, in welchen sie zum Widerstand aufriefen. Tatsächlich konnten noch knapp 200 solcher Blätter in der

 

Wacker Siedlung verteilt werden. Faber fragte welche Folgen das hatte, woraufhin Fischer antwortete, „ keine wir haben hier brave Arbeiter und die SPD hat Angst. Mittlerweile sitzen alle führenden Kommunisten. Nur unser Kreisleiter Malcomeß macht noch Probleme. Er mag keine Leute mit Studium und kehrt ständig den Proleten heraus. Nach meinem Kenntnisstand greift er alle alten Kämpfer der Partei an. Er umgibt sich nur mit jungen ungebildeten Leuten, hübschen Frauen und säuft mit Arbeitern herum, die ihm nach dem Mund reden. Mir tut der verdiente Kämpfer Dr. Basel leid, dass er, der qualifizierte Nationalsozialist und Chemiker sich laufend mit solchen Dingen herumschlagen muss. Dieser Malcomeß schreibt in seinen Aufrufen immer das Wort Hakenkreuz verkehrt. Immer mit CK statt einfach mit K.“ Hans Faber trank den Kaffee, verzehrte einige Brötchen und versuchte so schnell als möglich die Amtsräumlichkeiten zu verlassen. Natürlich sicherte er dem Bürgermeister zu, sich bei Hans Frank für ihn zu verwenden.“ Du widerlicher Überläufer willst immer oben schwimmen,“ dachte Hans Faber nachdem er sich zackig von dem Würdenträger verabschiedet hatte.

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Im Bratwurstglöckel

 

Einige Tage nach der Flucht von Hans Beimler, besuchte Hans Faber, das „Bratwurstglöckel in der Münchner Innenstadt. An dem seit 1924 bestehenden Stammtisch der SA, saß Ernst Röhm mit einem jungen hübschen Kerl, dazu ein finster brutal dreinschauender Typ in SS Uniform. Der

 

Gastwirt Karl Zehnter, begrüßte Faber sehr herzlich. Nachdem sich Faber setzte, stellte sich eine Gestalt in SS Uniform vor. Er hieß Hilmar Wäckerle, er war der berüchtigte Kommandant des Konzentrationslagers Dachau. Faber wußte, dass Wäckerle stets mit Schäferhund und Ochsenziemer im KZ unterwegs war. Im Vergleich zu ihm war Röhm mit seinen Reitkünsten, seinen musikalischen Kenntnissen und der sogenannten „ Soldatenethik“ ziemlich kultiviert. Wäckerle prügelte und tötete nach Gusto im KZ. Der Sadismus war Wäckerle ins Gesicht geschrieben. Aber Faber war ja nicht im Lokal um Gesichter zu studieren sondern er wollte Details zur Flucht von Beimler, direkt von dem Chefpeiniger erfahren. Ohne Umschweife fragte er Wäckerle, „wie ihnen der Beimler entwischen konnte“. Diese Frage gefiel Ernst Röhm, er forderte Wäckerle auf zu erzählen. Der blass gewordene Lagerkommandant stotterte los. „ Drei Leute von mir schlugen den Beimler mit einem Ochsenziemer scheinbar windelweich. Auf Befehl von mir wurde der Bolschewistensau ein Strick in die Zelle gehängt. Dem Beimler wurde geraten das Angesicht der Erde nicht länger mit seiner Anwesenheit zu beschmutzen. Es wurde ihm eine Frist von zwei Stunden gegeben. Aber der Kerl hängte sich nicht auf, sondern er erdrosselte nach zwei Stunden einen meiner Männer, zog sich dessen Uniform an und marschierte aus dem Lager grüßend hinaus.“ Röhm grinste auf Kosten von Wäckerle und meinte:

 

 

„ Meinen SA Leuten wäre das nicht passiert“. Da war sie wieder zu spüren, die bestehende Rivalität

 

zwischen dem SA Stabschefs Röhm und Heinrich Himmler. Dann setzte sich noch eine Gruppe weiterer Personen an den Tisch. Es kam die engste Umgebung von Ernst Röhm. Es waren die Herren Karl Leon Du Moulin-Eckart, der Chef der SA Stabswache Julius Uhl, der neue Polizeikommandant von München August Schneidhuber, sowie Graf Spreti-Weilbach, welcher wohl derzeit in München war. Die Banditengruppe von Röhm amüsierte sich ebenfalls über die Flucht von Beimler. Der speziell für Röhm mordende Julius Uhl, nannte Beimler „ einen ganzen Mann im Gegensatz zur blöden SS“. Alle lachten, nur Wäckerle nicht. Dann versuchte Wäckerle aufzutrumpfen: „ Als Racheexempel ließ ich sofort den Ex KPD Orgchef SeppGötz im Arrestlokal der SS am 9. Mai erschießen. Auch der ehemalige KP Landgasabgeordnete Fritz Dressel wurde liquidiert.“ Dazu meinte Schneidhuber: „ Ja ja, aber der Beimler ist trotzdem weg.“ Röhm empfahl Schneidhuber, der jetzt formal in München über Heinrich Himmler stand, den „ Heini mit seiner unfähigen Truppe schärfer an die Kandare zu nehmen.“ Alle lachten zustimmend. Faber wußte nun ziemlich viel über die Flucht von Hans Beimler, ohne Leute vom Abwehrapparat der KPD zu treffen. Unter einem Vorwand verabschiedete er sich, denn er hatte keine Lust auf längeren Bierdunst, sowie

 

den dazugehörenden schwülstige Reden. Röhm meinte noch zu Faber beim Abschied: „ Mit deiner Lore bin ich sehr zufrieden. Pass nur auf, dass sie

 

nicht auf einen auf Frauen stehenden Kerl aus meiner Umgebung hereinfällt“. Wieder lachten alle, diesmal über die offen zugegebene Homosexualität ihres Chefs. „ Mache ich, mache ich“ sagte Faber und verschwand.

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Mit Hans Beimler in Dürrenroth

 

Pünktlich erschien Hans Beimler im Hotel und fragte nachdem die Gesellschaft ihre Zimmer bezog nach dem RA. Müller. Der Wirt geleitete sie persönlich in den Raum. Nachdem der Wirt abzog lagen sich Hans Beimler und Faber in den Armen. Dann stellte Beimler, Fritz Sperling vor. Aber auch für diesen hieß Faber, Müller. Die Frau ein hübsches Wesen hieß Toni. Offensichtlich war sie die Geliebte von Hans Beimler. Hans Beimler konnte sich seine „Frauengeschichten“ auch in der Emigration nicht abgewöhnen. Obwohl seine Frau Centa immer noch von den Nazis inhaftiert war. Aber das störte Hans Faber nicht. „Der Beimler war halt so“ dachte Faber. Fritz Sperling war ein schmächtiger intelligenter

 

Genosse. Dann wurde Antonia nach oben geschickt, um mit Lore etwas zu unternehmen. Es wurde über die Lage in Deutschland und speziell in

 

Bayern gesprochen. Beimler berichtete ziemlich unverblümt über die Auseinandersetzungen in der Emigration. Ohne jegliche Geheimniskrämerei erzählte Beimler, wie sich auf der einen Seite Schubert und Schulte, mit Ulbricht, Wehner und Pieck, zofften. Für Beimler war das mehr als ärgerlich. Am wenigsten traute er Ulbricht und Wehner. Tief bedauerte er die Verhaftung von Jonny Scheer, den amtlich bestimmten Nachfolger von Ernst Thälmann. Beimler rechnete nicht damit, dass Jonny Scheer noch sehr lange leben würde. Beimler erzählte von der Liquidierung des Verräters Kattner in Berlin durch Leute vom Abwehrapparat. Nach Meinung von Beimler, aber auch von Sperling würde das Scheer und andere Genossen büssen müssen. Dann berichtete Hans Faber lang und ausführlich über die Lage in der Nazipartei und den Konflikt zwischen NSDAP und SA. Fritz Sperling schrieb intensiv mit. Zur Lage der illegalen KPD in Bayern meinte Beimler: „ Hauptsächlich arbeiten wir über die Rote Hilfe. Massenaktionen sind absolut unmöglich. In München ist ein ehemaliger örtlicher -Rote Hilfe- Funktionär, Max Troll aus Giesing, unter dem Namen „Theo“ sehr rührig. Er arbeitet im -Deutschen Museum. Ein anderer Genosse hat in der Nähe in der Au ein Radiogeschäft, das Geschäft ist der Anlaufpunkt für auswärtige Genossen, sowie

 

für Materiallieferungen. Max Troll war schon einmal hier in der Schweiz. Er ist keine theoretische Leuchte aber sehr nützlich. Gut ist auch, dass er vor

 

dem Januar 33 nicht sehr bekannt war. In München arbeiten die Genossen maximal in Fünfergruppen. Solche Gruppen gibt es überall in allen Stadtteilen. Betriebsgruppen gibt es noch bei AGFA und bei der Eisenbahn. Das Problem ist seit der Verhaftung von Häbich und Stenzer, dass die „ Neue Zeitung“ kaum mehr erscheint. Um den Parteibetrieb am laufen zu halten brauchen wir noch mehr Leute vom M- Apparat.“ Dem widersprach Faber entschieden. Hans Faber machte auf die Spitzelgefahr aufmerksam und fragte nach dem Hintergrund von Max Troll. Beimler sprach von einem ehrlichen „ Arbeiter“ usw. Faber sprach sich auch gegen die engere Heranziehung von Fritz Rottmeier in die eigentliche Parteiarbeit aus. Beimler reagierte etwas unwirsch. Er meinte „ihr vom Abwehrapparat wollt immer so arbeiten wie der NKWD“. Daraufhin machte ihm Faber gewisse Vorwürfe bezüglich des Verschleißes der M Leute, durch die Partei. Faber bestand so weit als möglich auf die Unabhängigkeit des M- Apparates. Dann wollte Fritz Sperling noch etwas zu den Fraktionsauseinandersetzungen innerhalb des deutschen Monopolkapitals wissen. Faber meinte: „ Die Junker, sowie die Schwerindustrie stehen absolut hinter Hitler. Er beginnt mit dem Aufrüstungsprogramm. Alle Fraktionen der Bourgeoisie sind damit zufrieden,

 

dass ihre Kapitalverwertungsbedingungen sich durch die Zerschlagung der Arbeiterbewegung schlagartig verbesserten. Teile des Chemie und Elektrokapitals sind jedoch mit der Abenteuerpolitik

 

des Herrn aus Braunau vorläufig noch nicht ganz im Reinen. Diese Kapitalfraktionen hoffen auf einen Ausgleich mit der Entente, weil sie meinen auch friedlich ihre Absatzgebiete im Westen zurückzuerobern. Dieser Gegensatz wird sich allerdings in Luft auflösen, wenn speziell die Chemiebosse einen enormen Auftragsschub im Rahmen des Rüstungsprogramms erhalten. Deshalb beginnt sich auch die Chemie und Elektro-Bourgeoisie von Röhm abzuwenden. Carl Duisberg von den IG Farben hat nur noch ein paar Spenden für notleidende alte Kämpfer der SA hinbekommen. Im lauf des nächsten Jahres werden sich endgültig alle Fraktionen auf Hitler verständigen. Der lumpenproletarischen SA steht eine blutige Abrechnung bevor.

Röhm war nützlich aber jetzt gefährdet er mit seinen Leuten das reibungslose funktionieren des Staatsapparates. Ein Heines ist nur ein Totschläger, aber kein gelernter Beamter wie Gestapo Müller. Ein Karl Ernst mag zwar der Damenwelt in Berlin gefallen. Aber als Polizeipräsident und preußischer Staatsrat ist er eine Fehlbesetzung. Es ist kein Wunder, dass Hitler den ehemaligen Leiter des Präsidialamtes von Ebert und Hindenburg nicht absetzt. Er hat ihm auch den Posten im Falle des

 

Ablebens von Hindenburg bereits garantiert. Oder nehmt den Fall Heinrich Lammers, er ist jetzt Chef der Reichskanzlei. Lammers war in der Weimarer Republik seit 1920 im Innenministerium in der Abteilung 1 beschäftigt. Das war die Behörde

 

welche Prozesse des Reiches gegen die Länder führte. Das sind die gelernten Typen welche der bürgerlich faschistische Staatsapparat benötigt. Ähnliches kann in Bayern beobachtet werden. Der Apparat ist fast gleich geblieben. Die SA kommt sich betrogen vor. Aber mit diesen SA Leuten kann man höchstens einen Bürgerkrieg führen, sonst nichts.“ Beimler dankte Faber für seine, auch für ihn zutreffende Analyse. Niemand in dem Kreis sprach vom„ ununterbrochenen revolutionärem Aufschwung“ wie es in den offiziellen Kominterndokumenten noch zu lesen war. Bevor Beimler samt Begleitung gegen 22 Uhr aufbrach erzählte er Hans Faber noch etwas: „ Hans du kannst dich doch noch an unseren königlich bayerischen Sozialdemokraten Erhard Auer erinnern. Den traf ich kürzlich in Zürich in einem Kaffeehaus. Er lebt jetzt als Rentner seit Juli in der Schweiz. Es geht ihm nicht schlecht. Mit mir wollte er nicht reden. Er sei jetzt Rentner und habe genug von der Politik. Später erfuhren wir noch, dass er mit Hilfe von Reichsstatthalter Ritter von Epp in die Schweiz übersiedeln durfte. Da kann man doch glatt die Parole vom -Sozialfaschismus- ernst nehmen.“ Alle lachten. Mit der Geschichte wollte Hans

 

Beimler andeuten, dass er nicht unbedingt mit der Parteilinie der KPD einverstanden sei. Diese Information war für Hans Faber sehr wichtig.

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Ein Anpfiff von Ulbricht

 

Gollmik führte Hans Faber in ein Lokal in der Nähe des Prager Bahnhofes. Hinter einem Vorhang saßen Walter Ulbricht und der ehemalige Reichstagsabgeordnete Wilhelm Koenen. Ulbricht war wie üblich nicht besonders freundlich, im Gegensatz zu Wilhelm Koenen. Hans Faber wurde wie ein Angeklagter von Ulbricht vernommen. Zwar betonte des Sachse wie “ wichtig die Berichte von Faber seien“. Dennoch fing Ulbricht an Faber, in die Nähe von Neumann und Remmele, zu rücken. Ulbricht bezweifelte die “ Popularität des

 

Naziregimes“. Ulbricht ging offensichtlich immer noch von einer kurzen vorübergehenden Phase aus. Gleichzeitig lies er nicht jeglichen Realitätsinn vermissen. Vorsichtig deutete Ulbricht eine

 

 

Annäherung an die SPD Führung an. Er sprach nicht mehr vom “ Sozialfaschismus der Sozialdemokratie“. Das war eine klare Gegenposition zur Haltung von Schubert, Schulte und teilweise von Franz Dahlem. Völlig überzogen war hingegen seine Kritik am Kippenberger Apparat. Hans Faber verteidigte hingegen Kippenberger, sowie besonders Leo Roth. Dann machte sich Ulbricht noch Notizen über die Internas aus der Naziführung. Hitler war nach dem Tod von Hindenburg “ Reichskanzler und Führer“ in Personalunion. Die Reichswehr wurde auf Hitler vereidigt. Dies geschah nur deshalb weil die sogenannte “ Röhm Revolte“ niedergeschlagen wurde. Die Bericht von Faber über den Ansehensverlust der SPD Führung im Reich wurden von Ulbricht ignoriert. Wilhelm Koenen fragte Faber was er eigentlich wolle: Faber schlug eine dringliche Annäherung an die “ Revolutionären Sozialisten“ also “ Neu Beginnen“ mit ihrer starken österreichischen Basis vor. Faber schilderte die Tatsache, dass nur die zuletzt genannten Gruppen den sozialdemokratischen Widerstand an der Basis im Reich darstellten. Ulbricht winkte ab, und meinte wie wichtig seine Kontakte in Prag zu Otto Wels, Otto Bauer und Friedrich Stampfer, seien. Das bezweifelte Faber nicht. Hans Faber hatte im Urin das Gefühl, dass Ulbricht eine elementare Änderung der Parteilinie anstrebte. Letzteres störte

 

 

Faber nicht. Er hatte nur das Gefühl, “ dieser Ulbricht und Andere werden sicherlich das Kind gleich mit dem Bade ausschütten“. Ohne Selbstkritik bezüglich der Politik bis heute, musste jede Änderung der Parteilinie neue Verwüstungen anrichten.

Dann fragte Ulbricht Faber nach seinem Verhältnis zu Hans Beimler in der Schweiz aus. Faber schilderte Beimler „als guten Revolutionär. “ Tja aber einer der seine in Deutschland sitzende Frau, mit einer „Trotzkisten betrügt“ meinte Ulbricht. Hans Faber nahm Abstand davon Ulbricht von seinem Verdacht gegen Max Troll aus München zu informieren. Faber befürchtete, dass Ulbricht das nur benützen würde, um Beimler und Sperling in der Schweiz abzuservieren. Er musste mit Beimler selber reden oder sie über Leo Roth ( Viktor) informieren. Gegen Ende des “ Verhörs“ durch Ulbricht gab es noch eine ziemlich scharfe Debatte über den “ Mordvorschlag“ von Faber bezüglich Hitler und Göring. In einem Text welcher sich in den Händen von Ulbricht befand verwies Faber auf die Notwendigkeit Hitler und Göring, physisch zu liquidieren. Faber hatte in einem Brief für den Apparat einen individuellen Terroranschlag gegen die beiden Naziführer vorgeschlagen. Faber begründete dies mit der Sonderstellung Hitlers, dem nur Göring nachfolgen könne.

Faber spekulierte über die dann einsetzenden Cliquenkämpfe, sowie dem Verlust der Stabilität des

Regimes. Ulbricht nutzte dieses Schreiben um Faber “ sozialrevolutionäre anarchistische Neigungen“ zu unterstellen. Provokativ fragte Ulbricht, ob Faber Lenin nicht gelesen hätte, sowie dessen Stellung zum „individuellen Terror“. Faber platzte der Kragen. Scharf wies er auf den Unterschied zwischen dem russischen Zarismus und dem Hitlerfaschismus hin.

Faber betonte, dass für ihn die Methode von Marx und Lenin entscheidend sei und nicht heruntergeleierte Zitate. Ulbricht sprang auf und betrachtete das Gespräch als beendet. Er schoss aber noch einen bösen Pfeil gegen die gerade nach Moskau abgereiste Lore ab. “ Übrigens Faber ihre Lore ist zwar eine gute Sekretärin aber auch eine Dame mit Fingernagelmaniküre. Ein Aufenthalt im proletarischen Moskau wird ihr gut tun.“ Dann durfte Faber zurück zum Bahnhof laufen. Wilhelm Koenen schüttelten ihm wenigstens noch die Hand. Wütend und depressiv reiste Hans Faber zurück nach Karlsbad ins noble Hotel Imperial.

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Nach Freiburg zu Hermann Frieb

 

Mitten im Oktober traf er die Mutter von Hermann Frieb in der Arcisstrasse. Paula Frieb berichtete ihm von der Krankheit ihres Mannes und davon dass Hermann Frieb jun. kurz davor stand an der Universität Freiburg sein Studium der „ Volkswirtschaft“ erfolgreich zu beenden. Faber gratulierte höflich und bedauerte die Krankheit von Frieb sen. Plötzlich sagte Paula Frieb: „ Sie sollen morgen um 16 Uhr bei Baum 3 sein“. Faber nickte verwirrt. „War die Mutter des jungen Sozialisten etwa auch bei -Neu Beginnen- ?“ Faber traute ihr das zu. Gleichzeitig war er nervös. Es konnte und durfte nicht sein, dass „ Mütter“ über ihn Bescheid wussten.

Am nächsten Tag war Faber mit Poldi pünktlich an Baum 6 im „ Englischen Garten“. Dort trat ein noch sehr junger Mann, Faber schätzte ihn auf höchstens

 

18 oder 19 Jahre auf in zu und überbrachte ihm Grüße von Hermann Frieb. Frieb wollte in absehbarer Zeit nach München zurückkehren und für „ Neu Beginnen“, die illegale Arbeit organisieren. Faber rechnete damit, dass er die Steuerkanzlei seines sehr kranken Vaters übernehmen würde. Der junge Mann welcher in der nun verbotenen SAJ politisiert wurde berichtete Faber, von ihren illegalen Aktivitäten.

Er schimpfte auf die im Land verbliebenen alten SPD Politiker. „ Die treffen sich höchstens zu einer Schafkopfrunde dort werden zwischendurch ein paar kritische Bemerkungen über das Regime gemacht. Das ist ihr ganzer Widerstand. Wir hingegen machen viele Touren mit dem Rad aufs Land. Dort lesen wir im Haus der Friebs am Ammersee Lenin, versuchen an Waffen zu kommen und verteilen Material an Sympathisanten. Klebeaktionen oder massive Flugblattverteilungen lassen wir bleiben. Das ist im Moment zu gefährlich. Damit es noch besser klappt brauchen wir Hermann.“ Der junge Mann war Faber sehr sympathisch. Anschließend steckte er Faber einen Zettel mit einer Adresse in Freiburg zu. „ Hermann will sie dort am 30. Oktober treffen“. Am 29. Oktober reiste Faber vom Münchner Hauptbahnhof ab. Natürlich hatte er sein Parteiabzeichen am Jackett. Nach einigen Stunden kam Faber in Freiburg an. Vom Bahnhof aus war es nicht weit in das vom Faber gebuchte Park Hotel in der Freiburger

 

Innenstadt. Freundlich wurde der Rechtsanwalt Faber in sein luxuriös ausgestattetes Zimmer gebracht. Faber viel beim Rundgang durch das Hotel auf, dass der Konspirationskünstler Frieb das Hotel nicht zufällig ausgesucht hatte. Das Hotel hatte mehrere Eingänge. Nicht nur zentral sondern auch dezentral, von verschiedenen Seiten her. Morgen wollte ihn Frieb gegen 14 Uhr im Hotelzimmer aufsuchen. Gegen Abend unternahm Faber einen Spaziergang durch das schöne Freiburg. Poldi freute sich sichtlich nach der langen

 

Zugfahrt eine neue Gegend zu erschnuppern. Faber selbst dachte in der Altstadt sowie auf einem bekannten Berghügel in Freiburg, wie schön das Leben doch ohne Faschismus und Kapitalismus sein könnte. Am Abend schrieb Faber per Hand seine Einschätzung der Lage. Besonderen Wert legte Faber auf die absolute Notwendigkeit des Antisemitismus für die Stabilität des faschistischen Systems in Deutschland.

Faber schrieb: „ In Deutschland gibt es knapp 23 Millionen Kleinbürger vom Bauernstand, zum Handwerker, Händler Akademiker und Beamten. Der Antisemitismus mobilisierte besonders diese Schichten für das System. Ihre sozialen Nöte von der Inflation 1923 bis hin zur großen Krise ab 1929 wurde ihnen mit dem angeblich raffenden jüdischem Kapital erklärt. Gleichzeitig profitieren gierige

 

deutsche Kleinbürger von den antisemitischen Maßnahmen des Systems. In München sind fast 100% der Zahnärzte Mitglied der Nazipartei. Sie übernehmen die gut gehende Zahnarztpraxis von deutschen Juden zu lächerlichen Preisen. Ihre Sauferei in diversen Burschenschaften hatte demzufolge für sie keine nachhaltigen Folgen. Die nicht talentierten ehemalige Säufer und Schmiss-träger wurden Zahnklempner. Schon im Kaiserreich wurden die jüdischen Studenten vom antisemitischen Professorenpöbel benachteiligt und demzufolge mehr gefordert als der Student aus der Burschenschaft. Jetzt schanzt der Faschismus den -arischen Recken- die gut gehende jüdische Praxis zu. Das selbe passiert im Handel. Allerdings profitieren davon nicht die

Kleingewerbetreibenden sondern meist große deutsche Handelsketten. Der kleine deutsche Händler bekommt nur das kleine jüdische Geschäft um die Ecke. Der Antisemitismus ist populär und bindet die kleinbürgerlichen Massen an den Hitlerfaschismus. Die Arbeiterklasse hingegen hat mit dem Antisemitismus wenig am Hut. Sie ist eingeschüchtert, gespalten und deprimiert. Viele Schichten innerhalb unserer Klasse, arrangieren sich mit dem Regime, denn die Massenarbeitslosigkeit geht jetzt langsam zurück. Für viele ehemalige Langzeitarbeitslose ist das ein Grund sich anzupassen. Dies obwohl die Löhne stagnieren.“ Dann schrieb Faber noch über die

 

Widerstandsgruppen: „ Die KPD brachte bis dato die meisten Opfer. Ihre Vorbereitungen auf die Illegalität waren nur zum Teil effektiv. Zwar konnten

viele höheren Kader mit der Ausnahme von Ernst Thälmann und Jonny Scheer gesichert werden, aber der Mittelbau der Partei wurde schwer vom faschistischen Terror getroffen. Oft hingen die höheren illegalen Kader in der Luft. Gleichzeitig ist es der GESTAPO gelungen viele Spitzel anzuwerben und in die KPD einzuschleusen. Dennoch leistet die Masse der Mitglieder in unterschiedlicher Form Widerstand. Die Masse der KPD Mitglieder, blieben ihrer Überzeugung treu.“ Über die SPD schrieb Hans Faber:

„Der Exilvorstand in Prag ging scheinbar nach links. Viele Funktionäre im Land halten allerdings

die Klappe. Sie wurden passiv. Die Materialmengen aus der Emigration erreichen nur zum Teil die Empfänger. Vor allem ehemalige Reichsbanner Genossen und Mitglieder der einstigen sozialistischen Jugend, wollen mit der einstigen SPD nichts mehr zu tun haben. Sie bewegen sich in Richtung des revolutionären Sozialismus. In den Betrieben herrscht bei den ehemaligen Gewerkschaftsmitgliedern und besonders den alten Funktionären, Resignation und Angst vor. Leute um die fünfzig sind nicht mehr bereit etwas zu riskieren. Deshalb ist es nötig sich besonders auf Jugendliche zu stützen. Schulungsarbeit ist der

 

wesentliche Punkt.“ Über andere kleinere sozialistische Gruppen schrieb Faber: „ Die SAP nähert sich dem Trotzkismus an. Besonders Jakob

Walcher und Paul Fröhlich konferierten öfter mit Leo Trotzki und seinem Sohn Leo Sedow. Ob aus der Vereinigung mit den Trotzkisten etwas wird ist noch offen. Im Reich sind noch viele SAP Gruppen aktiv. Sie standen am Anfang der faschistischen Diktatur nicht im Fokus der Verfolgung. Ihre aktiven Mitglieder sind meist jung. Auch in München gibt es eine kleine illegale SAP Gruppe. – Neu Beginnen- muss vorsichtig aber zielstrebig den Kontakt mit diesen Gruppen suchen. Ihren ehemaligen Spitzenfunktionären gelang es meist in die Emigration zu entkommen. Ähnliches gilt für die KPO. Brandler und Thalheimer sind in Paris. In Deutschland verfügt die KPO noch über Wohn und Betriebsgruppen. Nur in Nürnberg gelang es den Nazis die KPO fast vollständig zu elemenieren. Karl Grönsfelder war den Nazis in Nürnberg bekannt. Auch die anderen Mitglieder aus Nürnberg wurden ziemlich früh in die Konzentrationslager verbracht. Über das Elsass in Frankreich in der die KPO starke Gruppen hatte und hat, wird illegale Literatur ins Reich geschafft.

Die Trotzkisten welche sich jetzt IKD nennen sind in kleinen Gruppen aktiv. Hauptsächlich in Berlin in Sachsen und im Ruhrgebiet. Viel illegale trotzkistische Literatur wird durch die sogenannten

 

-Roten Bergsteiger- vom Sudetenland aus nach Sachsen geschmuggelt. In Deutschland schätze ich die Zahl der aktiven IKD-ler auf 200. In Bayern hingegen ist keine einzige trotzkistische Gruppe

bekannt. Alte KPD Prominenz wie Ruth Fischer, sowie Artkadi Maslow, arbeiten in Paris eng mit den Trotzkisten zusammen. Dann gibt es noch andere kleinere Gruppen im Reich. In München sind die -Internationalen Sozialisten- noch zusammen. Auch hier empfehle ich eine Kontaktaufnahme.“ Gegen 21 Uhr war Faber mit dem Bericht fertig. Er ging noch in die Hotelbar. Ein Pianospieler bediente das Klavier ziemlich gekonnt. Faber trank milden roten Wein. Eine Dame um die 30 oder 40 lächelte ihn an. Er kam mit ihr ins Gespräch. Ziemlich schnell merkte Faber worauf die brünette Schönheit hinaus wollte. Faber entfernte sich jedoch schnell aus der Bar. Er durfte seinem Testosteron nicht nachgeben. Er dachte an Karlsbad, sowie an das Versprechen

welches er Lore gegeben hatte. Seit Karlsbad sah er in jeder willigen beziehungsweise geilen Dame in den Hotels, eine GESTAPO Agentin. Hans Faber schlief schlecht aber ausreichend.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, sowie einem längeren Spaziergang mit Poldi wartete Faber auf Hermann Frieb im Hotelzimmer. Pünktlich um 14 Uhr klopfte es sechsmal an der Zimmertür. „ Herein“ sagte Hans Faber. Der unauffällige Hermann Frieb trat ein. Wieder schoss es Faber durch den Kopf

 

wie geeignet der junge Mann für illegale Arbeit war. Eigentlich bemerkte man seine Anwesenheit gar nicht. Die angebotene Zigarette lehnte Frieb ab. Er

war Abstinenzler, welcher weder rauchte noch Alkohol trank. Die beiden Männer unterhielten sich intensiv über die Lage speziell in München und Südbayern. Frieb wollte nach München zurückkehren. Der Beruf als Steuerberater im Geschäft seines Vaters war eine perfekte bürgerliche Tarnung. Faber berichtete über die illegale KPD in Bayern. Die Verhaftungen in dieser Szene hörten fast ganz auf. Aber die Gestapo nahm immer wieder Kuriere, wichtige Kuriere aus der Emigration fest. Hans Faber äußerte auch gegenüber Frieb seinen bösen Verdacht. Faber bemerkte: „ Es ist durchaus möglich, dass die GESTAPO ihre Leute in in der bayrischen Leitung der KP hat. Leute von draußen werden regelmäßig verhaftet. Auch viele welche versuchen in die Emigration zu gelangen. Letztere werden in einem Radiogeschäft in der Nähe des -Deutschen Museums- mit Papieren ausgestattet. Das macht ein gewisser -Theo- oder der -kleine Willi-. Mir schwant böses. Vielleicht will die GESTAPO, die KPD an der langen Leine führen, um anschließend alles aufzurollen.“ Frieb machte sich Notizen. Er meinte „dies sei nicht gefährlich er könne Stenografie und sein Steno könne nur er selber lesen“. Faber lachte. Dann erläuterte Frieb seine Pläne. „ In München wird alles streng konspirativ

ablaufen. Schulungen aber auch die Pflege und Erweiterung der Waffenbestände wird ganz wichtig sein. Ich stütze mich vor allem auf ehemalige Arbeitersportler, Reichsbannerleute, aber

auch auf einzelne ältere Sozialdemokraten. Die Masse der alten Bonzen sind weder Willens noch bereit Widerstand zu leisten. Natürlich gibt es einige Ausnahmen. Alles wird auf der politischen Basis der – Revolutionären Sozialisten- ablaufen. Wir treffen uns wie üblich wenn ich wieder in München bin wieder einmal die Woche bei Baum 3.“ Faber wies daraufhin, dass er nur mit ihm kommunizieren werde. Alles andere sei zu gefährlich. Frieb nickte und sagte: „ Auch meiner teuren Mutter werd ich nichts mehr von dir erzählen.“ Dann schlich der tapfre junge Sozialist wieder aus dem Zimmer. Den Bericht von Faber werde er morgen auf sicherem Weg über die Schweiz zu Knoeringen in der Tschechoslowakei befördern lassen. Faber machte sich keine Sorgen.

Bildergebnis für hermann frieb

 

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Bild  des Autors – Max Brym- gemalt von Gazmend Freitag

 

 

 

Leseauszug aus „Verrat in München und Burghausen“ Erscheint im Oktober 2018 Autor Max Brym

 

Leseauszug aus „Verrat in München und Burghausen“ Erscheint im Oktober 2018 Autor Max Brym Leseauszug noch ohne Lektorat.-„Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Ab 1932 ist er zudem Mitglied der Gruppe „ Neu Beginnen“ bestehend aus KPD und SPD Mitgliedern. Er lebt vorwiegend in München. Am Wochenende zieht es ihn meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn, in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, sowie in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Intuitiv hat er ab 1934 einen besonderen Verdacht gegen den KPD Funktionär „Theo“ aus Giesing. Er kennt alle Nazigrößen persönlich. Sie widern ihn an. Hans Faber arbeitet er eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faber lebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen.

Auszug “ Am Abend schrieb Faber per Hand seine Einschätzung der Lage. Besonderen Wert legte Faber auf die absolute Notwendigkeit des Antisemitismus für die Stabilität des faschistischen Systems in Deutschland.
Faber schrieb: „ In Deutschland gibt es knapp 23 Millionen Kleinbürger vom Bauernstand, zum Handwerker, Händler Akademiker und Beamte. Der Antisemitismus mobilisierte besonders diese Schichten für das System. Ihre sozialen Nöte von der Inflation 1923 bis hin zur großen Krise ab 1929 wurde ihnen mit dem angeblich raffenden jüdischem Kapital erklärt. Gleichzeitig profitieren gierige

deutsche Kleinbürger von den antisemitischen Maßnahmen des Systems. In München sind fast 100% der Zahnärzte Mitglied der Nazipartei. Sie übernehmen die gut gehende Zahnarztpraxis von deutschen Juden zu lächerlichen Preisen. Ihre Sauferei in diversen Burschenschaften hatte demzufolge keine nachhaltigen Folgen. Schon im Kaiserreich wurden die jüdischen Studenten vom antisemitischen Professorenpöbel benachteiligt und demzufolge mehr gefordert als der Student aus der Burschenschaft. Jetzt schanzt der Faschismus ihnen die gut gehende Praxis zu. Das selbe passiert im Handel. Allerdings profitieren davon nicht die
Kleingewerbetreibenden sondern meist große deutsche Handelsketten. Der kleine deutsche Händler bekommt nur das kleine jüdische Geschäft um die Ecke. Der Antisemitismus ist populär und bindet die kleinbürgerlichen Massen an den Hitlerfaschismus. Die Arbeiterklasse hingegen hat mit dem Antisemitismus wenig am Hut. Sie ist eingeschüchtert, gespalten und deprimiert. Viele Schichten innerhalb unserer Klasse, arrangieren sich mit dem Regime, denn die Massenarbeitslosigkeit geht jetzt langsam zurück. Für viele ehemalige Langzeitarbeitslose ist das ein Grund sich anzupassen. Dies obwohl die Löhne stagnieren.“ Dann schrieb Faber noch über die Widerstandsgruppen: „ Die KPD brachte bis dato die meisten Opfer. Ihre Vorbereitungen auf die Illegalität waren nur zum Teil effektiv. Zwar konnten

viele höheren Kader mit der Ausnahme von Ernst Thälmann und Jonny Scheer gesichert werden, aber der Mittelbau der Partei wurde schwer vom faschistischen Terror getroffen. Oft hingen die höheren illegalen Kader in der Luft. Gleichzeitig ist es der GESTAPO gelungen viele Spitzel anzuwerben und in die KPD einzuschleusen. Dennoch leistet die Masse der Mitglieder in unterschiedlicher Form Widerstand. Die Masse der KPD Mitglieder, blieben ihrer Überzeugung treu.“ Über die SPD schrieb Hans Faber:
„Der Exilvorstand in Prag ging scheinbar nach links. Viele Funktionäre im Land halten allerdings
die Klappe. Sie wurden passiv. Die Materialmengen aus der Emigration erreichen nur zum Teil die Empfänger. Vor allem ehemalige Reichsbanner Genossen und Mitglieder der einstigen sozialistischen Jugend, wollen mit der einstigen SPD nichts mehr zu tun haben. Sie bewegen sich in Richtung des revolutionären Sozialismus. In den Betrieben herrscht bei den ehemaligen Gewerkschaftsmitgliedern und besonders den alten Funktionären, Resignation und Angst vor. Leute um die fünfzig sind nicht mehr bereit etwas zu riskieren. Deshalb ist es nötig sich besonders auf Jugendliche zu stützen. Schulungsarbeit ist der wesentliche Punkt.“ Über andere kleinere sozialistische Gruppen schrieb Faber: „ Die SAP nähert sich dem Trotzkismus an. Besonders Jakob

Walcher und Paul Fröhlich konferierten öfter mit Leo Trotzki und seinem Sohn Leo Sedow. Ob aus der Vereinigung mit den Trotzkisten etwas wird ist noch offen. Im Reich sind noch viele SAP Gruppen aktiv. Sie standen am Anfang der faschistischen Diktatur nicht im Fokus der Verfolgung. Ihre aktiven Mitglieder sind meist jung. Auch in München gibt es eine kleine illegale SAP Gruppe. – Neu Beginnen- muss vorsichtig aber zielstrebig den Kontakt mit diesen Gruppen suchen. Ihren ehemaligen Spitzenfunktionären gelang es meist in die Emigration zu entkommen. Ähnliches gilt für die KPO. Brandler und Thalheimer sind in Paris. In Deutschland verfügt die KPO noch über Wohn und Betriebsgruppen. Nur in Nürnberg gelang es den Nazis die KPO fast vollständig zu elemenieren. Karl Grönsfelder war den Nazis in Nürnberg bekannt. Auch die anderen Mitglieder aus Nürnberg wurden ziemlich früh in die Konzentrationslager verbracht. Über das Elsass in Frankreich in der die KPO starke Gruppen hatte und hat, wird illegale Literatur ins Reich geschafft.
Die Trotzkisten welche sich jetzt IKD nennen sind in kleinen Gruppen aktiv. Hauptsächlich in Berlin in Sachsen und im Ruhrgebiet. Viel illegale trotzkistische Literatur wird durch die sogenannten -Roten Bergsteiger- vom Sudetenland aus nach Sachsen geschmuggelt. In Deutschland schätze ich die Zahl der aktiven IKD-ler auf 200. In Bayern hingegen ist keine einzige trotzkistische Gruppe

bekannt. Alte KPD Prominenz wie Ruth Fischer, sowie Artkadi Maslow, arbeiten in Paris eng mit den Trotzkisten zusammen. Dann gibt es noch andere kleinere Gruppen im Reich. In München sind die -Internationalen Sozialisten- noch zusammen. Auch hier empfehle ich eine Kontaktaufnahme.“ Gegen 21 Uhr war Faber mit dem Bericht fertig. Er ging noch in die Hotelbar. Ein Pianospieler bediente das Klavier ziemlich gekonnt. Faber trank milden roten Wein. Eine Dame um die 30 oder 40 lächelte ihn an. Er kam mit ihr ins Gespräch. Ziemlich schnell merkte Faber worauf die brünette Schönheit hinaus wollte. Faber entfernte sich jedoch schnell aus der Bar. Er durfte seinem Testosteron nicht nachgeben. Er dachte an Karlsbad, sowie an das Versprechen
welches er Lore gegeben hatte. Seit Karlsbad sah er in jeder willigen beziehungsweise geilen Dame in den Hotels, eine GESTAPO Agentin. Hans Faber schlief schlecht aber ausreichend.

Nach einem ausgiebigen Frühstück sowie einem längeren Spaziergang mit Poldi wartete Faber auf Hermann Frieb im Hotelzimmer. Pünktlich um 14 Uhr klopfte es sechsmal an der Zimmertür. „ Herein“ sagte Hans Faber. Der unauffällige Hermann Frieb trat ein. Wieder schoss es Faber durch den Kopf wie geeignet der junge Mann für illegale Arbeit war. Eigentlich bemerkte man seine Anwesenheit gar nicht. Die angebotene Zigarette lehnte Frieb ab. Er

war Abstinenzler, welcher weder rauchte noch Alkohol trank. Die beiden Männer unterhielten sich intensiv über die Lage speziell in München und Südbayern. Frieb wollte nach München zurückkehren. Der Beruf als Steuerberater im Geschäft seines Vaters war eine perfekte bürgerliche Tarnung. Faber berichtete über die illegale KPD in Bayern. Die Verhaftungen in dieser Szene hörten fast ganz auf. Aber die Gestapo nahm immer wieder Kuriere, wichtige Kuriere aus der Emigration fest. Hans Faber äußerte gegenüber Frieb seinen bösen Verdacht. Faber bemerkte: „ Es ist durchaus möglich, dass die GESTAPO ihre Leute in in der bayrischen Leitung der KP hat. Leute von draußen werden regelmäßig verhaftet. Auch viele welche versuchen in die Emigration zu gelangen. Letztere werden in einem Radiogeschäft in der Nähe des -Deutschen Museums- mit Papieren ausgestattet. Das macht ein gewisser -Theo- oder der -kleine Willi-. Mir schwant böses. Vielleicht will die GESTAPO, die KPD an der langen Leine führen, um anschließend alles aufzurollen.“ Frieb machte sich Notizen. Er meinte „dies sei nicht gefährlich er könne Stenografie und sein Steno könne nur er selber lesen“. Faber lachte. Dann erläuterte Frieb seine Pläne. „ In München wird alles streng konspirativ ablaufen. Schulungen aber auch die Pflege und Erweiterung der Waffenbestände wird ganz wichtig sein. Ich stütze mich vor allem auf ehemalige Arbeitersportler, Reichsbannerleute, aber

auch auf einzelne ältere Sozialdemokraten. Die Masse der alten Bonzen sind weder Willens noch bereit Widerstand zu leisten. Natürlich gibt es einige Ausnahmen. Alles wird auf der politischen Basis der – Revolutionären Sozialisten- ablaufen. Wir treffen uns wie üblich wenn ich wieder in München bin wieder einmal die Woche bei Baum 3.“ Faber wies daraufhin, dass er nur mit ihm kommunizieren werde. Alles andere sei zu gefährlich. Frieb nickte und sagte: „ Auch meiner teuren Mutter werd ich nichts mehr von dir erzählen.“ Dann schlich der tapfre junge Sozialist wieder aus dem Zimmer. Den Bericht von Faber werde er morgen auf sicherem Weg über die Schweiz zu Knoeringen in der Tschechoslowakei befördern lassen. Faber machte sich keine Sorgen.

Mit Hans Beimler in Basel

Kurz vor 17 Uhr war Hans Faber am Bahnhof. Er musste in das nahe Basel, um sich dort mit Hans Beimler und Viktor zu treffen. Am Bahnhof sollte er am Bahnhofsgleis auf eine Frau mit einem auffälligen Roten Hut achten. Faber musste der Dame behilflich sein wenn ihr ein Koffer umkippte. Dabei wurde der Bericht Fabers an Beimler und Viktor übergeben. Das Ganze klappte ausgezeichnet. Faber spielte den Kavalier und übergab im hinunterbücken der hübschen Frau das Kuvert. „ Oh es gibt ja noch echte Kavaliere“ sagte die Frau laut und deutlich. Faber fuhr ohne belastendes Material, blank und sauber, über die nahe Grenze. Vom Bahnhof aus ging Faber in das Lokal „Walliser Kanne“ in der Altstadt Basels. Am Eingang wartete Antonia Stern, die Freundin von Beimler auf Faber. Sie schickte Faber in eine abgetrennte Ecke des Lokals zu Beimler und Victor. Antonia Stern verließ das Lokal. Beimler sah für seine Verhältnisse vornehm aus. Natürlich war auch Viktor gut gekleidet. Nach der freundlichen Begrüßung berichtete Faber fast das gleiche wie in seinem Bericht an -Neu Beginnen- nur der Fokus richtete sich auf die Lage der KPD in Bayern.
Neuerlich äußerte Faber seinen Verdacht gegen Theo und den kleinen Willi. Beimler reagierte wieder ablehnend. Für ihn war Theo ein ehrlicher Arbeiter aus Giesing. Gegenüber Viktor erklärte Faber: „ Es gibt faktisch keinen Abwehrapparat in Bayern mehr, um meinen Verdacht untersuchen zu lassen. Unsere Leute wurden schnell in die Parteiarbeit miteinbezogen und größtenteils verhaftet.“ Faber erinnerte an die Inhaftierung von Fritz Rottmeier. Viktor schrieb mit und deutete durch ein Kopfnicken an, dass er mit Faber einverstanden sei. In der Runde sprach keiner mehr vom „ revolutionärem Aufschwung“. Fabers Analyse über die Stabilität des Nazi Regimes wurde geteilt. Dann erfuhr Faber viel über die Atmosphäre in der Emigration.
Beimler war besonders wütend auf Ulbricht. „ Der will Parteichef werden mit dem alten Pieck als Aushängeschild. Man kann ja von Schubert und Schulte halten was man will, aber mit dem persönlichen Ehrgeiz von Ulbricht können sie nicht mithalten. Außerdem hat Ulbricht bessere Beziehungen nach Moskau. Zudem ist -Wullbricht- ein Arbeitstier der wahrscheinlich über jeden eine Akte hat.“ Viktor ergänzte: „ Dieser Sachse will auch Hans Kippenberger los werden. Er gibt ihm immer wieder die Schuld an der Verhaftung Thälmanns, obwohl er genau weis, dass Thälmann nicht in die für ihn vorbereiteten Quartiere ging. Der will einfach jeden talentierten Genossen, der sich ihm nicht bedingungslos unterwirft loswerden. In Moskau
greift er Fritz David an, der jeden Artikel für Pieck schreibt. Auch andere talentierten Schreiber wie Birkenhauer und Hirsch, will er aus ihren Funktionen entfernen.“ Faber war deprimiert und dachte an die inhaftierten Genossen in Deutschland wie Ernst Schneller, oder Theodor Neubauer. Plötzlich wechselte Beimler das Thema. Mit verschmitztem lächeln erklärte er: „Ich hab Lore als Mitarbeiterin für die Schweiz in Moskau angefordert. Deine etwas verwöhnte Freundin scheint im proletarischem Moskau nicht glücklich zu sein. Außerdem will sie ihren Freund gelegentlich sehen. Ich versteh das. Als Postillion D Amor soll ich dich

herzlich und liebevoll von ihr grüßen. Im Januar ist sie hier Genosse Faber. Ich bereite sogar konspirative Liebesnester für euch vor.“

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Bücherverbrennung, aber der Beimler ist weg

Leseprobe aus „Verrat in München und Burghausen“ noch ohne jegliches Lektorat.

Aus Hans und Lore verbrachten einige schöne Tage im Burghausen. Sie spazieren nicht nur die Burg entlang, die Hans Faber in und auswendig kannte. Hin und wieder hatte er die Neigung Lore etwas von Heinrich dem Löwen, sowie der Revolution im Burghausen von 1705 zu erzählen. Auch Napoleon Bonaparte weilte einen Tag in Burghausen. Den örtlichen Nazis gefiel die Erinnerungstafel für den großen Franzosen nicht. Dennoch beseitigte man sie nicht, denn Burghausen war eine sehr gefragte kleine Stadt für in und ausländische Touristen. Am 10. Mai fand in ganz Deutschland, so auch in München, die perfiden Bücherverbrennungen der Nazis statt. Hans Faber ersparte es sich, an diesem perversen Spektakel am Münchner Königsplatz teilzunehmen. Bei Fackelschein wurden Sprüche geklopft wie:“ Ich Übergebe den Flammen die Schriften von Karl Marx und Karl Kautsky.“Das Burghauser Naziblatt berichtete ausführlich über die Aktion. In München wurde bereits am 6. Mai eine Bücherverbrennung durchgeführt. Dies geschah auf Initiative der Hitlerjugend auf der, der Gebietsführer der Hitlerjugend zu den brennenden Bücherbergen eine flammende Rede hielt. Es sprach auch der Stadtschuldirektor von München Josef Bauer, über die Helden des Befreiungskampfes von 1813-1815. Am 10. Mai begann auf Initiative der NS Studentenschaft die Aktion zur Bücherverbrennung im Lichthof der Universität. Anschließend zogen die angehenden barbarischen Jungakademiker zum Königsplatz. Auf dem Königsplatz selbst wurden dann rund 70.000 Personen Zeugen der Bücherverbrennung. Eröffnet wurde das ganze mit dem Lied „ Burschen heraus“. Während der Verbrennung wurde das „Horst Wessel Lied“ gesungen. Es sprachen einzelne Studenten, am Ende der Studentenführer Karl Ellersiek. Vergeblich suchte Hans Faber den Namen von Gert Rühle, bis vor kurzem Reichsstudentenführer und Anwaltskollege, welcher am Ende der Nordendstraße wohnte. Eine andere Meldung elektrisierte jedoch Hans Faber. Es wurde bekannt gegeben, dass der Kommunistenführer Hans Beimler seit dem 9. Mai flüchtig ist. Es wurde eine Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt, er wurde wegen Mord gesucht. Freudig schlug sich Hans Faber, bei dieser Meldung auf die Schenkel. Offensichtlich hatte es sein Freund Hans Beimler ,es geschafft, aus dem Mörder Lager Dachau zu entkommen. Das war nach Meinung von uns Hans Faber, nur einem Hans Beimler zuzutrauen. Auch der Vater Georg Faber freute sich über diese Meldung. „ hoffentlich erwischen sie den Beimler nicht, das ist ein ganzer Kerl und so ein guter Redner, den wir auch einige Male im Burghausen hören durften.“ Die beiden Fabers waren in Freude vereint. Am nächsten Tag stand der obligatorische Besuch bei der Schwester Therese in Kraiburg an. Stürmisch umarmte Therese ihrem Bruder und freute sich auch Lore wieder zu sehen. Georg Schmidt war nicht im Haus so beschloss man nach Mühldorf in den Turmbräugarten zu fahren, um Speise und Trank zu sich zu nehmen. Das Essen im Mühldorfer Lokal war wie immer ausgezeichnet. Alle waren gut gelaunt, speziell wegen der gelungenen Flucht von Hans Beimler. Dann jedoch trat eine Person an den Tisch, welche die Stimmung merklich drückte. Es war Hans Gollwitzer seines Zeichens evangelischer Vikar, gleichzeitig Mitbegründer der Nazipartei in Mühldorf am Inn im Jahr 1929. Jetzt übte Gollwitzer, die Funktion des Leiters der „Deutschen Christen“ unter Reichsbischof Ludwig Müller für den Bezirk Alt Bayern aus. Er versuchte die evangelischen Kirche gründlich auf Nazilinie zu bringen. Gleichzeitig war er sozusagen der weltanschauliche Chefberater des NSDAP Kreisleiters Fritz Schwägerl, welcher geistig und ideologisch doch etwas beschränkt war. Ausführlich begründete Gollwitzer seinen heroischen Kampf, um das „Deutschtum“ in der evangelischen Kirche. Er scherte sich einen Dreck darum, dass Therese und Lore keinerlei Interesse an seinen Ausführungen hatten. Hans Faber hörte dennoch zu, denn dies war wichtig für den Abwehrapparate KPD. Gegen Abend wurde Therese nachhause gebracht man begrüße noch kurz ihren Gemahl, bevor sich Lore und Hans auf den Weg nach München machten. Hans Faber wollte unbedingt näheres zur Flucht von Hans Beimler erfahren.

Im Bratwurstglöckel

Einige Tage nach der Flucht von Hans Beimler, besuchte Hans Faber, das „Bratwurstglöckel in der Münchner Innenstadt. Am seit 1924 bestehenden Stammtisch der SA, saß Ernst Röhm mit einem jungen hübschen Kerl, dazu ein finster brutal dreinschauender Typ in SS Uniform. Der Gastwirt Karl Zehnter, begrüßte Faber sehr herzlich. Nachdem sich Faber setzte, stellte sich die Gestalt in SS Uniform vor. Er hieß Hilmar Wäckerle, er war der berüchtigte Kommandant des Konzentrationslagers Dachau. Faber wußte, dass Wäckerle stets mit Schäferhund und Ochsenziemer im KZ unterwegs war. Im Vergleich zu ihm war Röhm mit seinen Reitkünsten, seinen musikalischen Kenntnissen und der sogenannten „ Soldatenethik“ ziemlich kultiviert. Wäckerle prügelte und tötete nach Gusto im KZ. Der Sadismus war Wäckerle ins Gesicht geschrieben. Aber Faber war ja nicht im Lokal um Gesichter zu studieren sondern er wollte Details zur Flucht von Beimler, direkt von dem Chefpeiniger erfahren. Ohne Umschweife fragte er Wäckerle , wie ihnen der Beimler entwischen konnte. Diese Frage gefiel Ernst Röhm, er forderte Wäckerle auf zu erzählen. Der blass gewordene Lagerkommandant stotterte los. „ Drei Leute von mir schlugen den Beimler mit einem Ochsenziemer scheinbar windelweich. Auf Befehl von mir wurde der Bolschewistensau ein Strick in die Zelle gehängt. Dem Beimler wurde geraten das Angesicht der Erde nicht länger mit seiner Anwesenheit zu beschmutzen. Es wurde ihm eine Frist von zwei Stunden gegeben. Aber der Kerl hängte sich nicht auf, sondern er erdrosselte nach zwei Stunden einen meiner Männer, zog sich dessen Uniform an und marschierte aus dem Lager grüßend hinaus.“ Röhm grinste auf Kosten von Wäckerle und meinte: „ Meinen SA Leuten wäre das nicht passiert“. Da war sie wieder zu spüren, die bestehende Rivalität zwischen dem SA Stabschefs Röhm und Heinrich Himmler. Dann setzte sich noch eine Gruppe weiterer Personen an den Tisch. Es kam die engste Umgebung von Ernst Röhm. Es waren die Herren Karl Leon Du Moulin-Eckart, der Chef der SA Stabswache Julius Uhl, der neue Polizeikommandant von München August Schneidhuber, sowie Graf Spreti-Weilbach, welcher wohl derzeit in München war. Die Banditengruppe von Röhm amüsierte sich ebenfalls über die Flucht von Beimler. Der speziell für Röhm mordende Julius Uhl, nannte Beimler „ einen ganzen Mann im Gegensatz zur blöden SS“. Alle lachten, nur Wäckerle nicht. Dann versuchte Wäckerle aufzutrumpfen: „ Als Racheexempel ließ ich sofort den Ex KPD Orgchef Sepp Götz im Arrestlokal der SS am 9. Mai erschießen. Auch der ehemalige KP Landgasabgeordnete Fritz Dressel wurde liquidiert.“ Dazu meinte Schneidhuber: „ Ja ja aber der Beimler ist trotzdem weg.“ Röhm empfahl Schneidhuber, der jetzt formal über Heinrich Himmler stand, den „ Heini mit seiner unfähigen Truppe schärfer an die Kandare zu nehmen.“ Alle lachten zustimmend. Faber wußte nun ziemlich viel über die Flucht von Hans Beimler, ohne Leute vom Abwehrapparat der KPD zu treffen. Unter einem Vorwand verabschiedete er sich, denn er hatte keine Lust auf längeren Bierdunst, sowie den dazugehörenden schwülstige Reden. Röhm meinte noch zu Faber beim Abschied: „ Mit deiner Lore bin ich sehr zufrieden. Pass nur auf, dass sie nicht auf einen auf Frauen stehenden Kerl aus meiner Umgebung hereinfällt“. Wieder lachten alle, diesmal über die offen zugegebene Homosexualität ihres Chefs. „ Mache ich, mache ich“ sagte Faber und verschwand.

Cliquenkämpfe

Lore hatte am Abend noch einige Neuigkeiten für Hans Faber. Der ehemalige Chef des SA Nachrichtendienstes Georg Bell, wurde bereits am 3. April im Gasthof Blattlwirt bei Kufstein ermordet. Der Mord wurde in der österreichischen Presse weitgehend verschwiegen. Der Fahrer von Edmond Heines erzählte die Geschichte Lore beim Mittagessen. Er tat dies deshalb um Lore zur absoluten Verschwiegenheit zu verpflichten. Er führte gegenüber Lore aus: „ Das Beispiel zeigt wie wir mit Abweichlern umgehen, erzähl aber nichts davon dem Moralapostel Buch ( Leiter des Parteigerichtes), sowie dem Schwein Martin Bormann aus der Parteileitung. Wenn du etwas erfährst bleibt das absolut Geheim, sonst geht es dir wie Bell.“ Faber war völlig klar, dass die SA nach wie vor ihr eigenes Spiel trieb, unter Umständen sogar gegen Hitler. Nach dem Bericht Lores fertigte Faber eine Niederschrift für den Abwehrapparat der KPD an. Darin warnte er vor Illusionen über besondere „ revolutionäre Möglichkeiten“ wenn es zum Bruch zwischen der Parteileitung und der SA Führung kam. Er kannte Röhm und wußte wie jener die Politiker verachtete und in Hitler immer noch seinen Zögling aus der Reichswehr sah.

Es handelte sich um keinen Klassenkonflikt sondern, die kleinbürgerliche SA Bande wollte nur mehr Macht. Beseitigt wurden dabei alle welche gefährlich werden konnten. Bell spielte dem katholischen Verleger Gerlach bereits im letzten Jahr einige Infos über die weitverbreitete Homosexualität in der SA Führung zu. Im März flüchtete Bell auf abenteuerliche Weise nach Österreich. An der Grenze zur Schweiz traf er sich mit dem begnadeten KPD Publizisten Willi Münzenberg und steckte ihm so einiges über den Reichstagsbrand. Münzenberg arbeitete an einem Braunbuch zum Reichstagsbrand. Nach Bell wurde van der Lubbe benutzt. Den Reichstag zündeten die Nazis selbst an. Ein SA Trupp unter Leitung von Karl Ernst drang in den Reichstag durch den unterirdischen Gang vom Reichstagspräsidentpalais Görings in den Reichstag ein und verschwand durch diesen wieder. Diese Aktion und das Wissen der SA Leitung gefährdete auch diese Leute. Göring liebte keine Zeugen. In dem Bericht von Faber für Viktor stand: „ Am 3. April 1933 wurde Bell im Gasthof Blattlwirt in dem Nest bei Kufstein von einem Einsatzkommando aus Angehörigen der Bayerischen Politischen Polizei, der SA und der SS aufgesucht. In Gesprächen mit zwei Angehörigen des Einsatzkommandos in seinem Zimmer erklärte er sich schließlich bereit, dieses zurück nach Deutschland zu begleiten. Noch während er sich reisefertig machte , wurde er von einem weiteren Angehörigen des Kommandos – der überraschend in sein Zimmer eintrat und ihn niederschoss – getötet. Laut dem Bericht des untersuchenden Gerichtsmediziners zufolge erlitt er fünf Schussverletzungen im Rücken (vier Steckschüsse und einen Durchschuss), ein Schuss war sofort, tödlich Die tödlichen Schüsse auf Bell wurden wahrscheinlich von Julius Uhl abgegeben. Uhl hatte sich, als er von der beabsichtigten Rückführung Bells nach Deutschland erfahren habe, dem Verhaftungskommando unauffällig und scheinbar ohne irgendwelche Hintergedanken angeschlossen.

In Wahrheit wollte Uhl unbedingt, die Rückführung Bells nach Deutschland verhindern. Er befürchtete, dass Bell in München gegenüber der politischen Polizei auspacken könnte.“ Nach einer Gesprächsnotiz welche Lore in die Finger geriet plante der Geheimdienst der SA, im Jahr 1932 die Ermordung Hitlers, wegen dessen Legalitätskurs. Gleichzeitig versuchten im letzten Jahr Buch und Bormann, ein Mordkommando zusammenzustellen welches die „ homosexuelle Bande um Röhm erschoss“. Beide Pläne zerschlugen sich, denn Hitler wurde legal Kanzler und deckte vorläufig noch Röhm. Nach dem Ende des Berichtes kam sich Faber vor wie ein „ schlechter Krimiautor“. Dennoch waren diese Mordgesellen, diese Banditen bei aller Rivalität an der Macht. Sie verrichteten mit ihrem Terror gegen die Arbeiterklasse, wertvolle Dienste zugunsten der Bourgeoisie. Streiks waren illegal, die Löhne eingefroren, die Kapitalverwertungsbedingungen begannen sich nachhaltig zu verbessern. Genau aus diesen Gründen nahm die Bourgeoisie, die ihnen unsympathischen wildgewordenen Kleinbürger in Staatsfunktionen hin. Wegen dem Maximalprofit verzichteten die Bosse auf die direkte politische Machtausübung im Staat. Ein Postkartenmaler war Führer, ein fett gewordener Göring nach dem Ex Straßenkartenmaler zweiter Mann im Staat, mit dem direktesten Draht zu den Industriellen. Röhm verrichtete brutale Drecksarbeit und bemühte sich besonders, die modernen Teile der Industrie, sprich Chemie und Elektrokapital auf seine Seite zu ziehen. Die SS wiederum machte sich nachhaltig mit Junkern und Adeligen gemein. Das belegte auch die hohe Zahl von Adeligen, welche sich um Heinrich Himmler versammelten. Hitler gab den Führer, ließ die Bonzen rivalisieren und beanspruchte immer das letzte Wort in der Entscheidungsfindung. Aber bei Röhm konnte Hitler nach der Meinung von Faber an seine Grenzen stoßen. Wenn Hitler schrie, schrie Röhm auch. Besonders die Rivalität zwischen Göring und Röhm war nach allen Infos die Lore brachte, kaum mehr zu kitten.

Im September in Leipzig

In München war seit Anfang Juni Adolf Maislinger der Leiter der illegalen Parteiorganisation der KPD. Dies wurde ausdrücklich gegen die Empfehlung von Hans Faber beschlossen. Am 30. Mai wurde Franz Stenzer in seinem illegalen Quartier in München aufgespürt und damit der Kopf der illegalen KPD erwischt. Faber war gegen die Einsetzung von Maislinger als Leiter der illegalen KP Arbeit, denn dadurch wieder wurde wieder einmal der Abwehrapparat der KPD in die direkte Parteiarbeit mit einbezogen. Immer wieder kam es in München zwischen Mai und August zur neuen Verhaftungen und auch die Druckstelle der illegalen KP Zeitung „ Neue Zeitung“ wurde ausgehoben. Lore berichtete welche Verwunderung bezüglich des Herstellungsortes der illegalen Zeitung in der SA Führung gab. Die „Neue Zeitung“ wurde im wesentlichen von Walter Häbich und dem langjährigen Redakteur Willi Grimm geschrieben. Den Druck der illegalen Zeitung organisierten Franz Xaver Schwarzmüller und Georg Frühschütz. Den Druck bewerkstelligten Franz Xaver Schwarzmüller und Georg Frühschütz. Was die SA und besonders Polizeipräsident August Schneidhuber, nach Lore, besonders erregte war, dass die Zeitung ab Mai in höherer Auflage im Bibliothekszimmer über Druckmatrizen, im katholischen Asamhaus in der Sendlinger Strasse hergestellt wurde. Ein katholischer Freund von Frühschütz, Hugo Scheurer, machte dies möglich. Ausgabe 6 der Zeitung hatte eine Auflage von 1850 Stück. Der Druck selbst erfolgte in einer Spenglerwerkstatt in Obersendling. Die Druckstelle wurde im August ausgehoben. Das „katholische Bibliothekszimmer“ als faktisches Büro Mitte September. Kurz danach wurde Walter Häbich verhaftet. Für Faber war klar, dass es nur über Spitzel der GESTAPO gelungen sein konnte, die beiden Arbeitsräume auszuheben. Auch aus diesem Grund bestand Faber darauf, ab jetzt nur noch mit auswärtigen von Viktor persönlich geschickten Genossen aus dem Reich, sich jeden Mittwoch ab 16 Uhr 30 bei Baum 3 im „Englischen Garten“ zu treffen.

Die Verhaftung des Leiters der KPD Südbayern Franz Stenzer war nach Faber auch nicht möglich ohne massive Spitzeltätigkeit innerhalb der KPD. Ein weiterer Grund für Faber den heroischen aber von Spitzeln durchsetzten KP Untergrund in München zu meiden. Monatelang wurde Stenzer in Dachau gefoltert und misshandelt. Nachdem aus Stenzer nichts herauszubringen war, erschoss ihn die SS am 22. August. Röhm sagte dazu zu Lore: „ Die SS versteht nicht mit richtigen Kerlen umzugehen. Am Ende wird einfach umgelegt, ohne etwas zu erfahren“. Der anwesende SA Mörder Uhl stimmte seinem Chef zu. In den Monaten Mai Juni Juli und August schlief Hans Faber meist sehr schlecht. Oft musste ihn Lore massieren oder ihn mit ihren Liebeskünsten zumindest kurzfristig auf andere Gedanken bringen. Aber auch Lore setzte ihre Arbeit bei Ernst Röhm sichtlich zu. Immer öfter nahm Faber im Gesicht von Lore Traurigkeit und nervliche Anspannung wahr. Hans Faber tat seine Geliebte leid. Aus dem lebenshungrigen Geschöpf wurde für Insider erkennbar etwas anderes. Dennoch achteten Lore weiterhin auf ihr Äußeres, ihr Kleiderschrank konnte sich nach wie vor sehen lassen. Ende September erhielt Faber , die Nachricht sich nach Leipzig zu begeben und Viktor dabei behilflich zu sein den Reichstagsbrandprozess gegen die Dimitroff und Genossen zu entlarven. Am 24. September zwei Tage nach Beginn des Prozesses reise Faber angeblich aus juristisch geschäftlichen Gründen nach Leipzig ab.

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Textauszug 3 „Verrat in München und Burghausen“

Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Ab 1932 ist er zudem Mitglied der Gruppe „ Neu Beginnen“ bestehend aus KPD und SPD Mitgliedern. Er lebt vorwiegend in München. Am Wochenende zieht es in meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn im in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, sowie in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Intuitiv hat er ab 1934 einen besonderen Verdacht gegen den KPD Funktionär „Theo“ aus Giesing. Er kennt alle Nazigrößen persönlich. Sie widern ihn an. Ab 1935 arbeitet er eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faber lebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen.

 

Schnell in den Landkreis Altötting

Letzter Leseauszug aus meinem im Frühjahr 2018 erscheinendem neuen Buch. „Verrat in München und Burghausen „ Diesmal ein Kapitel über Widerstand und Verrat in Südostoberbayern, genauer in Burghausen, Altötting und Kraiburg am Inn. Der Textauszug ist noch ohne jegliches Lektorat. Die Personen haben bis auf den Romanhelden und zwei drei weitere Personen alle real existiert. Wer nicht auf den fast 400 Seiten starken Roman im Frühling 2018 warten will kann noch mein letztes Buch aus dem Jahr 2017 bestellen. „Oskar Quengels Auftrag –
Für Kippenberger bei General von Schleicher“
Sorry für die Eigenwerbung aber Autoren müssen auch leben. Bestellungen unter http://www.bookra-verlag.de/b16.html Viele Grüße Max Brym

 

Schnell in den Landkreis Altötting

 

Als Faber in sein Büro in der Barerstrasse zurückkehrte machte ihn seine Sekretärin Berta auf ein dringendes Telegramm aus Burghausen aufmerksam. Es war ein Telegramm von seiner Mutter Lotte. In dem Telegramm stand: „ Bitte komm sofort, dein Vater braucht dich“. Schlagartig war Faber klar was passiert sein musste. Offensichtlich war auch sein Vater verhaftet worden. Umgehend telefonierte er mit der Polizeidienststelle Burghausen. Dort wurde dem RA. und Parteigenossen Faber bestätigt, dass sein Vater vorgestern festgenommen wurde. Nach Auskunft des Wachhabenden wurde er mit Breu und Genossen in das Amtsgerichtsgefängnis Altötting verbracht. Die Verhaftung erfolgte am 10. März. Faber sprach auch mit dem Gefängnisleiter in Altötting. Dieser meinte, „ da ist vorläufig nichts zu machen, die Leute werden bald verschubt“. Dann probierte Faber mit der NSDAP Kreisleitung in Mühldorf zu sprechen. Eine Sekretärin unterrichtete Faber davon, dass „ Kreisleiter Schwägerl nicht im Haus sei“. Immerhin erfuhr er wo Schwägerl war. Die Nazis vor Ort tagten in Permanenz bis spät Nachts in Neuötting im Wirtshaus „Münchner Hof“, des Limonadenherstellers und Nazis Zierhut. Das Lokal war Faber als Keimzelle der NS Bewegung im Landkreis Altötting bekannt. Faber holte seinen PKW „Adler Standard 8“ und machte sich umgehend auf den Weg. Die Sekretärin Berta schickte der Mutter ein Telegramm. Darin wurde Mutter Lotte unterrichtet, dass Hans unterwegs ist. Die Fahrt nach Neuötting dauerte knapp 4 Stunden. Hans Faber hoffte Schwägerl oder andere Funktionsträger in Neuötting in dem berüchtigten Lokal in der dortigen Ludwigstraße. 76 anzutreffen. Tatsächlich als Faber im Lokal auftauchte erkannte er sofort Schwägerl, den SS Mann Zierhut, den NSDAP Chef von Altötting Stubenhofer, den „Alten Kämpfer“ aus Neuötting Heinrich Hilleprandt, sowie den Teilnehmer am dilettantischen Hitlerputsch Franz Obermaier aus Altötting. Den offiziellen Kreisleiter von Altötting Ludwig Malcomess, welcher aber in Wahrheit Fritz Schwägerl aus Mühldorf unterstellt war. Der 1909 geborne Schwägerl galt als brutaler und durchsetzungsfähiger als Malcomess. Dann erkannte Faber noch den Nazi Max Kammerer, sowie der Kriegskamerad Hitlers Josef Schmidt, aus Garching an der Alz.Dazu ihm unbekannte Polizisten und den kleinen Nazifunktionär Lex aus Altötting. Das Lokal war offensichtlich das NS Hauptquertier zwecks Koordinierung der Verhaftungen. Grinsend kam Schwägerl auf Faber zu. „ Na will uns ein Parteigenosse vom NS Juristenbund beistehen“ meinte der sich wie immer lässig gebende Kreisleiter. Faber schüttelte Schwägerl die Hand und schlug vor in einer Ecke des Lokals weiterzureden. Freundlich aber bestimmt wies ihn Faber auf die Verhaftung seines Vaters hin. Schwägerl meinte zuerst, da „nichts machen zu können“. Natürlich hatte die „Bayerische Politische Polizei“ und willige Staatsanwälte, die Verhaftungen angeordnet. Aber die Details über die zu verhafteten Personen kamen von der NS Kreisleitung. Auch führte oftmals die örtliche SA, die Festnahmen durch. Die Ansammlung im „Münchner Hof“ hatte exekutive Vollmachten. Auf den Tischen waren Namenslisten ausgelegt. Die einzelnen Orte waren markiert. Die Wahlergebnisse der letzten Reichstagswahl am 5. März in den einzelnen Orten lagen aus. Faber meinte zu Schwägerl: „ Mein Vater ist krank und Frührentner, seinen marxistischen Unsinn wird er bleiben lassen Parteigenosse Schwägerl. Dafür verbürge ich mich“. Immer noch zögerte der Kreisleiter. Gegen Ende des Gesprächs versicherte Faber, sich bei Gauleiter Wagner positiv für ihn zu verwenden. „ Ihre Härte gegen den Marxismus wird gewürdigt werden Parteigenosse Schwägerl“. Schwägerl schwankte aber dann gab er nach. Faber wusste, dass Schwägerl oft auf Konferenzen der Partei ironisch als „ Maria hilf-“ Kreisleiter“ verspottet wurde. Fritz Schwägerl telefonierte mit verschiedenen Leuten im Nebenraum. Dann kam er zurück und sagte: „Parteigenosse Faber du kannst deinen alten Herrn noch heute Abend aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Altötting abholen, aber nicht gleich, es wird ihn noch ein Arzt besuchen außerdem kannst du uns noch ein paar Tipps geben wie es weitergeht, besonders im schwarzen Altötting, sowie im rot verseuchten Burghausen.“ Faber willigte ein, obwohl er am liebsten seinen Vater gleich abgeholt hätte. Ihm war klar, dass sein Vater bei und nach der Verhaftung misshandelt wurde. Die Nazibande war in ihrem Eifer kaum zu bremsen. Laufend trafen Kuriere ein und informierten Schwägerl wer schon oder noch nicht gefasst wurde. Faber fragte als alter „ Burghauser“ ,wie viel von der Kommune schon dingfest gemacht wurden. Der SS Typ Zierhut reichte ihm eine Namensliste. Darauf standen die Namen von mehreren Kommunisten aus Burghausen. Faber las über die Festnahme von Haxpointner Alois, Schlosser- Scheibeck Stefan, Hilfsarbeiter Ober Hans, Schreiner Buchfellner Hans, Schreiner Klaus Alois, Fabrikarbeiter Huber Georg, Fabrikarbeiter Weinzierl Josef, Fabrikarbeiter Gaßner Andreas, Fabrikarbeiter Riesinger Michael, Eisenbahner Fürhaupter Josef, Hilfsarbeiter. Heinrich Breu, sowie den Kassierer und Org. Chef der Burghauser KPD Josef Burghart. Fast alle waren Faber zumindest vom Namen her bekannt. Einige fehlten noch auf der Liste. Der Vertrauensmann von Faber vom Abwehrapparat aus Burghausen war den Nazis noch nicht ins Netz gegangen. Aber mit den Verhaftungen war die Partei faktisch zerschlagen. Der Neuöttinger Nazi Heinrich Hilleprandt wollte ebenfalls mit seinen Erfolgen nicht hinten anstehen. Freudig berichtete er von der Verhaftung des Altkommunisten Anton Griebl, sowie der Verhaftung des Jungkommunisten Fritz Wimschneider aus Neuötting. Faber fragte Hilleprandt ob er persönlich in die Verhaftung miteinbezogen gewesen sei. Heinrich Hilleprandt verneinte. „ Ich hab nur die Aufgabe Mütter und Geschwister abzuwimmeln. Die Polizei verhaftet selbständig und ich muss beispielsweise der Pflegemutter dieses Wimschneiders, einer Frau Maria Harlander auch noch den Sachverhalt erklären“ flüsterte Hilleprandt schon fast bemitleidenswert. Dann mischte sich wieder Fritz Schwägerl ein: „ Ja ja diese Harlander mir wurde auch berichtet, dass sie regelmäßig beim Juden, dem Textilhändler Weiner hier einkauft. Wir haben noch viel Arbeit.“ Faber nickte und deutete an, dass bald eine Aktion im Reich gegen die Juden laufen wird. Die örtlichen Nazis horchten erfreut auf. Dann zog Schwägerl Faber wieder in eine Ecke des Lokals. Er beklagte sich bei Faber besonders über die schwarze Brut im Landkreis Altötting. Dabei fielen die Namen Wehnert, Bruckmayer und Seidel. Gabriel Mayer Altötting, sowie der Name des jungen RA Gmach aus Neuötting. Faber beruhigte Schwägerl und meinte, „ die Schwarzen werden bald endgültig abtreten, der Herr Ministerpräsident Held wird verschwinden. Machen Sie doch den Herrn Lex zum Bürgermeister von Altötting Parteigenosse Schwägerl.“ Schwägerl nickte und bedeutete kurz vor Mitternacht, dass Faber seinen Vater aus dem Gefängnis abholen könne. Schwägerl vergas nicht darauf hin zu weisen, ihn bei Gauleiter Wagner zu empfehlen. „ Mach ich du Verbrecher“ dachte Faber und brauste von Neuötting nach Altötting. Gegen 12 Uhr Mitternacht wurde Faber in das Amtsgerichtsgefängnis geleitet. Der diensthabende Beamte wusste Bescheid. Georg Faber saß nicht in der Zelle sondern in einer Art Vernehmungszimmer. Er trug einen Verband, um den Kopf und rauchte. „ Ha der Herr Sohn, hab ich jetzt einen Rechtsanwalt“ rief Georg Faber. „ Sei still Vater und komm mit. Ich bring dich nach Hause.“ Georg Faber stand auf und folgte seinem Sohn. Hans Faber blickten einige verwirrte SA Leute hinterher, welche sich im Gefängnis aufhielten, als er mit dem Delinquenten davon schritt.

 

Bei der Mutter in Burghausen
Mühsam kletterte Georg Faber in den Wagen und ließ sich schwer fallen. Der Vater war ganz offensichtlich geschlagen und misshandelt worden. Unvermittelt sagte er zu seinem Sohn: „Glaub ja nicht, dass mich diese Halunken klein gekriegt haben, auch wenn der Sohn, der Nazi mich heraus haute“. So kannte Hans Faber seinen Vater. Während der Fahrt nach Burghausen erzählte Georg Faber wie es ihm ergangen ist. Am 10. März erschiene gegen mittags zwei Polizisten und mehrere junge ihm unbekannte SA Typen. Georg Faber wurde ohne große Umstände gepackt und mitgenommen. Die noch nicht zwanzigjährigen SA Schläger schubsen ihn schon auf der Straße er bekam mehrere Ohrfeigen, was einige Burghauser Bürger erschreckte. Dann landete er in der Burghauser Polizeistation, dort misshandelten ihn mehrere sehr junge fanatisierte SA Leute. Er wurde wüst beschimpft mit Fäusten traktiert am Boden liegend „marxistische Schwein“ genannt angespuckt, etwas später trat ein jugendlicher Verbrecher zweimal mit dem Fuß gegen seinen Kopf. Erst dann Schritt ein älterer örtlicher Polizeibeamter ein und machte sich etwas für Georg Faber stark. Der Kopfverband belegte die Verletzungen welche Georg Faber durch Schläge auf den Kopf erhielt. Der Arzt welcher im Amtsgerichtsgefängnis Altötting erschien diagnostiziert eine mittelschwere Gehirnerschütterung. Auch am Körper des Vaters hatte die SA ihre Spuren hinterlassen. Hans Faber sprach während der Fahrt nicht viel, er hörte seinem alten Herrn zu. Endlich gegen halb 2:00 Uhr morgens wurde die Wohnung der Mutter erreicht. Hans Faber half seinem Vater die Treppen hinauf. Mutter Lotte stieß einem Freudenschrei aus. Immer wieder sagte sie“ danke danke Hans, ich wusste das du deinen alten Vater nicht im Stich lässt“. Trotzdem erklärte Georg Faber, „mein Sohn ist ein Nazi obwohl er sich scheinbar eine menschliche Ader gegenüber seinem Erzeuger bewahrt hat“. Die Mutter versuchte den mittlerweile doch sehr müde gewordenen Vater zu beruhigen und Hans sagte kurz bevor sein Vater einschlief:“ Vater ich werde dir morgen einige Dinge erzählen aber nur wenn du mir versprichst es nicht einmal der Mutter zu erzählen. Ich bin alles andere als ein Nazi gute Nacht.“ Georg Faber war die Verwunderung deutlich anzumerken, bevor er endgültig einschlief, um sich von den Tagen des Schreckens zu erholen. Auch Hans ging zu Bett, er trank noch einen Tee, die Mutter streichelte ihm wie früher als Kind, liebevoll durchs Haar.

 

Aussprache mit dem Vater

Erst gegen Nachmittag des nächsten Tages und nachdem Hans Faber mit Lore in München telefonierte kam der Vater zu sich, er saß angestrengt aber schon etwas erholt in seinem Wohnzimmersessel. Hans Faber wollte mit seinem Vater in eine nahe gelegene Gaststätte gehen. Der Vater sagte zu, mit der Bemerkung,“ das schaffe ich schon“. Mutter Lotte witterte Geheimnisse, sie wollte verhindern dass der Vater das Haus verließ. Aber Georg Faber kapiert in etwa worum es ging und beruhigte seine Frau. Leichthin hinkend folgte Georg Faber seinem Sohn in das nahe gelegene Café Bichl in den Grüben. Auf dem Weg dorthin grüßte und fragte der Redakteur Josef Stahlhofer Georg Faber „ wie es ihm den ginge“. Stahlhofer war bis vor kurzem Redakteur in der „Altbayerischen Verlagsanstalt“ am Stadtplatz 47. Dort wurde die örtliche Heimatzeitung produziert. „ Ich habe es mit Hilfe meines Sohnes überstanden“ antwortete Georg Faber. Dann ging Stahlhofer weiter. Verdutzt fragte Hans Faber nach Stahlhofer, den er als katholischen, bayerischen Nationalisten im Gedächtnis hatte. Georg Faber informierte seinen Sohn, dass dieser Stahlhofer zu katholisch für die Nazis sei. Stahlhofer hatte einen besonderen Konflikt mit dem lokalen SS Mann Dr. Georg Basel. Im Café Bichl bestellte Hans Faber zwei starke Kaffes für sich und

den Papa. Es wurde darauf geachtet keine Zuhörer zu haben. „ Hör mal zu Papa was ich dir jetzt sage muss unter uns bleiben, du darfst es so auch nicht der Mama erzählen“ sagte Hans Faber. „ Ich bin ganz Ohr“ erklärte Vater Georg. Dann berichtete Hans offen und ehrlich über seine Tätigkeit zu Gunsten des KPD- Abwehrapparates. Erstaunen aber auch Zustimmung war im Gesicht von Georg Faber zu lesen. Hans berichtete über sein Studium in Frankfurt und Hamburg. Dort ist er schon 1920 Mitglied der KPD geworden. Hans wurde als alter Frontkämpfer in den Hamburger Aufstand 1923 geschickt. Seit dieser Zeit entwickelte sich seine Freundschaft mit den KPD Spitzenfunktionären Hans Kippenberger und Ernst Schneller. Er berichtete wie er 1924 zum Schein Mitglied völkische Organisationen wurde,denn dem alten Frontkämpfer wurde getraut. Seit 1925 führte Hans Faber ein Doppelleben. Schon im Februar 1925 trat er in München in die NSDAP ein und war mit allen wichtigen Naziführern bekannt. Sein juristischer Rat war besonders gefragt bei Leuten aus der Naziführung, welche immer wieder Schwierigkeiten in der Weimarer Zeit mit dem Finanzamt hatten. Hans Faber war froh endlich mit dem Vater, wie mit einem Genossen reden zu können. Er betrachtete den 30. Januar 1933 als historische Niederlage für die Arbeiterbewegung, er erläuterte dem Vater, die Dimension diese Niederlage und machte klar, dass nur enge und professionelle konspirative Arbeit, die Kader der Arbeiterbewegung zumindest erhalten könnte. Ziemlich deutlich kritisierte er auch die KPD Führung welche immer noch“ vom revolutionären Aufschwung“ sprach. Nachdem Hans geendet hatte,sprach der Vater . Georg Faber war mit seinem Sohn mehr als zufrieden. Sie sprachen noch eine Weile über die Fortsetzung der illegalen Arbeit, speziell in den ländlichen Regionen, konkret über Burghausen. Hans Faber meinte, „in absehbarer Zeit wird es keine Möglichkeit geben besonders in kleinen Städten offen aufzutreten“. Aus vollem Herzen stimmte Georg Faber seinem Sohn zu. Georg Faber war immer noch Mitglied der SPD, obwohl er ursprünglich 1920 zu den Mitbegründern der KPD, welche aus USPD in Burghausen hervorging gehörte. Dann machte Hans Faber seinem Vater deutlich wie wichtig es auch für ihn sei, sich vorläufig absolut ruhig zu verhalten. Hans Faber sprach davon wie er den NSDAP Kreisleiter Schwägerl dazu brachte seiner Freilassung zuzustimmen. Hans Faber warnte seinen Vater auch davor, in nächster Zeit mit linken Freunden offen zu sprechen. Nach der Meinung von Hans Faber müsse abgewartet werden, denn der Terror der SA, das geplante Konzentrationslager in Dachau bei München, wird einige Charaktere brechen. Dann machten sich beide auf zur Mutter zurückzukehren. Hans Faber sah, dass sein Vater noch schlaf benötigte und sich erholen musste. Es wurde noch vereinbart, dass der Mutter nur gesagt würde, „ Hans ist gar kein richtiger Nazi“. Viele Mütter haben öfters die Neigung über ihre Söhne mit einer gewissen Begeisterung zu sprechen. Dazu gehörte auch Mutter Lotte. Am Nachmittag schliefen beide,gegen Abend bereitete die Mutter einen sehr wohl schmecken Schweinebraten zu. An Lore in München wurde ein Telegramm geschickt indem stand, dass Hans Faber übermorgen am 16 März wieder zuhause sei. Am nächsten Tag fuhr Hans zu seiner Schwester nach Kraiburg am Inn. Er wollte sich dort mit Fritz Rottmeier vom „ Aufbruchkreis“ treffen und einen ungeschminkten Bericht für Viktor über die Lage in der bayerischen Provinz in aller Ruhe verfassen.

 

Schreiben und ein Treffen in Kraiburg
Josef Schmidt empfing Hans Faber sehr freundlich. Der ungelenken Mensch,der Mann seiner Schwester Therese, wurde immer umgänglicher empfand Faber. Die Wohnung am Kraiburger Marktplatz war wie üblich gut geheizt. Therese platze fast vor Neugier bezüglich dessen was dem Vater widerfahren ist. Hans Faber berichtete ungeschminkt auch in Anwesenheit von Georg Schmidt. Der gute Katholik Schmidt lobte Faber für dessen „christliche Nächstenliebe“. Therese sah ihren Bruder, die meiste Zeit nur dankbar an und bewirtete ihn mit Kuchen und Kaffee. Anschließend zog sich Faber in eins der Fremdenzimmer zurück. Josef Schmidt brachte ihm eine gute Schreibmaschine. Faber saß fast die ganze Nacht an dem Bericht für Viktor, über die vorläufige Zerschlagung des Kommunismus und der Arbeiterbewegung in Südost- Oberbayern. Selbst in Kraiburg am Inn wurde der als Kommunist verschriene Ehling verhaftet. Faber stellte fest: „Alle unsere bekannten Kader in den Landkreisen Mühldorf und Altötting wurden verhaftet. Die Unterbezirksleitung Mühldorf existiert de facto nicht mehr. Nur Wimmer konnte sich vorläufig absetzen. Viele einfache Mitglieder sind eingeschüchtert, die Frauen der Festgenommenen verzweifelt. Es ist in der nächsten Zeit nur eine vorsichtige Arbeit durch die „ Roten Hilfe“ zugunsten der Inhaftierten möglich. Aber jede Geldsammlung muss sehr vorsichtig durchgeführt werden. Überall gibt es Nazispitzel und Verräter. Einige Verhaftete werden als Agent Provokateurs aus den Folterhöllen zurückkommen“ Faber schlug vor „ Freigelassene“ eine gewisse Zeit von jeder Parteiarbeit fernzuhalten. Zu groß war die Gefahr, dass sie entweder weiter überwacht wurden bzw. als Agenten tätig sind. Beim Schreiben merkte Faber wie weit er sich von der offiziellen Parteilinie entfernte. Die Komintern in Moskau, Schubert, Schulte, Wehner, Dahlem, Pieck und Ulbricht in Berlin wollten die Niederlage nicht wahrhaben. Aber die Niederlage war greifbar. Die Nazis konnten sich nicht nur auf den alten Staatsapparat stützen. Nein sie hatten eine wirkliche Massenbewegung hinter sich. In fast jedem Haus in Deutschland gab es Spitzel und Angeber. In dem Bericht an Viktor sprach sich Faber weiterhin für die Trennung des Abwehrapparates, vom Parteiapparat aus. Faber sah im Abwehrapparat eine Möglichkeit den Schlägen des Naziterrors zu entkommen. Die Masse der Mitarbeiter des Kippenbergerapperates waren den staatlichen Stellen und den Nazis nicht bekannt. Nach der Meinung von Faber müsse die eigentliche Parteiarbeit von weniger bekannten Jungkommunisten, aus dem KJVD und des „ Kampfbundes gegen den Faschismus“ fortgesetzt werden. Eine Verwicklung des Nachrichtendienstes in die direkte Parteiarbeit, der KPD beinhaltete das Risiko, diesen noch funktionierenden Dienst und somit die Aufklärung extrem zu gefährden. Im Bericht von Faber wurde auch auf die Differenzen innerhalb der Nazibewegung eingegangen. Die SA Führung war schon unzufrieden, dass sie nur an der blutigen Welle gegen Kommunisten und Sozialdemokraten teilnehmen durfte. Zwar war Heines Polizeipräsident in Breslau und der junge Schönling Karl Ernst, ein hoher Funktionär der SA in Berlin. Aber dennoch waren diese Leute unzufrieden. Röhm wollte unbedingt Minister, am besten Reichswehrminister werden. Aber dagegen stemmte sich die Reichswehrführung. Nach der Meinung Fabers würde es irgendwann zum Konflikt kommen. „Dieser Konflikt wäre Ausdruck von unterdrücktem Ehrgeiz der SA Führung in Kombination mit kleinbürgerlicher Unzufriedenheit. Bezüglich der nichteingehaltenen sozialen Versprechungen der Faschisten. Aber ohne schlagkräftige Arbeiterbewegung, ohne real vorhandener marxistischer Kader würde der sich anbahnende Konflikt nicht ausgenutzt werden können.“ Mit etwas anderen Worten gab Hans Faber, eigentlich die Position von „Neu Beginnen“ wieder. „ Neu Beginnen „ lehnte sich eng an Lenins Schrift „ Was Tun“ an und gab die Losung aus, die Kader zu beschützen und nicht durch auffällige Aktionen zu verheizen. Gleichzeitig war für Faber „ Neu Beginnen“ ein konspiratives Abenteuer. Miles wollte aus SPD, KPD, SAP und KPO Kadern eine neue Arbeiterpartei schaffen. Das erschien Faber etwas konstruiert. Dennoch schrieb Faber in etwas anderen Worten an Viktor, die Position der Gruppe „ Neu Beginnen“ bezüglich des Faschismus. Die Gruppe hatte im Reich etwa 100 Aktivisten bestehend aus mittleren KP und SP Funktionären. Faber beschloss den Bericht auch an „ Neu Beginnen“ direkt am Baum 6 im „Englischen Garten“ in München zu übergeben. Dann fertigte Faber noch einen speziellen Bericht für Hans Beimler Landesleiter der KPD Bayern an.

Die Lage der KPD in Südostoberbayern

Faber schrieb: „ Von unseren 20.000 Mitgliedern in Bayern sind bereits über 2.000 in Haft. Weitere Verhaftungen werden folgen. Bis dato wurde der mittlere Funktionärskreis der KPD durch Terror und Inhaftierungen der Partei entzogen. Dadurch sind weite Teile der Führung vom direkten Kontakt mit der Basis abgeschnitten. Die Lage ist dramatisch. Ihr müsst sehr vorsichtig sein. Achtet auch darauf wer bereit ist weiter Widerstand zu leisten. Prüft genau die Leute. Es werden Provokateure auftauchen. Setzt auf die Jugend.“ Dann schrieb Faber über den Charakter der KPD Mitgliedschaft in Südbayern. Der Bericht befasste sich mit dem Phänomen, dass die KPD in der Weimarer Republik in den katholischen Regionen oftmals stärker war als in den protestantischen ländlichen Gebieten. Bei der Reichstagswahl im November erreichte die KPD in gesamt Bayern ein Wahlergebnis von 10,30%. In den protestantischen Gebieten mit der Ausnahme von Arbeiterstädten, wie Nürnberg Fürth und Schweinfurt und dem Sonderfall Selb, wo die KPD weit stärker war als die Nazipartei und die SPD, war das Wahlergebnis in Mittel und Nord Bayern schlechter als in Südbayern und der Oberpfalz. Dies hatte nach Faber einfache Gründe. Natürlich war das Wahlergebnis in Augsburg und München mit 20% und fast 20% sehr gut. Aber in diesen Städten war die KPD keine in den Betrieben massiv vorhandene Arbeiterorganisation mehr. Sie war im wesentlichen eine Organisation von Arbeitslosen. In den ländlichen Gebieten, den klein und Mittelstädten waren die Masse der Mitglieder meist ungelernte Arbeiter, Heimarbeiter, Tagelöhner, oder in den Steinbrüchen im bayerischen Wald beschäftigt. Die Ausbeutung, das Elend war hier besonders verbreitet. Im Rahmen des verzögerten Industrialisierungsprozesses wurden hier die Arbeiter extrem ausgenommen. Dies galt von den Bergarbeitern in Penzberg, bis hin zu den neuen Arbeiterschichten in den Aluminiumwerken in Töging am Inn, bzw. auch zum Teil in der Wacker Chemie in Burghausen. Obwohl bei Wacker sozialdemokratische Facharbeiter den Ton angaben. Meist bestand in den ländlich geprägten Gebieten keinerlei soziale Kompromisslinie. Oftmals fehlte der privilegierte sozialdemokratische Arbeiteraristokrat. Letzteres galt besonders für die Ungelernten am Bau. Der Sozialprotest war deshalb besonders verbreitet. Die Masse der KPD Wähler waren in Südost Oberbayern nicht Menschen aus dem klassischen historisch gewachsenem Proletariat, sondern viele waren noch bis vor kurzem Bauern. Es gab eine extremen Ausbeutung, in den Klein und Mittelunternehmen, aber auch in den moderneren größeren Betrieben, die oftmals erst in diesem Jahrhundert entstanden sind. In den ländlichen Gegenden waren die ungelernten Arbeiter verelendet, sie lebten in Not und Existenzangst. Die Abscheu gegenüber den örtlichen Kapitalisten, sowie den örtlichen Honorationen war ziemlich ausgeprägt. Gleichzeitig waren viele dieser Menschen vom Katholizismus geprägt. Ihre Ablehnung des bestehenden orientierte sich an den radikalen Heilsversprechungen der KPD. Die Mitgliedschaft der KPD war in Teilen nicht besonders stabil und zudem Ortsbekannt. In den Klein und Mittelstädten war das kommunistische Milieu fast komplett erfasst, in den Dörfern und Markgemeinden erst recht. Dort galt der Kommunist als absoluter Außenseiter. Unter diesen Bedingungen bedeutende illegale Aktionen durchzuführen, hielt Hans Faber in der nächsten Zeit für schier unmöglich. Während des Schreibens des Berichtes kam in Hans Faber immer wieder eine gewisse Skepsis auf. Zwar glaubte er, dass Hans Beimler, den Bericht gutheißen und verstehen würde, aber war sich nicht so sicher inwieweit die KPD Führung im Stande war mit realen Berichten etwas anzufangen. Anschließend legte Hans Faber, für Beimler noch die Letzten Reichstagswahlergebnisse aus dem „Herz Bayerns“ dem Wallfahrtsort Altötting bei. Den Zahlen konnte die Dominanz der BVP sogar noch anlässlich der Terrorwahlen vom 5 März entnommen werden. Zusätzlich der Fakt, dass sowohl in Altötting als auch in Burghausen SPD und KPD, zusammengerechnet noch um einiges stärker waren als die Nazis. In dem Schriftsatz waren die Wahlergebnisse für die Stadt Altötting aufgelistet. –

 

„Wahl vom 31. Juli 1932:

SPD (492 Stimmen)
NSDAP (Hitlerbewegung) (379 Stimmen)
KPD (285 Stimmen)
Deutschnationale Volkspartei (21 Stimmen)
Deutsche Volkspartei (11 Stimmen)
Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei e.V.) (7 Stimmen)
Deutsche Staatspartei (1 Stimme)
Bayerische Volkspartei (1.022 Stimmen)
Christlich sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (11 Stimmen)
Volkrechtspartei (2 Stimmen)
Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (32 Stimmen)
Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (7 Stimmen)
Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Bauern (-)
Landwirte, Haus- und Grundbesitzer (1)
Nationalsozialistische Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer (3)
Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands (Christlich radikale Volksfront) (-)
Nationalsozialistischer Volksbund für Wahrheit und Recht (-)
Freiheitliche nationalsozialistische Deutsche Mittelstandsbewegung (-)

Wahl vom 6. November 1932
NSDAP (Hitlerbewegung) (366 Stimmen)
SPD (505 Stimmen)
KPD (316 Stimmen)
Deutschnationale Volkspartei (35 Stimmen)
Radikaler Mittelstand (4 Stimmen)
Bayerische Volkspartei (1.012 Stimmen)
Deutsche Volkspartei (10 Stimmen)
Deutsche Staatspartei (2 Stimmen)
Christlich sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (3 Stimmen)
Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei e.V.) (3 Stimmen)
Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (24 Stimmen)
Volksrecht-Partei (-)
Sozialrepublikanische Partei Deutschlands (Hörsing-Bewegung für Arbeitsbeschaffung) (-)
Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (2)
Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer (2)
Enteigneter Mittelstand (1)
Handwerk, Handel- und Gewerbetreibende (4)

Wahl vom 6. März 1933
NSDAP (Hitlerbewegung) (695 Stimmen)
SPD (500 Stimmen)
KPD (219 Stimmen)
Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (42 Stimmen)
Bayerische Volkspartei (1.034 Stimmen)
Deutsche Volkspartei (9 Stimmen)
Christlich Sozialer Volksdienst (Evangelische Bewegung) (3 Stimmen)
Deutsche Staatspartei (2 Stimmen)
Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund (Deutsche Bauernpartei) (22 Stimmen)“

Im Landkreis Altötting mit seiner großen bäuerlichen Bevölkerung hatte die Reichstagswahl vom 5. März folgendes Gesamtergebnis. NSDAP 6.381 Stimmen, SPD 3.134 Stimmen, KPD 1.473 Stimmen, BVP 11.331 Stimmen, DNVP 334 Stimmen, DVP 107 Stimmen, Deutsche Bauernpartei 2.073. Dazu kamen noch einige Einzelstimmen für Kleinparteien. Hans Faber schlussfolgerte, dass die KPD und SPD zusammen fast so stark waren wie die Nazis. In den Städten Neuötting und Burghausen sogar wesentlich stärker.

Dann befasste sich Faber noch mit der politischen Situation in Mühldorf am Inn. Der NSDAP- Kreisleiter Fritz Schwägerl nannte bezüglich Mühldorf während des Abends in Neuötting keine Namen der verhafteten Kommunisten und Sozialdemokraten, in dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt Mühldorf. Hans Faber ging aber auch bezüglich Mühldorf von einigen Verhaftungen aus. Offensichtlich hielt Schwägerl, die Umgebung von Mühldorf für weniger gefährlich als die Städte Burghausen, Altötting, Neuötting und den Arbeiterwohnort Töging, mit den dazugehörigen Aluminiumwerken, sowie den „Inn Schleusenanlagen“ zwecks Elektrogewinnung. Im Landkreis Mühldorf,bis auf die Stadt Mühldorf selbst, war das Wahlergebnis vom 5. März, sowohl für SPD und KPD schlechter als im Landkreis Altötting. In beiden Landkreisen behielt aber die konservative katholische BVP entgegen dem bayerischen Trend, die Mehrheit. Im Landkreis Altötting war diese Mehrheit noch wesentlich deutlicher als im Landkreis Mühldorf. Als Basis für streng konspirative illegale Tätigkeit sah Hans Faber das Betriebswerk der Reichsbahn in Mühldorf am Inn an. Dort hatte die KPD einige Mitglieder, welche den Nazis nicht bekannt waren. Hier wurde weitgehend auf offene RGO Arbeit verzichtet. Im Betriebswerk der Bahn in Mühldorf gaben sich die KPD Mitglieder in der Weimarer Republik nicht offen zu erkennen. Die Betriebszeitung „ Der Rote Eisenbahner“ wurde von außen, durch Ortsfremde in der halblegalen Zeit an den Betriebstoren verteilt. Ob der realistische Bericht in der KPD Führung positiv aufgenommen werden würde bezweifele Hans Faber. Immer noch träumte man vor der bevorstehenden Revolution und wollte die Niederlage der Arbeiterbewegung nicht wahrhaben. Mit diesem Bedenken im Kopf legte sich Hans Faber schließlich schlafen.

 

Fritz Rottmeier in Kraiburg am Inn

 

Am 15 März kam der seit langer Zeit konspirativ- für den Militärapparat- arbeitende Fritz Rottmeier am Bahnhof Kraiburg gegen Abend an. „ Hallo Faber weißt du schon das neueste“ rief Rottmeier. Faber verneinte am Bahnhof,der mitten im Wald lag. Im Auto begann Rottmeier zu erzählen: „ Ministerpräsident Held ist heute am 15. März aus Gesundheitsgründen zu seinem Bruder in die Schweiz gereist. In einem recht klaren Schreiben legte er die Geschäfte vorläufig nieder. Deine Lore hat mir bei Baum 3, wo sie deinen Hund Poldi ausführte, heute Vormittag nach dem Stichwort Viktor mit C erzählt, was morgen passiert. Epp übernimmt ohne formaljuristische Rücksichten einfach als kommissarischer Ministerpräsident am 16. März, die Regierung und setzte kommissarische Minister ein: für das Innere Gauleiter Adolf Wagner, für Finanzen den Oberbürgermeister von Lindau Ludwig Siebert, für Justiz deinen Anwaltskollegen Hans Frank, für Kultus Gauleiter Hans Schemm . Gleichzeitig wurde die Einrichtung von SA-Sonderkommissaren für alle Regierungen und Bezirksbehörden,teilweise auch auf der Ebene der Kommunen, unter Kommissar Röhm verfügt und Himmler ganz offiziell zum Leiter der Bayerischen Politischen Polizei ernannt. Ein gewisser Heydrich leitet in Wahrheit die polizeiliche Verfolgung in Bayern. Er scheint nach Lore, das Gehirn des Terrors zu sein. Übrigens deine Lore ist ein flotter Feger. Sie hat sich bei mir über Avancen des Rockjägers Heydrich beschwert. Ich hoffe deine Lore ist zuverlässig und treu“.
Nachdem Rottmeier geendet hatte parkte Faber seinen Wagen am Kraiburger Marktplatz. Die beiden Freunde gingen zum Stolz Bräu am Stadtberg. Hans Faber benötigte jetzt etwas Alkohol, um sich zu beruhigen. Das örtliche Bier hatte auch geschmacklich etwas zu bieten. Freundlich wurde Faber vom Wirt und Brauereibesitzer begrüßt. In einer Ecke des Lokals begannen die beiden Freunde die Lage noch gründlicher zu besprechen. Faber ging von einer längeren Herrschaft der Nazis aus. „ Die haben eine Massenbasis Fritz und jetzt die Repressionsorgane des Staates in der Hand “ erklärte Faber. Eindringlich versuchte Faber klar zulegen wie stark die Nazis seien und dass Widerstand nur auf streng konservative Basis möglich sei. Farber wiederholte seine Grundgedanken aus den Berichten an Viktor, sowie an Hans Beimler. Dann wollte Rottmeier noch einige Details über die Naziführung erfahren. Hans Faber berichtete ausführlich über die innere Struktur der Nazi Partei. „Göring und Röhm können sich nicht riechen. Der so genannte Stellvertreter des Führers Rudolf Hess ist nur Sekretär und ein esoterischer angehauchte Fanatiker. Streicher in Nürnberg ist eine Drecksau, sein Blatt „Der Stürmer“ bedient die niedrigsten Instinkte der Nazianhänger und ist eigentlich ein pornographisches Blatt, welches sich über angebliche Sauereien die Juden gegenüber “ arischen Mädchen“ auslässt. Alfred Rosenberg gilt nach wie vor als Chefideologe, wird aber selbst von Goebbels nicht ernst genommen. Die alten Kämpfer Hitlers Christian Weber, Hermann Esser, Max Amann bleiben alle in München. Enorm gefährlich und brutal ist der neue Polizeichef, der SS Führer Himmler. Dieser Himmler ist nicht nur brutal sondern pedantisch darauf bedacht alle Gegner des Naziregimes unerbittlich zu verfolgen. An seiner Seite arbeitete ehemalige gescheiterte Marineoffizier Reinhard Heydrich mit bösartiger Obsession und Intelligenz. Röhm ist damit beschäftigt seine Gewaltfantasien auszuleben. Der Gauleiter Wagner ist ein phrasendreschender Trunkenbold aber sehr gefährlich. Hermann Esser wird in Bayern bleiben vielleicht noch irgendeine repräsentative Funktion im Reich erhalten. All diese Leute sind vereint im Kampf gegen die Arbeiterbewegung obwohl sie untereinander viele Differenzen haben. Vorläufig können wir nicht daraufsetzen, dass wir von diesen Differenzen profitieren könnten. Hitler ist vollständig dem Monopolkapital ergeben. Hitler hat der Bourgeoisie zugesichert, erstens die Arbeiterbewegung brutal zu zerschlagen, zweitens dadurch die Verwertungsprobleme des Kapitals radikal zu beheben und drittens durch ein Programm der Aufrüstung ihnen Maximalprofite zu bescheren. Letztendlich wird das ganze im Kampf um die Neuaufteilung der Welt durch den deutschen Imperialismus enden können. Hitler ist keine direkte Marionette des Kapitals, er hat eine gewisse politische Unabhängigkeit, die Bourgeoisie verzichtete auf ihre direkte Herrschaft in dem sie auf faschistische Massenbewegung setzt, welche das kapitalistische System selbst auf die Gefahr des Bürgerkrieges hin rettet und stabilisiert. „ Rottmeier machte sich ausführliche Notizen. Plötzlich trat ein großgewachsener Mann auf die beiden Freunde in der Ecke des Lokals zu. Es war der sich selbst so nennende „Gutsbesitzer“ Baumann vom Gut Ensfelden bei Kraiburg. Er lud für den morgigen Tag die beiden Freunde zum Mittagessen auf seinem Einödhof in Ensdorf ein. Faber sagte direkt zu, denn auf den 3-4 km langen Weg zu dem Gehöft konnte er in Ruhe weitere Dinge mit Rottmeier besprechen. Dann gingen beide in die Wohnung von Therese, bekamen noch etwas warmes und legten sich hin. Für Joseph Schmidt war der Pensionsgast wieder einmal ein Klient seine Schwagers, der aber gar nicht bürgerlich aussah.

Bilder aus Burghausen

Bildergebnis für Burghausen KPD

Bildergebnis für Burghausen KPD

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